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Tour de France: Regen stoppt Sprinter

Regennasser Asphalt hat die Sprintfraktion kurz vor der Ziellinie der 6. Etappe aus den Pedalen geschleudert. Nutznießer war der Italiener Lorenzo Bernucci. Lance Armstrong büßte einige Sekunden ein.

Lance Armstrong fährt im Gelben Trikot nach Deutschland, auch wenn er beim turbulenten Finale der 6. Etappe Sekunden einbüßte. Nach 199 Kilometern schlug im Ziel in Nancy nicht wie erwartet die Stunde der Sprinter. Sie kamen durch einen Sturz auf regennasser Straße 800 Meter vor dem Ziel ebenso wie Armstrong aus dem Tritt. Von dem Zwischenfall profitierte nicht nur Etappensieger Lorenzo Bernucci aus Italien, sondern auch der zweitplatzierte Alexander Winokurow.

Der T-Mobile-Profi aus Kasachstan machte inklusive Zeitgutschrift 19 Sekunden auf Armstrong gut liegt jetzt im Gesamtklassement auf Rang drei nur noch 1:02 Minuten hinter dem Titelverteidiger. Dafür war eine Jury-Entscheidung nötig, die die Folgen des Sturzes in Rechnung stellte. "In diesem heiklen Finale Winokurow nachzusetzen, wäre zu gefährlich gewesen", erklärte Discovery-Sprecher Jörg Müller Armstrongs Passivität auf den letzten zwei Kilometern.

Bernucci holte sich seinen ersten Tagessieg vor Winokurow und sieben Sekunden vor dem ersten Teil des Feldes, das Robert Förster (Markkleeberg) vom Team Gerolsteiner als Drittplatzierter über die Ziellinie führte. Der Ausreißer Christophe Mengin war der große Pechvogel, als er in der letzten Kurve vor dem Zielstrich stürzte und damit das überraschende Ende in die Wege leitete.

Der Franzose trug ein stark geschwollenes Auge davon und weinte im Ziel bitterlich. "Wäre ich in der Kurve nicht aus der Pedale gerutscht, hätte ich gewonnen", sagte Winokurow, der vor dem Unfall etwa zehn Meter hinter Mengin fuhr, der als Stärkster einer fünfköpfigen Ausreißergruppe am längsten widerstanden hatte.

Im Gesamtklassement gab es vor der Fahrt nach Karlsruhe - die Tour-Karawane passiert bei Wintersdorf die Grenze - geringfügige Veränderungen, die erst durch einen Jury-Entscheid festgelegt wurden. Jan Ullrich, der vor dem 24-stündigen Heimspiel in Baden weiter Optimismus verbreitet, liegt unverändert 1:36 Minuten hinter dem sechsfachen Rekordsieger aus Texas.

Die Stunde des angriffslustigen Jens Voigt, von dem schon bei der 6. Etappe eine Attacke erwartet wurde, könnte übermorgen auf der Fahrt von Pforzheim nach Gerardmer schlagen. Das Streckenprofil mit fünf leichteren Anstiegen dürfte ihm besonders liegen. 2001 hatte der bisher erfolgreichste deutsche Radprofi in diesem Jahr auf ähnlichem Terrain in Pontarlier für einen Tag das Gelbe Trikot geholt. Auf dem Weg nach Karlsruhe dürften morgen wieder die Sprinter gefordert sein.

Mut der Ausreißer nicht belohnt

Auf der Strecke von Troyes nach Nancy hatte sich nach 30 Kilometern eine fünfköpfige Ausreißer-Gruppe gebildet, die lange dem Regen und den widrigen Bedingungen trotzte. Wie an den Vortagen hatten die Flüchtlinge aber wenig Glück. "Wir wussten, dass es auf den letzten Kilometern gefährlich wird. Deshalb war ich konsequent vorne. Ich freue mich wahnsinnig für 'Wino' - das ist gut fürs Team", sagte Ullrich.

Besonders wehmütig dürfte der vom T-Mobile-Team zum ersten Mal seit elf Jahren nicht nominierte Erik Zabel nach Frankreich geblickt haben. An seinem 35. Geburtstag stand für den Berliner bei der parallel laufenden Österreich-Rundfahrt ein Bergzeitfahren auf dem Programm. "Nur zehn Kilometer mit bis zu 20 prozentiger Steigung", vermeldete der Sprinter, der die Tour nicht täglich live im Fernsehen verfolgen kann, aber "bestens informiert" ist. Zabel will am letzten Tour-Wochenende als Co-Kommentator bei der ARD auftreten.

Angriff mit "traumhaften Beinen"

Sein Teamkollege Ullrich hat sich derweil noch lange nicht aufgegeben. "Noch ist alles möglich", hatte er auf der Internetseite seines Teams vor dem Start zur 6. Etappe erklärt. Beim Team-Zeitfahren, bei dem T-Mobile 35 Sekunden auf das Sieger-Team Discovery Channel von Armstrong verlor, habe er "traumhafte Beine" gehabt. Dementsprechend optimistisch ist Ullrich für den Rest der Tour: "Die Zeit wird in den Bergen gutgemacht. Deshalb werde ich angreifen, wann immer es möglich ist."

Andreas Zellmer und Jens Marx/DPA / DPA

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