HOME

Autobauer: Viel Zündstoff wartet auf der VW-Hauptversammlung

Auf der Hauptversammlung dürfte es reichlich Kritik am Kurs von Vorstands-Chef Bernd Pischetsrieder geben: Das Ergebnis des ersten Quartals ist schlecht, die Aktie rauscht nach unten und die Luxuswagen-Strategie bleibt umstritten.

Für genügend Zündstoff ist gesorgt. Kritik am Kurs von Vorstands-Chef Bernd Pischetsrieder dürfte es reichlich geben bei der Hauptversammlung von Volkswagen an diesem Donnerstag in Hamburg - denn die Liste der Probleme ist lang: Das Ergebnis des ersten Quartals wird nach den Worten Pischetsrieders "miserabel" ausfallen, in den USA ist der Absatz eingebrochen, die Aktie ist seit Jahresbeginn nach unten gerauscht, die Kritik an der Luxuswagen-Strategie hält an. Zu allem Überfluss ist beim Hauptaktionär, dem CDU/FDP-regierten Land Niedersachsen, auch noch ein Koalitionsstreit über den Verkauf von VW-Anteilen ausgebrochen.

Geringere Dividende

2003 war der Gewinn des Wolfsburger Autobauers massiv eingebrochen, die Dividende für die Aktionäre fällt deutlich geringer aus (1,05 Euro statt 1,30 Euro im Vorjahr). Anfang März hatte Pischetsrieder Volkswagen auf harte Zeiten eingeschworen und das umfassendste Sparprogramm ("ForMotion") der Unternehmensgeschichte verordnet. Insgesamt 4 Milliarden Euro sollen bis Ende 2005 eingespart werden, 5.000 Stellen wegfallen. Damit will Pischetsrieder auf die anhaltend schwache Branchenkonjunktur und die Dauerlast des starken Euro reagieren und für möglicherweise noch schlechtere Zeiten gewappnet sein. "ForMotion" sorgt derzeit für viel Unruhe an den einzelnen VW-Standorten. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll der VW-Aufsichtsrat am Mittwoch das Aus für den geplanten Bau des Microbus in Hannover besiegeln. Standard-Kommentar von Volkswagen zu Meldungen wie dieser: Jedes Modell stehe derzeit auf dem Prüfstand. Um mehr finanziellen Spielraum zu bekommen, will die VW-Führung am Donnerstag die Genehmigung der Aktionäre für eine Kapitalerhöhung erneuern lassen.

Golf läuft nur mit Zusatzangeboten

Für Lichtblick sorgte zuletzt immerhin der neue Golf. Nach einem schleppenden Start kommt der Hoffnungsträger des Konzerns auf Touren, die Verkaufszahlen zogen zuletzt deutlich an. Grund ist vor allem die kostenlose Klimaanlage, die Volkswagen Golf-Käufern seit einigen Wochen gratis dazugibt. Konzernweit lieferte VW im März weltweit 11,2 Prozent mehr Fahrzeuge aus als im März 2003. Für das erste Quartal allerdings blieb unter dem Strich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur ein Plus von 0,6 Prozent. Die Kritik an der Modellpolitik des Vorstandes hält derweil an - insbesondere an der Luxusstrategie, für die vor allem der bisher schwach verkaufte Phaeton steht. "Pischetsrieder hat die Fehler seines Vorgängers Ferdinand Piëch aufzuarbeiten", sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker. Der VW-Boss müsse auf der Hauptversammlung sagen, wann etwa der Phaeton in die schwarzen Zahlen komme. Und: "Was mir fehlt, ist das Einsteigermodell", sagt Hocker. Eine Art neuen "Käfer" hatten auch etwa VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert sowie der VW- und Audi-Händlerverband gefordert.

Wulff: Niedersachsen steht klar zu VW

Für erheblichen Wirbel sorgten vor der Hauptversammlung auch Äußerungen des niedersächsischen Wirtschaftsministers Walter Hirche, der im VW-Aufsichtsrat sitzt. Das Land Niedersachsen ist mit rund 18 Prozent größter Einzelaktionär bei VW. Mit seinem Vorstoß, ein Verkauf von Landesanteilen sei langfristig denkbar, handelte sich Hirche einen Rüffel von Regierungschef Christian Wulff ein. Niedersachsen stehe "klar" zu seiner Beteiligung an Volkswagen, stellte Wulff klar. Wie ein "Damoklesschwert", so DSW-Hauptgeschäftsführer Hocker, hängt zudem der ungewisse Ausgang des Streits um das VW-Gesetz und die möglichen Auswirkungen für den Autobauer über den Wolfsburgern. Ende März hatte die EU-Kommission die Bundesregierung ultimativ zur Änderung des Gesetzes aufgefordert. Falls beispielsweise das Vetorecht des Landes Niedersachsen bei VW nicht innerhalb von zwei Monaten gekippt werde, drohe in dem seit einem Jahr laufenden Vertrags-Verletzungsverfahren eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Andreas Hoenig, dpa / DPA