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US Open Galgenfrist für Agassi


Das schlechte Wetter gewährt dem angeschlagenen Andre Agassi eine Verschnaufpause vor seinem möglicherweise letzten Match: Das Spiel des Altstars gegen die deutsche Hoffnung Benjamin Becker wurde verschoben.

"Ernesto" meint es schlecht mit den US Open,aber gut mit Andre Agassi. Während sich der tropische Wirbelsturm über New York austobte, konnte sich Agassi einen Tag länger für sein Match gegen Benjamin Becker ausruhen und auch am Samstag seinen schmerzenden Rücken behandeln lassen. Die Drittrunden-Partie gegen den Qualifikanten aus dem Saarland musste wegen Dauerregens auf Sonntag (17 Uhr MESZ) verschoben werden.

Thomas Haas bekommt gar erst am Montag die Chance zur Revanche gegen seinen letztjährigen Bezwinger Robby Ginepri aus den USA und müsste nur 24 Stunden später im Achtelfinale wieder auf den Platz, weil das Turnier bereits den zweiten Tag lahm gelegt worden war.

Sein Vater riet ihm aufzugeben

Agassi konnte am Samstag immerhin 45 Minuten in einer Halle trainieren und ließ sich nach einer Injektion am Freitag eine weitere entzündungshemmende Spritze verpassen. Und sein Fitnesstrainer Gil Reyes erklärte, dass der 36-Jährige am Sonntag voraussichtlich eine weitere erhalten werde. Am Dienstag hatte Agassi sich wegen der starken Schmerzen zu einer neuerlichen Behandlung mit Kortison entschlossen.

"Ich werde o.k. sein. Ich brauche keinen Trost", sagte er, wünschte sich aber nach zwei Fünfsatz-Partien kein weiteres Marathon-Match, denn bei einem Sieg müsste Agassi bereits am Montag wieder spielen. Sein Vater Mike hatte ihm sogar geraten, gar nicht mehr gegen Becker anzutreten und seine Karriere sofort zu beenden. Die bald 50-jährige Martina Navratilova, die nach den US Open ebenfalls abtreten wird, äußerte dagegen Verständnis: "Er will zu seinen Bedingungen aufhören. Man will nicht, dass der Körper einen im Stich lässt."

Bedingungen wie in Wimbledon

Dies tat das Wetter mit den Tennis-Profis und den Fans während der ersten Turnierwoche. Während die Spieler normalerweise zu dieser Jahreszeit drückend heißes Spätsommerwetter plagt, mussten sie an vier der ersten sechs Tage mehr oder minder starken Regen erdulden. Auch in der zweiten Woche soll der Sommer nicht zurückkehren. Die äußeren Bedingungen erinnern bislang mehr an Wimbledon.

Dort wird mit der anstehenden Überdachung des altehrwürdigen Center Courts sogar mit der Tradition gebrochen, um fortan mit Erfolg dem üblichen englischen Regen zu trotzen. Bei den French Open in Paris können die Profis bei ein paar Tropfen auf der roten Asche noch weiterspielen. Nicht so auf den Hartplätzen in Flushing Meadows: Vor allem die Linien werden schon bei geringer Nässe gefährlich glatt und zum unkalkulierbaren Verletzungsrisiko.

Dach würde bis zu 40 Millionen Dollar kosten

Als die US Open 2003 drei Tage nacheinander unter Nieselregen litten, lachte sich der damalige Australian-Open-Turnierdirektor Paul McNamee bei einem Besuch ins Fäustchen. In Melbourne gibt es schließlich gleich zwei Arenen mit verschließbaren Dächern. Der US- Tennis-Verband eröffnete 1997 mit dem knapp 24.000 Fans fassenden Arthur-Ashe-Stadium zwar die größte Tennis-Arena der Welt, auf ein schützendes Dach wurde aber verzichtet. Verbandschef Arlen Kantarian bezifferte die Kosten dafür am Samstag auf 80 bis 100 Millionen Dollar. "Das ist nicht der beste Weg, unser Geld auszugeben", sagte er. 30 bis 40 Millionen Dollar teuer wäre überdies ein Dach über dem alten Center Court, dem 10.000 Fans fassenden Louis-Armstrong-Stadion, und dem daneben liegenden Grandstand.

Damals wie jetzt führt Ex-Star John McEnroe die Kritiker an, die den Verzicht auf ein Dach geißeln. "Das ist auch schlecht für das Fernsehen. Wir wollen Live-Tennis sehen", sagte TV-Kommentator McEnroe. Statt frischer Ware bekommen die Zuschauer daheim stundenlang Konserven geboten - mit den letzten sportlichen Großtaten von Andre Agassi.

Robert Semmler/DPA DPA

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