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Dienstleistungen: Adecco entdeckt einzelne Fälle von Unterschlagung

Der Schweizer Personaldienstleister Adecco hat im Zug einer ersten Prüfung seiner Buchführung keine breit angelegten Unregelmässigkeiten entdeckt, fand aber "lokale Fälle" von Unterschlagungen.

Bei dem wegen Bilanzproblemen unter Druck stehenden weltgrößten Personalvermittler Adecco hat es in einigen Ländern Fälle von Unterschlagungen gegeben. Diese Unregelmäßigkeiten auf Filialebene seien aber für das Gesamtunternehmen nicht von Bedeutung, teilte der Schweizer Konzern am Freitag mit. Deswegen werde auch Jerome Caille Chef des Zeitarbeitskonzerns bleiben. Der Verwaltungsrat hat Ray Roe zum neuen Chef des angeschlagenen Nordamerika-Geschäfts ernannt.

Börsen immer noch beunruhigt

Untersuchungen in Nordamerika hätten keine Hinweise auf "breit angelegte Unterschlagungen oder ähnliche Unregelmäßigkeiten festgestellt, welche für das Gesamtunternehmen von finanzieller Bedeutung wären", schreibt Adecco. Wegen dieser Untersuchungen hatte der weltgrößte Personaldienstleister die Veröffentlichung seines Jahresberichtes 2003 verschoben. Das hatte an der Börse zu großer Unruhe geführt.

Unternehmen hält sich für gesund

Das Unternehmen sei finanziell gesund, erklärte Adecco weiter. Die Nettoverschuldung einschließlich außerbilanzlicher Verpflichtungen habe sich zu Ende 2003 auf 900 Millionen Euro belaufen. Die Schuldenreduktion im vierten Quartal stammte vor allem aus betrieblicher Tätigkeit. Derzeit sei die Nachfrage nach Dienstleistungen größer als im Vorjahr. Das Geschäft entwickle sich wie erwartet. Die Untersuchung betreffend der Buchführung, der internen Kontrollen und der Handhabung der Compliance innerhalb der Gesellschaft laufe, so Adecco. Die entsprechenden Abklärungen befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium.

Weltweites Kontrollsystem wird aufgebaut

Adecco hatte vor zwei Wochen erhebliche Probleme in der Buchhaltung und in der Kontrolle im Nordamerika-Geschäft gemeldet und den Jahresabschluss auf unbestimmte Zeit verschoben. Anfang Januar hatten der Leiter des Nordamerika-Geschäfts, Julio Arrieta, sowie Finanzchef Felix Weber im Zusammenhang mit vermuteten Bilanzunregelmäßigkeiten den Hut nehmen müssen. Arrieta wurde inzwischen durch den Leiter des Frankreich-Geschäfts, Philippe Marcel, ersetzt. Weiter hiess es, dass Richard Kilsby zum unabhängigen Beobachter bestellt und ihm den Auftrag erteilt wird, die Unabhängigkeit der Untersuchungen, die derzeit von der New Yorker Anwaltskanzlei Paul, Weil, Rifkind, Wharton & Garrison LLP durchgeführt wird, sicherzustellen. Es seien Schritte eingeleitet worden, um die Kontrollsysteme weltweit erheblich zu stärken, so Adecco.

DPA