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Burger King: Filialbetreiber Yi-Ko will trotz Kündigung weitermachen

Drastische Entscheidung bei Burger King: Die Fast-Food-Kette hat endgültig genug von ihrem größten deutschen Lizenznehmer und kündigt die Verträge für etwa jede siebte Filiale. Doch der wehrt sich.

So sieht das Produkt dann aus bei Burger King. Die Zustände hinter den Kulissen haben aber für viel Aufregung gesorgt.

So sieht das Produkt dann aus bei Burger King. Die Zustände hinter den Kulissen haben aber für viel Aufregung gesorgt.

Ende der Gnadenfrist: Nach dem Wirbel um abgelaufene Lebensmittel, schlechte Hygiene und miese Arbeitsbedingungen gibt die Fast-Food-Kette Burger King ihrem größten deutschen Lizenznehmer endgültig den Laufpass. Der Schritt dürfte auch eine Reaktion auf die Probleme im ohnehin umkämpften deutschen Markt sein. Burger, Pommes Frites & Co. haben hierzulande nämlich reichlich Konkurrenz bekommen - und müssen kräftig um die Gunst der Kunden buhlen.

Schon kurz nach Bekanntwerden der RTL-Recherchen zu Missständen bei dem Unternehmen im Frühjahr hatte Burger-King-Manager Andreas Bork von Umsatzeinbußen in den deutschen Filialen berichtet. Wie es derzeit geschäftlich für die weltweite Nummer zwei im deutschen Markt läuft, kann nur vermutet werden; das Unternehmen wollte sich nicht dazu äußern. Immerhin spricht Burger King von "Rufschädigung" - und verzichtet offenbar lieber auf den Umsatz in den 89 von der Kündigung betroffenen Filialen, als weiteren Ärger, beispielsweise mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, zu riskieren. Sie wirft dem Franchise-Nehmer unter anderem vor, tarifliche Standards zu missachten.

Yi-Ko will Filialen geöffnet lassen

Der Streit zwischen Burger King und Yi-Ko dürfte jetzt aber erst richtig losgehen: Während die Fast-Food-Kette mit rechtlichen Schritten drohte, falls ihre Forderungen nicht eingehalten werden, will Yi-Ko erst einmal nicht klein beigeben: Die Restaurants sollten weiter geöffnet bleiben, solange Ware vorhanden sei, lässt Yi-Ko-Interims-Geschäftsführer Dieter Stummel wissen. Das "Handelsblatt" zitierte Stummel, er wolle mit einer einstweiligen Verfügung vor Gericht erreichen, dass die Restaurants vorerst weitermachen können. Sollten die Filialen nicht mehr öffnen können, wäre die Insolvenz des Unternehmens die Folge.

Die Kündigung am Dienstagabend sei überraschend erfolgt. Eine schwerwiegende Vertragsverletzung liegt nach Stummels Überzeugung nicht vor. Sollten die Filialen nicht mehr öffnen können, wäre die Insolvenz des Unternehmens die Folge, sagte er.

Etwa 3000 Mitarbeiter sind von der Entscheidung Burger Kings betroffen. Mit der Kündigung müssten die Filialen umfirmieren, sie werden künftig nicht mehr von Burger King beliefert. Ob und wie viele Restaurants dauerhaft schließen müssen, war zunächst nicht absehbar. Zur Frage, ob auch ein neuer Partner für die betroffenen Standorte infrage kommen könnte, äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht.

Die Konkurrenz ist erleichtert

Im Jahr 2013 war Burger King nach einer Studie des Branchenverbandes Dehoga noch der größte Umsatzgewinner im Bereich der deutschen Systemgastronomie. Während Marktführer McDonald's nach Schätzungen des Branchenfachblattes "Food-Service" erstmals seit Jahren Umsatzrückgänge hinnehmen musste, steigerte Burger King seine Verkäufe (ohne Mehrwertsteuer) um mehr als fünf Prozent auf 880 Millionen Euro.

Weil auch Konkurrenten befürchteten, von den Berichten über Missstände in den Burger-King-Filialen in Mitleidenschaft gezogen zu werden, wurde die Kündigung des Franchisenehmers in der Branche am Mittwoch mit einiger Erleichterung aufgenommen. Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Systemgastronomie, Valerie Holsboer, sagte, das Vorgehen von Burger King sei einzigartig in der Geschichte der Systemgastronomie in Deutschland. Es gehe darum, "ein klares Zeichen zu setzen". Im Wettbewerbsumfeld hieß es: "Der Schritt war überfällig im Hinblick auf das Bild der gesamten Branche."

Immerhin geht es um ein Milliardengeschäft. Nach der Dehoga-Studie summierten sich 2013 die Umsätze der 100 größten Systemgastronomie-Anbieter in Deutschland ohne Mehrwertsteuer auf fast 12 Milliarden Euro. McDonalds und Burger Kind sind dabei die unangefochtene Marktführer. Gemeinsam machten die US-Riesen in Deutschland mehr Umsatz als die 30 nächstgrößten Konkurrenten zusammen.

Doch die Wettbewerber schlafen nicht - und werden immer vielfältiger. Pizza-Lieferdienste wie Joey's oder Call a Pizza machen den Hamburger-Bratern Konkurrenz. Aber auch immer mehr Bäcker haben den Markt für sich entdeckt und bieten inzwischen einen Imbiss für die Mittagspause an. Auch große Ketten wie Backwerk oder Back Factory sehen hier Wachstumschancen. Und selbst auf ihrem ureigensten Terrain - beim Hamburger - bekommen McDonalds und Co. immer mehr Konkurrenz durch Anbieter wie etwa die Kette Hans im Glück. Burger King muss also rasch wieder Tritt fassen.

Christine Schultze und Erich Reimann/DPA / DPA