Banken Verstecktes Foul


Je mehr Tore, desto mehr Zinsen versprechen Banken beim Fußball-Sparen - für Anleger ein schlechtes Geschäft.

Als Fußballfan jubelt der Münchner Dieter Rampl über jedes Tor der Kicker vom FC Bayern. In seiner Eigenschaft als Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank (HVB) dürfte Rampl weniger begeistert sein. Denn jedes zehnte Heimtor von Ballack, Makaay & Co kostet sein Institut Geld. Alle Fußballfans, die eine FC-Bayern-Sparkarte der Bank besitzen, bekommen dann Extrazinsen.

Bayern-Manager Uli Hoeneß und Bank-Boss Rampl wollen mit der Sparkarte Sport- und Finanzerfolg koppeln. Seit Herbst 2003 wird sie in Fanshops, HVB-Filialen und Fernsehspots angepriesen. 30.000 Exemplare hat die Bank schon an den Fan gebracht und damit gut 200 Millionen Euro Anlegergelder eingenommen. Ein gutes Geschäft für die HVB. Das hat man bei der Konkurrenz offenbar auch begriffen. Die Postbank zieht mit der Festgeldanlage "Bonus Volltreffer" nach, die mit dem Abschneiden der Deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft verknüpft ist.

Für die Fans

ist das Fußball-Sparen ein spannendes Lotteriespiel, nicht mehr. Als Investoren spielen sie damit nicht in der Champions League. Und für die angebotene Verzinsung müssten beide Banken die gelbe Karte bekommen: Mickrige 0,9 Prozent gibt die HVB bei einem Guthaben unter 2.500 Euro, dann geht es gestaffelt nach oben bis maximal 2,2 Prozent. Dafür muss man aber auch mindestens 25.000 Euro auf das Konto einzahlen. Direktbanken geben bis zu drei Prozent Zinsen.

Für die Bayern-Fans steigt der Zins mit der Treffsicherheit ihrer Mannschaft. Für jedes zehnte Heimspieltor steigt die Verzinsung um 0,1 Prozentpunkte. Eigentore zählen nicht mit. Bislang kamen so 0,4 Prozentpunkte hinzu. Wären die Bayern Deutscher Meister geworden, hätte es zusätzlich fünf Prozentpunkte Prämie gegeben - aber nur für einen Monat, nicht fürs ganze Jahr. Die Tor-Zinsen gelten sowieso nur für die laufende Saison. Im Sommer fällt die Verzinsung wieder auf den Anfangswert zurück. Dass die Fans "richtig abkassieren, wenn die Bayern gut spielen", ist daher nur eine vollmundige Behauptung von Manager Hoeneß. In der Saison 2002/03, als Bayern 37 Heimtore erzielte und Meister wurde, wären gerade mal 0,58 Bonus-Prozent zusammengekommen - also je nach Anlagehöhe ein Jahreszins zwischen 1,48 bis 2,78 Prozent.

Bei der Postbank läuft das ähnlich: Das Halbjahres-Festgeld "Bonus Volltreffer" bringt ab der Mindestanlage von 2.500 Euro einen Basiszins von 1,3 Prozent, ab 10.000 Euro 1,4 Prozent und ab 50.000 Euro 1,5 Prozent. Erreicht die Nationalelf bei der EM das Viertelfinale, werden 25 Prozent vom Zins draufgesattelt, beim Halbfinale 50, beim Endspiel 75; sollten die Deutschen Europameister werden, gibt es 150 Prozent extra. Bei Anlage von 2.500 Euro läge der Zins bei 3,25 Prozent. Einsteigen kann man bis zum Eröffnungsspiel am 12. Juni. Nach dem halben Jahr wird aber nur noch der "Postbank-Plus"-Satz von derzeit rund 1,5 Prozent gewährt.

Bei der HVB

hat das Fußballkonto auch noch ein "Plus an Emotionen", sagt Banksprecher Ralf Horak. Die poppige Sparkarte mit Vereinslogo habe mehr Kultcharakter als ein Tagesgeldkonto. Zudem bekommen die Sparkartler Rabatt auf Fan-Artikel, nehmen an der monatlichen Verlosung von signierten Bällen, Postern, T-Shirts und Eintrittskarten teil und genießen VIP-Service beim Ticketkauf. Banker und Fußballer wollen ihre "grandiose Partnerschaft" (FC-Bayern-Sprecher Markus Hörwick) langfristig fortsetzen. Sollten die Bayern an die Börse gehen, stünde die HVB Pate. Fußball bringt richtig Geld. Vor allem für die Banken.

Mehr Zinsen

Die Gutschriften auf den "Fußball-Konten" von Hypo- und Postbank können am Geldanlagemarkt kaum mithalten. So bieten beispielsweise Tagesgeldkonten deutlich höhere Zinsen (siehe Tabelle). Zwar kann sich deren Gutschrift theoretisch täglich ändern, die Praxis zeigt aber, dass seriöse Anbieter ihre Sätze oft über Monate konstant halten. Hauptgrund dafür ist der scharfe Wettbewerb um die Tagesgeldeinlagen. Solange sich das nicht ändert, können Sparer von dauerhaft hohen Zinsen profitieren - und dabei sogar täglich über ihr Geld verfügen.

Brigitte Zander print

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