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Autoindustrie: Porsche weiter auf Erfolgskurs

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche bleibt dank des Cayenne weiter auf Wachstumskurs - trotz eines Verzichtes von Subventionen von 50 Millionen Euro für den Bau des Werkes in Leipzig: "Luxus und Stütze, das passt nicht".

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche bleibt auf Wachstumskurs. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres erzielte der Konzern nach vorläufigen Zahlen einen Gewinn vor Steuern von 207 Millionen Euro, wie Vorstandschef Wendelin Wiedeking am Freitag auf der Hauptversammlung in Leipzig erklärte. Das entspreche einer Steigerung um 11,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis nach Steuern übertraf mit 118 Millionen Euro den Vorjahreswert um 15,7 Prozent. Besonders hilfreich war für das erzielte Ergebnis der Absatz des in Leipzig produzierten Porsche Cayenne.

Kritik an der Macht der Länder

Heftige Kritik übte Wiedeking am föderalen System Deutschlands. Es habe nach dem Krieg sicher Berechtigung gehabt, weil es politischen Machtmissbrauch verhindert habe. Mittlerweile scheine es aber Teil des Problems zu sein: "Wer regiert eigentlich das Land, wenn fast jede Entscheidung des Bundestags im Bundesrat blockiert oder verwässert wird", fragte der Porsche-Lenker. Er forderte eine Reform des Zwei-Kammer-Systems. Dabei sollte den Ländern mehr Kompetenz auch bei Steuern gegeben werden, meinte Wiedeking. Dagegen forderte er, die Mitsprache der Länder bei der Bundesgesetzgebung einzuschränken. Schließlich dürften ja auch die Kommunen bei der Ländergesetzgebung nicht mitmischen. "Und die Abgeordneten des Bundestags sind doch die gewählten Vertreter für das ganze Volk", unterstrich der Porsche-Vorstandsvorsitzende.

Spekulationen um vierte Baureihe

Auf Nachfrage von Aktionären äußerte sich Wiedeking zu Spekulationen über eine vierte Fahrzeug-Baureihe. "Wir wissen, dass wir etwas machen müssen, wenn wir weiter wachsen wollen", so der Porsche-Chef. Bisher sei aber noch nicht entschieden, ob das Unternehmen neben der 911er-Reihe, den Boxstern und den Cayenne ein weiteres Fahrzeugsegment abdecken werde. Die vorhandenen Baureihen würden weiter entwickelt, über eine neue Reihe denke man noch nach.

"Luxus und Stütze, das passt nicht"

Noch einmal verteidigte Wiedeking die Entscheidung, auf Subventionen in Höhe von 50 Millionen Euro für den Bau des Werks in Leipzig zu verzichten. "Luxus und Stütze, das passt nicht zusammen", unterstrich er. Das Unternehmen habe durch den Verzicht einen Riesenimagegewinn gehabt. Gutes Image sei mehr wert als Subventionen. "Die Konkurrenz hat sogar schon gemutmaßt, dass der Verzicht ein reines Marketinginstrument von uns war", schmunzelte Wiedeking.

Hoffen auf Rückkehr in Börsenindizes

Porsche hofft, auf Grundlage von EU-Entscheidungen wieder in einen führenden deutschen Aktienindex zurückzukehren. "Ganz persönlich freue ich mich über die Entscheidung der EU-Finanzminister vom November 2003, Quartalsberichte für börsennotierte Unternehmen europaweit nicht vorzuschreiben", betonte Wiedeking. "Gehen Sie davon aus, dass wir an dieser Entscheidung, soweit es in unseren Kräften lag, mitgewirkt haben", sagte er, ohne Einzelheiten zu nennen. Die Frankfurter Börse hatte Porsche 2001 aus dem MDAX gestrichen, weil das Unternehmen nicht die verlangte Quartalsberichterstattung zur Unternehmsentwicklung vorlegen wollte. Auch die Aufnahme in den neuen Prime Standard wurde aus diesem Grund abgelehnt. Die EU-Finanzminister hatten im November über Quartalsberichte beraten. Dabei verwässerten sie einen Vorschlag der EU-Kommission, die Unternehmen zu Quartalsberichten mit Angaben zu Umsatz und Gewinn verpflichten sollte. Dem Entwurf der Finanzminister zufolge wird unter anderem nur eine "allgemeine Beschreibung der Finanzposition" verlangt.

"Porsche gehört in den Prime-Standard

Wiedeking wies darauf hin, dass Porsche nach heutiger Rechnung innerhalb der in DAX und MDAX gelisteten Unternehmen an 19. Stelle der Börsenkapitalisierung stehe und auch ohne Quartalsberichte in den Prime Standard gehöre. Deshalb werde auch vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt/Main geklagt. Er hätte dazu auch einen Vorschlag, auf den sich alle sehr leicht einigen könnten, wenn der Wille dazu vorhanden wäre. "Wie wäre es denn, wenn wir dem Kapitalanleger durch eine Kennzeichnung im Kurszettel deutlich machen würden, welches Unternehmen keine Quartalsberichte veröffentlicht? Das müsste doch für den Schutz aufgeklärter Anleger genügen", sagte der Vorstandschef.

DPA