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US Sport: Besitzverhältnisse im US Sport

122 Teams gibt es in den vier großen US Sportarten, alle sind eigene Unternehmen für sich. Neben allem Sport sollen diese Firmen natürlich auch für Profit sorgen, wenn auch manchmal nur, um sich selbst finanzieren zu können. Doch wem gehören die Teams? Wir stellen unterschiedliche Besitzmodelle vor.

Anders als gerade im deutschen Vereinswesen sind die Teams und Clubs in den USA aufgestellt. In den vier großen Sportarten steht Geldverdienen mit den Mannschaften zwar nicht immer im Vordergrund, ist aber ein angenehmer Nebeneffekt. Doch was für Menschen stecken hinter den Pittsburgh Steelers, Dallas Mavericks, Los Angeles Dodgers oder Washington Captals? 

Papa hat das Sagen, Sohnemann sitzt in der Geschäftsstelle

Mittlerweile sind sie die Ausnahme, doch in den sechziger Jahren des vergangene Jahrhunderts waren sie sicher die Mehrzahl: Die Traditionsteams, die seit eh und je in der Hand einer Familie, kontrolliert von einem Oberhaupt, waren. Die Rooneys aus Pittsburgh sind so ein Beispiel. Seit der Gründung der Steelers 1933 sind sie diejenigen, die das Sagen bei dem Team haben.

Papa Art stand dem Team 55 Jahre vor, ehe Sprössling Dan nach dessen Tod 1988 übernahm. Hier schloss sich der Kreis, hatte Art das Team, wie das MLB-Team Pirates genannt, doch zum 1. Geburtstag Dans für ihn erworben und sich der NFL angeschlossen. Bereits 1974 hatte Dan von seinem Vater das Alltagsgeschäft übernommen – dieses übergab er selbst wiederum 2002 an seinen Sohn Art II.

Vater und Sohn kauften 2008 Anteile von Dans vier Brüdern, unter anderem weil die Rennbahnen der Familie Rooney mit der NFL-Politik, die Teambesitzern den Betrieb von Kasinos oder anderen Sportwettgeschäften verbietet, nicht in Einklang zu bringen waren. Da Dan und Art II jedoch nicht vier mal 16 Prozent der Anteile der Familie kaufen konnten, hat die Familie Rooney nun nur noch 30 Prozent der Teamanteile – genug, um die Geschicke der Steelers weiterhin in den Händen der Familie zu halten.

Mark Cuban und Leonsis Liste

Doch Familien wie die Rooneys kann man mittlerweile mit der Lupe suchen, gerade in der NBA. Dort hat es in den letzten Jahren viele neue Gesichter bei den Liga-Versammlungen gegeben. Die Besitzwechsel waren einer der Gründe für die verhärteten Fronten im Arbeitskampf. So erhofften sich viele der Neulinge mehr von ihren Investitionen, die meist höher ausgefallen waren, als nötig.

Einer, der dagegen mit seiner Investition zufrieden ist, heißt Mark Cuban von den Dallas Mavericks. Zu Cuban muss man nicht mehr viel schreiben, von seinem Engagement für die Mavs kann man sich gut ein Bild machen, wenn man ein Spiel der NBA-Champions am Fernsehen anschaut. Cuban ist der Prototyp des begeisterten Sportfans, der es sich leisten kann, seinem Team volle finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, um seinen Traum eines Titelringes zu erfüllen. Ohne aber dabei das Augenmaß zu verlieren.

Ted Leonsis, Besitzer der Washington Capitals und Wizards, ist einer der neueren Eigner der „Cuban-Schule“. Er verfolgt klare Pläne mit seinen Teams, die letztlich in Titeln münden sollen. Dabei müssen für ihn die Zahlen auch stimmen – nur mit dem Geldbeutel wedeln käme für ihn nie infrage. Seine Leitmotive lassen sich von Teds 101, einer Liste von 101 Punkten, die auf seiner Blogseite tedstake.com zu lesen ist, und die er bis zu seinem Tod abgehakt haben will. 74 dieser Punkte – unter anderem "verliebe Dich und heirate“ - hat er bereits abgehakt. Ein potentieller 75. wäre der Championship-Titel mit einer seiner Mannschaften.

Terry Pegula von den Buffalo Sabres will ebenfalls einen Champions-Titel. Der Dauerkarten-Inhaber verkündete gleich zu Anfang seiner Regentschaft beim Team wo es hingehen soll und zu welchem Preis. "Wir sind nicht hier, um Geld zu sparen, wenn ich Geld verdienen will, bohre ich einfach eine weitere Öl-Quelle an." Dass er es damit Ernst meinte, machte er unter anderem mit der Verpflichtung von Christian Ehrhoff deutlich. Der Blueliner war dem Gasmilliardär alleine in dieser Saison immerhin zehn Millionen Dollar Gehalt wert.

Pleiten, Pech und Pannen – wenn die Liga übernimmt

Nicht immer verfolgt so mancher Clubbesitzer eine klare Linie wie die oben genannten Herren. Bestes und jüngstes Beispiel sind die Los Angeles Dodgers und New Orleans Hornets.

In Los Angeles war es dabei vor allem die Scheidung des Besitzers Frank McCourt, die ein Eingreifen der MLB nötig machte. Commissioner Bud Selig stellte das Team unter Liga-Aufsicht und forderte McCourt mehrfach auf, das Team endlich zu verkaufen.

Schließlich waren bereits teilweise Löhne einbehalten worden, die traditionsreichen Dodgers standen vor dem Bankrott. McCourt willigte schließlich in einen Verkauf via Versteigerung ein. Das Datum steht noch nicht fest, einige Interessenten jedoch schon. So könnte Lakers-Legende Magic Johnson gemeinsam mit Partnern bei den Dodgers einsteigen. Im Hauptquartier der MLB dürfte man ob dieser Entscheidung aufgeatmet haben – der Besitz durch die Liga birgt immer viel Kritikpotential.

Das musste die NBA jüngst erfahren, als sie einen möglichen Wechsel von Chris Paul zu den Los Angeles Lakers verhinderte. Die Liga hatte Pauls Team, die New Orleans Hornets, vor einem Jahr von deren Gründer George Shinn gekauft, nachdem dieser seinen Mitbesitzer Gary Chouest nicht von der Übernahme der Hauptanteile überzeugen konnte. Shinn hatte sich unter anderem deswegen zurückziehen wollen, weil die Hornets sich im Basketball-Geschäft nie wirklich behaupten konnten.

Sowohl in Charlotte, als auch in New Orleans hatte das Team immer mit den äußeren Umständen zu kämpfen: Ein kleiner Markt für die TV-Rechte, die damit weniger Einnahmen bringen, als in Städten wie LA oder New York. Und das kleinere Interesse der Einheimischen an einem Team, das nicht länger in der Stadt verwurzelt ist. Chouest lehnte das Angebot zur vollständigen Übernahme schließlich auch ab, weil er Angst hatte, seinem Kerngeschäft, einer Reederei, nicht mehr gerecht zu werden.

So endeten die Hornets im Besitz der NBA, die mit den Ereignissen um Chris Paul ihren Kritikern weiteren Vorschub leistete. Das Veto gegen den Wechsel des Point Guards wurde von vielen Experten als ein Armutszeugnis gesehen. So handele wohl eine "zweitklassige Busch-Liga“ befand Ken Berger von cbssports.com. Das einzig Positive an der Übernahme durch die Liga ist wohl der Verbleib des Teams in New Orleans. Ob man sich damit allerdings wirklich einen Gefallen getan hat, bleibt fraglich. Vor allem angesichts der Verluste, die einige andere Besitzer in ähnlich kleineren Märkten mit ihren Teams einfahren. Das Signal könnte sein: Wenn es ganz dick kommt, kauft einem die Liga die Anteile ab.

Gemeinschaftsbesitz: Die Green Bay Packers

Anteile gibt es derzeit noch für das – im Bezug auf die Besitzverhältnisse – einzigartige der 122 Teams zu kaufen. Die Green Bay Packers bieten zum fünften Mal in 92 Jahren solche feil. Für 250 Dollar und 25 Dollar Bearbeitungsgebühr können sich Interessierte an dem NFL-Team beteiligen. Der Erlös dieser Anlage, für die die Käufer keine Dividende und keiner weiteren Vorrechte erhalten, soll für den Bau einer neuen Tribüne im altehrwürdigen Lambeau Field herhalten.

So werden in den nächsten Wochen zu den vormals 112.158 Besitzern der Green Bay Packers, Inc. noch weitere hinzukommen. Insgesamt sollen 250.000 Anteile verkauft werden. Zumindest die Packers zeigen damit, dass viele Köche nicht unbedingt den Brei verderben dürften. Und dass ihr Modell weiterhin einzigartig ist im US Sport ist.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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