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"Die Stunde Null" Bahn-Vorständin Nikutta über Klimaschutz und die Diskriminierung erfolgreicher Mütter

Sigrid Nikutta
Sigrid Nikutta ist Chefin der Bahn-Tochter DB Cargo
© Friso Gentsch / DPA
Sie ist die Frau der Deutschen Bahn für den Gütertransport, damit endlich mehr Verkehr auf die Schiene kommt. Im Interview spricht Sigrid Nikutta über den Ausnahmezustand während Corona, ihre neue Klima-Kampagne – und über die Debatte, ob man als Mutter ins Kanzleramt ziehen kann.

Sie ist eine der profiliertesten Managerinnen in Deutschland, machte die Berliner Verkehrsbetriebe profitabel und soll den Güterverkehr für die Deutsche Bahn in den Griff bekommen: Sigrid Nikutta. Und es macht sie wütend, wenn bei Müttern die Fähigkeit für Führungspositionen immer noch thematisiert wird – so wie bei der Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock. "Ich finde diese Debatte desavouierend für Deutschland", sagte Nikutta im Podcast "Die Stunde Null". "Denn es zeigt, wie sehr alte Rollenmuster und alte Reflexe in den Köpfen so vieler verankert sind. Da fehlte ja nur noch der Nachsatz: Das kann doch gar nicht vereinbar sein, diese Rabenmutter!" 

Die Chefin von DB Cargo – selbst Mutter von fünf Kindern – ärgert es, wenn Geschlechterrollen nur bei Frauen immer wieder thematisiert werden. "Dieses ewige Darstellen erfolgreicher Frauen als Ausnahmeerscheinung ist klar diskriminierend", sagte Nikutta. "Ich finde das manchmal nahezu unerträglich." Sie fügte an: "Meine Erfahrung ist, dass man sehr wohl vereinbaren kann, eine große Familie zu haben und politisch erfolgreich zu sein, oder in einem Wirtschaftsunternehmen als Managerin zu arbeiten."

Große Aufgaben bei der Bahn

In ihrer Funktion steht Nikutta vor der schwierigen Aufgabe, den Wechsel des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene voranzutreiben. Hinter DB Cargo liegt ein schwieriges Jahr, der Verlust verdoppelte sich auf 728 Millionen Euro. "Die Schiene hat ihr traditionelles Gebiet in großen Mengen für die produzierende Industrie wie der Automobilindustrie und der Stahlindustrie", sagte Nikutta. "Und die waren besonders betroffen von Corona." 

Ziel der DB Cargo-Chefin ist es, den Güterverkehr zu modernisieren und sein Image zu verbessern. Güterzüge wurde Ende 2020 mit leisen Bremsen ausgerüstet, was laut Nikutta dazu geführt hat, "dass der wahrgenommene Geräuschpegel des Güterverkehrs sich halbiert hat". Für Projekte wie eine zunehmende Digitalisierung des Schienenverkehrs wurden letztes Jahr 12 Milliarden Euro in das Netz investiert. "Aber die brutale Wahrheit ist: Es dauert eben, so ein großes Netz auszubauen und entsprechend zu modernisieren", sagte Nikutta.

Das Thema Klimaschutz will sie noch stärker herausstellen: "Ich glaube, es ist wichtig, dass wir alle ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie die Dinge, die wir konsumieren, transportiert werden. Es reicht eben nicht, das Bio-Müsli im Bioladen zu kaufen. Entscheidend ist: Wie wird dieses Bio-Müsli transportiert? Mit Diesel-Lkws durch ganz Europa oder auf der umweltfreundlichen Schiene?"

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Wie Nikuttas Vater reagiert hat, als sie den Vorstandsvorsitz von DB Cargo übernahm
  • Wie viele LKWs ein Güterzug ersetzen kann
  • Was die Gemeinsamkeit zwischen Willy Brandt und Annalena Baerbock ist

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