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VOLVO OCEAN RACE: Äquator-Taufe und deutsches Seglerglück

Egal ob Hobbyskipper oder professionelle Rennsegler, die »Äquatortaufe« muss sein. Dementsprechend gewissenhaft ging die Crew der deutschen »illbruck« ans Werk.

Egal ob Hobbyskipper oder professionelle Rennsegler, die »Äquatortaufe« muss sein. Dementsprechend gewissenhaft ging die Crew der deutschen »illbruck« ans Werk, um ihre Äquator-Neulinge zu taufen. Neptun persönlich gab sich zusammen mit seiner liebreizenden Assistentin, der Dorsch-Königin, die Ehre auf dem grün-weißen Rennsegler. Gleich vier Crewmitglieder galt es zu »behandeln«. Neben dem Verlust von einigen Haaren war es vor allem ein Gebräu aus Trockennahrungsresten und auf Deck verunglückten, fliegenden Fischen, mit dem die vier Täuflinge zu kämpfen hatten.

21 Seemeilen Vorsprung

Die »illbruck«-Mannen hatten allen Grund, ausgelassen zu feiern. Schließlich führt die Crew um Skipper John Kostecki die erste Etappe des »Volvo Ocean Race«mit einem Vorsprung von 21 Seemeilen auf die schwedische »Assa Abloy« an. Am Donnerstag umrundete die »illbruck« als Führende die Insel Fernando de Noronha. Das Archipel vor der brasilianischen Küste ist die erste Wendemarke auf der ersten Etappe des Volvo Ocean Race von Southampton nach Kapstadt. Sie markiert gleichzeitig rund die Hälfte der Wegstrecke von insgesamt 7.350 Seemeilen.

Herrliche Surf-Wellen

18 Tage lang hatte die Crew zuvor mit allem zu kämpfen, was das moderne Hochsee-Segeln so zu bieten hat: viel Flaute, Starkwind von vorn und meterhohe Wellen. Vor allem die zweite Woche war es, die die »illbruck« an die Spitze des »Volvo Ocean Race« katapultierte. 15 bis 23 Knoten Wind, herrliche Surf-Wellen. »Die Bootsgeschwindigkeit betrug zuletzt fast immer 15 Knoten und mehr«, berichtete Steuermann und Trimmer Richard Clarke (Kanada) von Bord.

Fünfer-Gruppe an der Spitze

Noch kann sich die Crew nicht in Sicherheit wägen. Die ersten fünf Boote, darunter auch die »News Corp«, »Tyco« und »Amer Sports One« gelten trotz Abständen von 21 bis 72 Seemeilen noch immer als Spitzengruppe, unter der die Entscheidung fallen dürfte.

Verzögerte Ankunft in Kapstadt

Den extremen Windbedingungen mussten jedoch alle Boote Tribut zollen. So haben selbst die vorderen Boote für diesen Teil schon drei Tage länger gebraucht, als die Besten des letzten Rennens 1997/98. Entsprechend wird sich die Ankunft in Kapstadt voraussichtlich verzögern. Besonders heftig hat es »Amer Sports One«-Skipper und Rekordteilnehmer Grant Dalton erwischt. Ein Crew-Mitglied hat beim Abwasch fast alle Löffel über Bord fallen lassen. Dalton schrieb in sein Logbuch: »Sie mögen nun denken, dass wir einfach mit Gabeln essen sollen. Doch leider haben wir gar keine Gabeln an Bord. Wir werden uns etwas ausdenken müssen, um die Mahlzeiten nicht in endlose Zeremonien zu verwandeln.«

32 700 Seemeilen

Das »Volvo Ocean Race« startete am 23. September im englischen Southampton. Es führt die acht Teams in 32 700 Seemeilen ein mal um die Erde und wird nach neun Etappen wahrscheinlich im Juni in Kiel zu Ende gehen. Die modernen Kommunikationseinrichtungen an Bord aller Regattaschiffes erlauben der Crew, per Satellit E-Mails, Fotos und sogar Filmmaterial zu senden, während sie durch die unwirtlichsten Reviere der Welt segelt.

Der Namensgeber des Bootes ist die Leverkusener Firma »illbruck«. Chef Michael Illbruck hat schon immer einen Faible für Segel-Regatten und hat mit dem neuen Boot und der Teilnahme am »Volvo Ocean Race« den Schritt zu den ganz Großen des internationalen Segelsports vollzogen.

Jochen Knecht

Wissenscommunity