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Jobabbau bei GM und Ford Wie US-Autobauer Donald Trumps Wahlversprechen zerstören

Wahlversprechen von Donald Trump: Die Automobilindustrie spielt nicht mit (Archivbild).
Wahlversprechen von Donald Trump: Die Automobilindustrie spielt nicht mit (Archivbild).
© Saul Loeb/AFP
Die Autokonzerne General Motors und Ford wollen in den USA Arbeitsplätze abbauen. Damit droht ein zentrales Wahlkampfversprechen von Präsident Donald Trump zu scheitern.

Ja, es gibt in der US-Politik auch noch die ganz profane Tagespolitik. Keine Skandale um Russlandkontakte, keine Eskapaden von Präsident Donald Trump, keine verstörenden Statements aus dem Weißen Haus.

Und doch wirft auch die ganz profane Tagespolitik kein gutes Licht auf die US-Regierung. Beispiel Wirtschaftspolitik: 

So hat das Politchaos im Weißen Haus die Rekordjagd an der Wall Street abrupt beendet. Die wichtigsten Indizes mussten zuletzt teils heftige Rückschläge hinnehmen. Der "Dow Jones Industrial" verzeichnet am Mittwoch den größten prozentualen Tagesverlust seit September vergangenen Jahres. Die Investoren reagierten verschreckt auf immer neue Vorwürfe gegen Trump. Auch der Dollar geriet im Vergleich zu anderen Währungen unter Druck.

Autoindustrie steckt in der Krise

Aber nicht nur die Finanzwirtschaft hat offenbar Probleme mit der zunehmend verwirrenden Politik des US-Präsidenten, auch Teile der Realwirtschaft stecken in der Krise.

"Ich werde der größte Job-Beschaffer sein, den Gott je geschaffen hat", versprach Donald Trump vollmundig zu Beginn seiner Amtszeit. Bei seinen ambitionierten Plänen spielt insbesondere die Autoindustrie eine Rolle. Doch die Branche bereitet sich auf einen Abschwung vor - und kündigt Entlassungen an, allen voran die Automobil-Giganten Ford und General Motors (GM).

Allein Ford streicht in Nordamerika und Asien 1400 Jobs. Man wolle sich so "effizient wie möglich" aufstellen und strebe eine Reduzierung von Gehaltskosten und Personal in Höhe von zehn Prozent an, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Stellenkürzungen sollen demnach über freiwilliges Ausscheiden und Frühverrentungen erreicht werden. Betroffen seien vor allem die USA. Die konkreten Pläne will der Konzern Anfang Juni vorstellen, bis Ende September sollen die Kürzungen umgesetzt sein. Am Montag hatte das "Wall Street Journal" berichtet, dass Ford weltweit sogar 20.000 Jobs streichen will, auch das wären etwa zehn Prozent der Beschäftigten. Das Unternehmen bestätigte den Bericht zunächst nicht.

Jobabbau bei GM und Ford: Wie US-Autobauer Donald Trumps Wahlversprechen zerstören

General Motors und Ford streichen Stellen

Der Autobauer investiert zugleich erheblich in autonomes Fahren und andere neuartige Technologien. In den USA schwächelt derzeit der Autoverkauf, Experten rechnen damit, dass die Verbraucher in den USA in diesem Jahr erstmals seit 2009 weniger Autos kaufen werden als im Vorjahr.

Auch GM hat Probleme: Der Autobauer zieht sich aus mehreren ausländischen Märkten zurück. So will der US-Konzern seine Produktion von leichten Nutzfahrzeugen in Südafrika an den japanischen Fahrzeughersteller und Partner Isuzu verkaufen, wie GM jetzt mitteilte. In Indien werde sich GM künftig ausschließlich auf die Produktion von Fahrzeugen für den Export konzentrieren. Die Marke Chevrolet soll ab Ende des Jahres in beiden Märkten nicht mehr vertrieben werden. 

Insgesamt erhofft sich GM durch diese Maßnahmen jährliche Einsparungen von bis zu 100 Millionen US-Dollar. Die Kosten bezifferte GM auf 500 Millionen Dollar. Diese sollen im zweiten Quartal verbucht werden. Dazu kündigte das Unternehmen ebenfalls den Abbau tausender Arbeitsplätze an.

Die Hiobsbotschaften aus der Automobilindustrie sind für Trumps Versprechen, mehr Jobs zu schaffen als je ein US-Präsident zuvor, ein schmerzhafter Realitätsschock.

Donald Trump kündigte neue Jobs an

Nur wenige Tage nach seiner Vereidigung zum US-Präsidenten empfing Trump im Januar die Bosse der führenden US-Autobauer im Weißen Haus. Das Spitzentreffen wurde als großer Schulterschluss der Branchenriesen mit der neuen Regierung dargestellt. Gemeinsam wollte man alles dafür tun, dass wie von Trump gefordert mehr US-Jobs entstehen. "Wir bringen die Industrie wieder in großem Stil zurück in die Vereinigten Staaten", verkündete der Präsident gewohnt selbstbewusst.

Doch keine vier Monate später herrscht Ernüchterung. Statt einer Einstellungsoffensive kündigen die Konzerne Entlassungen an, und es könnte sogar noch dicker kommen: Zurzeit geht es nur um Jobs in der Verwaltung und im Vertrieb. Die Beschäftigung der Fabrikarbeiter hänge von der Produktionslage ab, teilte Ford mit. Doch dort sieht es auch nicht gerade rosig aus.

Rückblick: Die Großkonzerne aus der Autometropole Detroit waren nach der Finanzkrise eine treibende Kraft bei der Erholung des US-Arbeitsmarkts. Die tiefe Rezession hatte Ford, GM und Co. zwar in Existenznot gebracht, doch dank staatlicher Hilfen kamen sie rasch wieder auf die Beine und schufen zehntausende neue Jobs. Seit 2009 ging es am US-Automarkt kontinuierlich bergauf, in den vergangenen Jahren brachte ein von billigem Sprit und günstigen Finanzierungszinsen befeuerter Absatz-Boom den Herstellern Verkaufsrekorde und dicke Gewinne.

Verwunderung über Job-Pakt

Um Trump milde zu stimmen, hatten ihm die Autobauer vor dem Treffen im Januar ihre vermeintlich großen Pläne für Investitionen und Einstellungen in den USA angepriesen. Ford hatte zudem - sehr zu Trumps Freude - angekündigt, den Bau einer Fabrik in Mexiko abzublasen. Im Gegenzug versprach Trump: "Wir senken die Steuern - sehr erheblich -, und wir reduzieren unnötige Regulierung."

Das wiederum ist Musik in den Ohren der Auto-Bosse, die gern weniger an den Fiskus zahlen und strengere Vorschriften zu Abgasen und Spritverbrauch beseitigt sehen würden, die noch aus der Zeit von Trumps Vorgänger Barack Obama stammen. Doch schon damals wunderten sich viele Experten über den Job-Pakt. Denn dass die US-Autokonjunktur vor einer Abkühlung steht, war bereits absehbar.

Inzwischen sinken die Verkäufe, obwohl die Hersteller mit üppigen Rabatten locken. Ford und GM stehen an der Börse unter Druck, Aktionäre werden ungeduldig. Mittlerweile hat sogar der Elektroautobauer Tesla einen höheren Börsenwert erreicht.

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"Größter Job-Beschaffer, den Gott je geschaffen hat"

Die unangenehme Wahrheit für Trump als selbst ernannten "größten Job-Beschaffer, den Gott je geschaffen hat": Auf die US-Autoindustrie ist wohl kein Verlass. Derzeit scheint es jedenfalls nicht so, als könnte sie viel zum Comeback beitragen, das der Präsident frustrierten Arbeitern in der Industrieregion im Nordosten der USA versprochen hat. Im Gegenteil. "Wir sehen einen Abschwung", räumte GM-Finanzchef Chuck Stevens im April gegenüber Analysten offen ein. GM sei inzwischen sehr flexibel und könnte theoretisch etwa 30 Prozent seiner Mitarbeiter kurzfristig kündigen. 

Für Donald Trump sind das keine guten Aussichten, denn er muss sich irgendwann auch an seinen Versprechen messen lassen.

Hannes Breustedt/wue DPA AFP

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