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Familie ist stolz Gamestop-Gründer vom Kurswahnsinn fasziniert: "Habe mir Popcorn geholt"

Passanten gehen an einer Gamestop-Filiale vorbei
Eine Gamestop-Filiale in New York
© Spencer Platt / Getty Images / AFP
Der Börsen-Hype um den US-Einzelhändler Gamestop fasziniert Börsenprofis und Laien rund um die Welt. Auch die Gründerfamilie ist verwundert – und ein bisschen stolz.

Um Gamestop tobt aktuell eine beispiellose Börsenschlacht, Zocker und Kleinanleger haben es auf die Aktie abgesehen, und Beobachter schauten in den vergangenen Tagen ungläubig auf Kursgewinne von mehreren Hundert Prozent. Der Wahnsinn um ein Unternehmen, das eigentlich auf dem absteigenden Ast ist, war das Thema Nummer eins in der vergangenen Woche an den amerikanischen Aktienmärkten. Dabei geht es den Anlegern nicht um die Firma selbst – es geht vor allem darum, den Kurs zu bewegen und großen Hedgefonds ein Schnippchen zu schlagen.

Denn die Firma ist angesichts der wachsenden Online-Konkurrenz per se kein Kandidat, der Anleger zum Aktienkauf verleiten würde. Im Gegenteil: Hedge-Fonds hatten auf fallende Kurse von Gamestop gesetzt. Dann aber wurden sie von einer Welle von Kleinanlegern überrollt, die Kurssteigerungen auslösten. Die Hedgefonds gerieten in Bedrängnis. Und die Kleinanleger, die sich per Social Media zusammenfanden, jubelten. Mehr David gegen Goliath geht kaum.

Gamestop steht aber nicht nur für grenzenloses Zocken en der Börse, das Unternehmen ist auch ein Symbol für eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, in der Computerspiele noch im Laden verkauft wurden und es für gebrauchte Games einen Markt gab.

Sohn des Gamestop-Gründers erinnert sich gern an seine Kindheit

In diese Ära blickte Ben Kusin, der Sohn einer der Gamestop-Gründer, jetzt in einem Interview auf CNBC zurück. Angesprochen um den Wahnsinn um die Firma, die er seit seiner Kindheit kennt, erzählte er von seinen Erinnerungen: Damals, in den 1980er- und 90er-Jahren, reiste er mit seinem Vater durch amerikanische Städte, der in Einkaufszentren Gamestop-Filialen eröffnete. Er habe als Junge damals sogar seine eigenen Videospielverläufe aufgezeichnet, damit diese auf Fernsehschirmen in den Filialen gezeigt werden konnten, sagte der heute 42-Jährige der US-Newswebsite vor ein paar Tagen.

Aufmerksam geworden auf die Kursexplosion der Gamestop-Aktie hätten er und sein Bruder sich Nachrichten hin und her geschickt. Ihnen sei die Kinnlade heruntergeklappt bei dem Hype um diese Firma, die ihr Dad einst mit aufgebaut habe. "Wir waren auch etwas stolz", sagte Kusin. Zu sehen, wie eine neue Generation von Investoren die Wall Street aufmische, sei schon faszinierend. Zumal der Hype aus einer Verbindung ihrer Lieblings-Socilamedia-Plattform Reddit und der Firma entstanden sei, die ihr Vater einst mit aufgebaut habe.

Auch der Vater selbst kam in dem CNBC-Interview zu Wort. Gary Kusin, heute 69 Jahre alt, war bei der Gründung von Gamestop 1984 dabei, zunächst unter dem Namen "Babbage’s". Das Unternehmen war lange mit dem Verkauf von Spielen etwa der Marken Nintendo und Atari erfolgreich.

Inzwischen haben Online-Spiele die alten Disketten verdrängt, und auch Vater Gary Kusin hat den Spielehändler schon lange verlassen. Er stieg dem CNBC-Bericht zufolge 1995 aus. Jetzt, angesichts der Börsenschlacht um Gamestop, blickt er auf seine Karriere zurück. Die aktuellen Ereignisse schaue er sich aber sozusagen vom Spielfeldrand aus an, sagt Kusin Senior und fügte etwas ironisch hinzu: "Ich hab mir nur Popcorn geholt". Dass Gamestop derzeit zu solcher Berühmtheit gelange, sei eine "gewisse Ehre" für ihn.

Sohn ist seit vielen Jahren auf Reddit aktiv

Auf dem Laufenden gehalten werde er von seinem Sohn Ben. Und dieser kann seinem Vater auch die Mechanismen rund um Social Media und dem Einfluss von Plattformen wie Reddit auf den Aktienwahnsinn erklären. Denn Ben Kusin ist seit 13 Jahren bei Reddit und weiß um den Einfluss des Netzwerks. Er selbst habe aber nicht an der Rally teilgenommen, also selbst keine Aktien gekauft, sagt der Sohn. Aber auch er ist ein bisschen stolz. Denn was man gerade an der Börse sehe, sei im Grunde auch ein Kampf von Gut gegen Böse.


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