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Kampfsport mit Waffen: Sind das die Gladiatoren der Zukunft?

Schon heute erinnern Mixed Martial Arts an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom, nur ohne Waffen. Dies will eine Firma aus Australien nun ändern - mit futuristischen Kampfanzügen.

Lorica

Mit der Kampfrüstung "Lorica" will ein australisches Unternehmen das Zeitalter der modernden Gladiatorenkämpfe einläuten

Lange Zeit haben sich Kampfsportler in ihren jeweiligen Disziplinen vor Allem untereinander gemessen. Bis in den 90er-Jahren die sogenannten Mixed Martial Arts (MMA) immer populärer wurden. Durch die Professionalisierung der MMA in Ligen wie K-1 oder der bekannteren Ultimate Fighting Championship (UFC) gelang es, den jungen Vollkontaktsport von der Straße und aus den Hinterhöfen zu holen - und mit klaren Regeln einem Millionenpublikum anzubieten. Plötzlich traten eben nicht mehr nur verschiedene Vertreter einer Kampfsportart gegeneinander an, sondern auch die verschiedensten Kampfstile - vom Boxen, über Muay Thai bis zum Brasilianischen Jiu Jitsu, in beliebigen Kombinationen.

Der Erfolg der UFC hat sicher auch damit zu tun, dass die teilweise durchaus blutigen Duelle im Oktagon, an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom erinnern. Der unverfälschte Kampf, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, frei nach dem Motto: Zwei gehen rein, einer kommt raus - nur das bei der UFC natürlich spätestens beim K.O. Schluss ist. Abgesehen davon, dass im alten Rom bis zum Tod gekämpft wurde, gibt es vielleicht noch einen fundamentalen Unterschied: Bei Gladiatorenkämpfen kamen die verschiedensten Waffen zu Einsatz, was bei den größtenteils ungeschützten Kontrahenten des "ultimativen Kampfwettbewerbs", natürlich in kürzester Zeit fatale Folgen hätte - wie damals eben.

Ein Kampfanzug wie aus einem Science-Fiction-Film

Doch nun schickt sich eine australische Firma an, der Welt des Kampfsports die Waffen zurückzugeben - mit einem Kampfanzug, der wie aus einem Science-Fiction-Film anmutet. Der Name der Erfindung: "Lorica" - in Anlehnung an die verschiedenen Rüstungstypen der römischen Armee. Chiron Global heißt das Unternehmen aus Sydney, dass mit dem Unified Weapon Master eine  "revolutionäre, neue Kampfsport und Unterhaltungs-Erfahrung" anpreist.

Lorica

Der martialisch wirkende Kampfanzug erinnert auf den ersten Blick an eine Mischung aus einem Stormtrooper aus Star Wars und Tony Starks Iron-Man-Anzug. Doch anders als bei Iron-Man besteht die Lorica-Rüstung nicht aus Metall sondern aus Kevlar und Carbonfaser. Weitere Bestandteile sind Betriebsgeheimnis, wie das US-Magazin "The Economist" schreibt.

Die extrem leichten aber dennoch robusten Verbundstoffe sollen maximalen Schutz bei einem relativ geringen Gewicht von nur 19 Kilo garantieren. Bisher waren  Schutzanzuge wegen ihrem teils hohen Gewicht und mangelnder Flexibilität für Kampfsportarten eher ungeeignet. Zu hoch war die Bewegungseinschränkung, die für Kämpfer unerlässlich ist. Das geringe Gewicht der Lorica soll eben dieses Manko überwinden - und so die Tür in eine Kampfsport-Welt voller neuer Möglichkeiten aufstoßen.

Einsatz verschiedenster Waffen möglich

Erstmals soll es Kämpfern verschiedenster Kampfstile möglich sein mit verschiedensten traditionellen Waffen - und mit voller Kraft - gegeneinander anzutreten. Verletzungen sollen dabei ausbleiben. Einige Beschränkungen hat das System dennoch: Um die Flexibilität des Anzugs zu garantieren, sind die Gelenke mit einem dichten Schaumstoff geschützt, weshalb der Einsatz von scharfkantigen Waffen wie beispielsweise Schwertern bislang nicht möglich ist. Kampfstäbe, Nunchakus und weitere "stumpfe" Waffen sollen für die Lorica-Rüstung aber kein Problem sein.

Doch wie will man bei so einem Kampf den Sieger bestimmen? Die Lorica hat dafür einen interessanten Lösungsansatz - eine Art Bewertungs-System ist bereits in den Anzug eingebaut. 52 Sensoren sollen Treffer bis zu 10.000 Mal die Sekunde messen - und den Schiedsrichtern und dem Publikum genau zeigen, wer, wo mit welcher Wucht getroffen hat. Und auch für die Darstellung der Treffer hat man sich beim Unified Weapon Master etwas einfallen lassen - und sich dabei offenbar am Computer- und Konsolenspiel orientiert. In der Regel zeigt hier ein sogenannter "Gesundheitsbalken", wie es um den Zustand der Kontrahenten in Kampf-Spielen bestellt ist. Wie das Ganze dann aussehen soll, zeigt dieses Video:

Anhand von bestehenden Datensätzen soll dann bestimmt werden, ob es sich ohne Anzug um einen Bruch, eine Fleischwunde oder andere Verletzungen handle. Um ihre bestehenden Datensätze noch zu präzisieren, plane das Unternehmen laut dem "Economist" eigene Experimente - bei denen Schweinekadaver mit diversen Waffen malträtiert werden sollen, um den Verletzungsgrad verschiedener Waffen bei verschiedener Intensität zu errechnen.

Militär bekundet Interesse an der Lorica

Eine Runde des Unified Weapon Master soll 90 Sekunden dauern - was auch daran liegt, dass es in den Anzügen sehr heiß wird. Doch auch für dieses Problem gibt es angeblich schon eine Lösung: Während den Kampfpausen soll gekühlte Luft durch ein Netz von Silikonschläuchen geleitet werden, die in dem Anzug fest integriert sind.

Wie soll es nun mit dem Unified Weapon Master weitergehen? Vor kurzem hat die Organisation ein erstes "Underground"-Event im neuseeländischen Wellington veranstaltet, um zu zeigen, was die Lorica alle wegstecken kann. Dabei sollen Waffen wie das japanische Holzschwert Bokken, Langstäbe, Langschwerter (mit stumpfer Klinge) und Kali-Stöcke zum Einsatz gekommen sein. Einer der Gründer von Chiron Global, Justin Forsell, sagte dem "Economist", die ersten offiziellen Kämpfe des Unified Weapon Master sollen im Verlauf dieses Jahres in Australien stattfinden. Für das Jahr 2017 seien dann auch Kämpfe in den USA geplant.

Und auch falls der neuen Liga der Durchbruch nicht gelingt, könnte die Lorica in einem anderen Bereich zum Einsatz kommen. Laut "Economist" soll das US-Militär an der Lorica Interesse gezeigt haben - zu Trainingszwecken. Auch die Streitkräfte vier weiterer Länder sollen bereits ähnliche Anfragen gestellt haben.

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