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Tour de France: Petacchi gewinnt erste Etappe

Alessandro Petacchi hat am Sonntag die erste Etappe der 97. Tour de France für sich entschieden. Der italienische Radprofi setzte sich nach zwei Massenstürzen bei der Zieleinfahrt durch. Gesamtführender blieb der Schweizer Fabian Cancellara.

Fabian Cancellara in Gelb, Tony Martin in Weiß und der erste Sprintsieger Alessandro Petacchi in Grün: Bei Lance Armstrongs letzten Frankreich-Festspielen haben die Topfahrer ihre Trikotjagd vor einem Millionen-Publikum furios eröffnet. Allerdings überschatteten zwei dramatische Massenstürze auf den letzten 1200 Metern am Sonntag den Zieleinlauf der 1. Etappe in der belgischen Hauptstadt. Unter den Opfern war auch der Topfavorit für Brüssel, Mark Cavendish, und Spitzenreiter Cancellara. Alle Gestürzten wurden nach 223,5 Kilometer aber mit der gleichen Zeit des italienischen Siegers gewertet, weil sich die Stürze in der Drei-Kilometer-Zone vor dem Ziel ereignet hatten.

Eine Tag vor dem Überraschungssieg Petacchis nach dem Sturz-Chaos in Brüssel hatte der erneut mit Dopingvorwürfen konfrontierte Altmeister Armstrong viele verblüfft und zum ersten Mal seinen Intimfeind Alberto Contador in einem Zeitfahren geschlagen. "Der Boss ist zurück", titelte das Tour-Organ "L'Équipe" anerkennungsvoll nach dem vierten Platz des 38-Jährigen in Rotterdam. "Ich habe mich vom Start bis zum Ziel großartig gefühlt", sagte Armstrong.

Dramatische Sturzserie

22 Stunden nach Armstrongs kleiner Renaissance, mit der der Radprofi aus Texas Prologsieger Cancellara aber nicht zu gefährden vermochte, konnte Cavendish nicht an seine Siegesserie vom Vorjahr anknüpfen. Auch beim Tour-Abstecher nach Belgien herrschte am Sonntag ausgelassene Volksfeststimmung. Die Strecke führte auch durch Meise, den Wohnort der Radsport-Ikone Eddy Merckx. Der Feten-Charakter bekam durch die Sturzserie aber einen Dämpfer - unmittelbar nach der Zieldurchfahrt war noch nicht klar, wie lang die Verletztenliste sein würde.

In Rotterdam hatte das T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia den großen Coup nur hauchdünn verpasst, als Cancellara als vorletzter Starter Martins Fahrt in Gelb verhinderte. Alles Zittern half dem 25-Jährigen nichts, der hilflos mitansehen musste, wie ihn der Olympiasieger aus der Schweiz nach 8,9 Kilometern in der niederländischen Hafenstadt noch um zehn Sekunden abfing.

Gelungener Auftakt für Armstrong

Den Traum vom ersten "Maillot Jaune" seiner Karriere hat Martin, der sich vorerst mit dem Weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers zufriedengeben muss, aber noch nicht aufgegeben: "Wenn ich die erste Woche durch Belgien und Nordfrankreich gesund überstehe, kann ich vielleicht am kommenden Samstag auf der ersten Alpenetappe Gelb holen", kündigte der deutsche Zeitfahrmeister an. Zweitbester der 15 deutschen Tour-Starter im Prolog war Milram-Kapitän Linus Gerdemann als Zehnter.

Der 27-Jährige war nur 13 Sekunden langsamer als Armstrong, der seinen gelungenen Auftakt richtig einordnete: "Es läuft bei mir etwas besser als im Vorjahr, aber das Niveau meines letzten Toursieges von 2005 habe ich natürlich nicht." Trotzdem holten Armstrong die alten Zeiten wieder ein: Pünktlich zum Start seiner letzten Tour schilderte Ex-Teamkollege Floyd Landis im "Wall Street Journal" brisante Details der angeblichen Doping-Praxis im früheren gemeinsamen US-Postal-Team. So sei Doping mit Eigenblut, EPO und Testosteron an der Tagesordnung gewesen. Armstrong wies die Vorwürfe umgehend zurück. Dies seien alles "falsche Anschuldigungen", Landis ohnehin ein Mann mit "null Glaubwürdigkeit".

Für den Tour-Rückkehrer Ivan Basso verlief das erste Wochenende, weniger erfreulich. Nach einem schlechten Prolog mit Platz 72 musste der italienische Giro-Sieger am Sonntag auch noch einen Sturz verdauen. Ein über die Straße laufender Hund brachte den Liquigas- Kapitän zu Fall, der aber bald wieder den Anschluss ans Fahrerfeld schaffte. Cancellara liegt im Gesamtklassement weiter mit seinem Zehn-Sekunden-Vorsprung vor Martin.

lea/DPA / DPA

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