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Abgang: Jil Sander wollte nicht sparen

Das Rätsel, warum die Hamburger Design-Legende Jil Sander zum zweiten Mal die Brocken bei ihrer gleichnamigen Modefirma hinwarf, ist vorbei: Offenbar gab es keinen Kompromiss beim avisierten Sparkurs von Prada-Chef Bertelli.

Die Unternehmensgründerin und Chefdesignerin habe "dem zukünftigen Business Plan nicht zugestimmt", zitierte die "Welt" (Donnerstagausgabe) einen Sprecher des italienischen Mutterkonzerns Prada. Die Jil Sander AG müsse aber so schnell wie möglich in die Gewinnzone zurückkehren. Sander selbst wurde mit den Worten zitiert: "Es gibt Situationen im Leben, da entwickeln sich die Dinge anders, als man will, und dann muss man Konsequenzen ziehen."

Designerin will "erst einmal abtauchen"

Das Unternehmen macht immer noch Verluste, "doch für das laufende Jahr konnten wir schon mit Umsatzwachstum um 50 Prozent rechnen", berichtete die Designerin, die jetzt erst einmal "abtauchen, verreisen" will. Sie sei "zutiefst traurig". Nach Informationen der "Welt" war Sander bereit, bis zur Erschöpfung zu arbeiten, erwartete aber auch Entgegenkommen beim Budget für ihre von der Fachwelt gefeierten Kollektionen. Einem rigiden Sparkurs, der eine Qualitätsminderung durch preiswertere Stoffe zur Folge gehabt hätte, habe sie nicht zustimmen wollen.

Jil Sander hatte dem Unternehmen am Dienstag zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren überraschend den Rücken gekehrt. Die Jil Sander AG erklärte in einer kurzen Mitteilung, "dass sie und die Designerin Jil Sander übereingekommen sind, ihre Kooperation einvernehmlich zu beenden". Erst im Mai 2003 hatte die Modeschöpferin ihre Arbeit bei Jil Sander wieder aufgenommen. Drei Jahre zuvor hatte sie die Firma schon einmal wegen Unstimmigkeiten mit Prada-Chef Patrizio Bertelli verlassen. Die dann installierten Designer schadeten allerdings dem Modehaus mehr, als sie nützten: Innerhalb kürzester Zeit verloren die Kollektionen an Renomée. Der Marke drohte die Bedeutungslosigkeit. (AP)

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