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Vorsorge für Atomunfall: Medienbericht: Deutschland bestellt 190 Millionen Jodtabletten

Das Bundesamt für Strahlenschutz soll wegen der Risiken belgischer Atomkraftwerke rund 190 Millionen Jodtabletten bestellt haben, berichtet der WDR. Mehr als sonst.

Atomkraftwerk Belgien

Hinter der Windmühle von Doel bei Antwerpen steigt Dampf aus den Kühltürmen des Kernkraftwerks. Die belgischen Atomkraftwerke sind schon lange umstritten. Seit Jahren gibt es vor allem in Deutschland große Sorge über den Zustand der sieben Reaktoren. Feine Risse hier, maroder Beton da - immer wieder gibt es Probleme an den beiden Standorten in Tihange und Doel.

DPA

Das Bundesamt für Strahlenschutz soll bei einem Hersteller in Österreich rund 190 Millionen Jodtabletten bestellt haben, berichtet der WDR. Das sei beinahe das Vierfache des aktuellen Bestandes. Die Tabletten dienen demnach zur Vorsorge für einen schweren Reaktorunfall und soll bei der Freisetzung radioaktiver Stoffe an die Bevölkerung verteilt werden.  

Die Entscheidung zur Aufstockung der Jodtabletten-Vorräte gehe laut BfS auf eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK)  zurück. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte das  Beratergremium der Bundesregierung vorgeschlagen, den Kreis der  möglichen Empfänger von Jodtabletten nach Freisetzung von  Radioaktivität erheblich auszuweiten. "Fukushima hat uns damals zwei  Dinge gelehrt: Das eine ist, dass man auch mit Reaktorunfällen der  Stufe INES 7 rechnen muss, also schwerer, als man vorher angenommen  hat", wird der Essener Strahlenbiologe und damalige Vorsitzende  der SSK, Prof. Wolfgang Müller, zitiert. "Und zum zweiten, dass es  durchaus auch mehrtägige Freisetzungen geben kann, was bedeutet, dass unter Umständen die Windrichtungen wechseln und viel mehr Gebiete  betroffen sind, als das nach einer eintägigen Freisetzung der Fall  wäre."

Atomkraftwerke sind ein Risiko

Das Risiko eines Super-GAU ist laut Müller trotz des für 2022  beschlossenen Atomausstiegs real - insbesondere wegen der zahlreichen grenznahen Atomkraftwerke. Die Städteregion Aachen hatte vor zwei  Jahren wegen der Risiken des benachbarten belgischen AKW Tihange  vorsorglich Jodtabletten an alle Bewohner unter 45 Jahre ausgeben  lassen.

Die Kosten für die Aufstockung der bundesweiten Jodtabletten-Vorräte liegen laut Bundesamt für Strahlenschutz bei 8,4 Mio. Euro (netto) und werden vom Bund getragen. Gelagert werden die  190 Millionen Tabletten dezentral. Dafür und für die eventuelle  Verteilung sind die Bundesländer zuständig. Die Einnahme von hochdosiertem Jod soll nach einem schweren  Reaktorunfall verhindern, dass sich radioaktives Cäsium in der  Schilddrüse anreichert und dort Krebs auslösen kann.

deb
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