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Tour de France: Totschnigs toller Soloritt

Gerolsteiner-Fahrer Georg Totschnig aus Österreich hat die 14. Tour-Etappe im Alleingang gewonnen. Armstrong untermauerte mit Platz zwei seine Führungsposition. Ullrich macht als Vierter einen Sprung in der Gesamtwertung.

Georg Totschnig hat dem Gerolsteiner-Team mit seinem Etappensieg das schönste Tour-Erlebnis seit drei Jahren beschert, Lance Armstrong baute seinen Vorsprung weiter aus: Die erste von zwei Pyrenäen-Etappen der 92. Tour de France änderte nichts Wesentliches am Status quo der Favoriten - mutige Attacken von Jan Ullrich wurden im Endeffekt mit 20 Sekunden Zeitverlust auf Armstrong bestraft. Der 34-jährige Österreicher Totschnig, im Vorjahr in Paris Tour-Siebter, sicherte sich und seinem Team nach 220,5 Kilometer in Ax-3-Domaines den ersten Etappenerfolg seit der Tour-Zugehörigkeit 2003. Totschnig ist der erste österreichische Etappensieger nach dem Krieg.

"Heute oder morgen hatten wir etwas geplant. Aber dass es auf Anhieb tatsächlich so gut laufen würde, hätte ich nie gedacht", freute sich Gerolsteiner-Teamchef Christian Henn. Totschnig war überglücklich: "Das ist heute ein großer Tag für mich. Nach der Tour de Suisse lag ich mit einer Erkältung eine Woche im Bett, deshalb war ich zum Tour-Start sehr schwach. Ich war nach den ersten Etappen über meine Leistung total sauer und wollte schon nach Hause fahren. Zum Glück habe ich es nicht getan."

Die letzten beiden Anstiege meisterte Totschnig im Alleingang und rettete überglücklich 56 Sekunden Vorsprung vor dem zweitplatzierten Armstrong ins Ziel. Ivan Basso (Italien) wurde zwei Sekunden hinter dem Rekordsieger aus Texas Dritter. Im Gesamtklassement baute Armstrong vor der "Königsetappe" am morgigen Sonntag seinen Vorsprung vor dem Dänen Mikael Rasmussen auf 1:41 Minuten aus. Ullrich, der nach großem Kampf auf den letzten 800 Metern abreißen lassen musste, ist jetzt mit 4:34 Minuten Rückstand Vierter. "Es hat keinen Zweck, Lance am letzten Anstieg zu attackieren. Wir haben alle alles gegeben. 500 Meter vor dem Ziel ging bei mir nichts mehr. Wenn ich Sonntag wieder gute Beine habe, greife ich wieder an", versprach Ullrich.

Tränen der Freude

Die deutschen Teams bestimmten die erste Pyrenäen-Etappe. Totschnig, der bei der Siegerehrung Tränen des Glücks vergoss, hatte sich aus einer Spitzengruppe vor dem vorletzten Anstieg des Tages abgesetzt. Der bisher eher enttäuschende Profi aus dem Gerolsteiner- Team nahm den steilen und kurvenreichen Port de Pailheres (2001 Meter) als Solist und träumte vom Etappensieg 29 Kilometer später. Die Sonne brannte so unbarmherzig, dass sogar auf über 2000 Meter noch 30 Grad gemessen wurden.

Doch in seinem Rücken hatte sich längst eine Spitzengruppe mit Armstrong gebildet. Der Tour-Boss aus Texas schien etwas mit seinen Konkurrenten zu spielen. Als Ullrich mit Basso 10 Kilometer vor dem Gipfel des Pailheres attackierte, ließ er ihn ziehen. Als der Abstand knapp zehn Sekunden betrug, machte er sich alleine auf, an die Führungsgruppe scheinbar mühelos heranzufahren.

Der vorletzte Anstieg, auf dem Ullrich vor der Tour trainiert hatte, brachte eine Vorentscheidung. Armstrong hatte dort Rasmussen, der im Gesamtklassement auf Rang zwei bisher am gefährlichsten schien, sowie Andreas Klöden und Alexander Winokurow Zeitrückstande verpasst. Bis auf Winokurow konnten die anderen zeitweise Zurückgefallenen in der Ebene vor dem Schlussanstieg in die 1372 Meter hoch gelegene Skistation Ax-3-Domaines wieder aufschließen. Doch kurz danach fielen sie wieder zurück - im Finale waren Armstrong, Basso und Ullrich unter sich.

Husarenritt durch "vermintes Terrain"

Morgen folgt der mit Fug und Recht als "Königsetappe" bezeichnete 15. Abschnitt der diesjährigen Tour mit sechs Anstiegen. Insgesamt müssen die Fahrer 120 Kilometer ansteigen. Keiner würde sich wundern, wenn der Tour-Dominator vom Discovery-Team auch dann noch ein Mal zuschlägt, obwohl ihm die französische Zeitung "Figaro" in den Pyrenäen "vermintes Terrain" prophezeit hatte.

"Das war heute ein sehr schwieriger Tag wegen der Hitze und der Länge des Rennens. Am Schluss war ich leider etwas isoliert und T-Mobile war stark. Zum Glück konnte ich die Konkurrenten in Schach halten und sogar vom Verlauf der Etappe noch profitieren", sagte Armstrong.

Andreas Zellmer und Heinz Büse/DPA / DPA

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