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Bundespräsident: Abwerbung Köhlers kommt dem IWF ungelegen

Der Internationale Währungsfonds ist gar nicht glücklich mit der "Abwerbung" ihres Direktors Horst Köhler. Die Weltfinanzorganisation hat in den nächsten Wochen jede Menge Arbeit vor sich.

Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt die "Abwerbung" ihres Direktors Horst Köhler höchst ungelegen. Die Weltfinanzorganisation hat in den nächsten Wochen jede Menge Arbeit vor sich, und die 184 Mitglieder waren mit dem Deutschen an der Spitze rundum zufrieden. Die Rede war schon längst von einer zweiten Amtszeit für Köhler, dessen Mandat im April kommenden Jahres abläuft. Auf erste Berichte, dass Köhler für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch war, reagierten am Sitz der Organisation in Washington am Mittwoch viele Mitarbeiter zunächst ungläubig. Keiner wollte sich so schnell Gedanken über das wahrscheinlich Nerven zerreibende Schachern um die Nachfolge machen.

Alle rundum mit Köhler zufrieden

Köhler hatte die Organisation seit 2000 ohne viel Getöse, aber gründlich umgekrempelt. Mehr Transparenz, mehr Besinnen auf die Kernaufgaben des IWF war seine Devise, die er unbeirrt und zur Zufriedenheit der Mitglieder umsetzte. Köhler gilt als beharrlich und sachlich und hat damit selbst die Amerikaner, einst größte Kritiker der Organisation, auf seine Seite gebracht.

Sogar USA waren von ihm angetan

Die Washingtoner Kritik, der IWF gehe verschwenderisch mit seinen Mitteln um, ist längst verstummt, obwohl der IWF-Chef vor dem mit 17 Prozent größten Anteilseigner USA keineswegs den Diener machte. Das Missfallen der US-Regierung ignorierend ließ Köhler erst im vergangenen Jahr einen alarmierenden Bericht über die Risiken des US-Haushaltsdefizits für die gesamte Weltwirtschaft verfassen.

Verfechter der Armutsbekämpfung

Globalisierungsgegnern, die IWF-Tagungen seit Köhlers Amtsantritt mit Protesten und Demonstrationen belagern, nahm Köhler den Wind aus den Segeln. Er lud sie zum Meinungsaustausch ein und stimmte zu, dass die Segnungen eines freien Welthandels ungerecht verteilt sind. Zusammen mit dem Präsidenten der Zwillingsorganisation Weltbank, James Wolfensohn, ist Köhler zum lautstarken Verfechter der Armutsbekämpfung in aller Welt geworden.

Nächstes IWF-Problem: Argentinien

Der IWF hat schon in der nächsten Woche dringende Geschäfte auf dem Tisch. Dann muss der Exekutivrat über eine neue Kredittranche für Argentinien befinden. Im Prinzip geht es um die Stundung eines Drei-Milliarden-Dollar-Kredits, den Buenos Aires eigentlich bis Mittwoch zurückzahlen müsste. Die Diskussion dürfte hitzig werden, weil Argentinien schon klar gemacht hat, dass es das Geld von selbst nicht aufbringen wird. Das «Wall Street Journal» sieht darin Erpressung und rät dem IWF, hart zu bleiben. Köhlers Verhandlungsgeschick dürfte wieder einmal gefragt sein.

Stichwort: Internationaler Währungsfonds

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank auf der Währungskonferenz in Bretton Woods im US-Staat New Hampshire gegründet. Heute gehören den beiden Institutionen mehr als 180 Staaten an. Traditionell ist der Chef des Währungsfonds ein Europäer, während die Weltbank von einem Amerikaner (derzeit James Wolfensohn ) geleitet wird. Aufgabe des IWF ist es, für eine stabile internationale Währungsordnung zu sorgen. Die Zentrale beider Institutionen ist in Washington. Der IWF soll Währungskrisen aufspüren und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Dazu vergibt er Kredite zum Ausgleich von Zahlungsbilanzdefiziten und schickt Berater in Länder mit Wirtschafts- und Währungsproblemen. Die Vergabe von IWF-Krediten ist meist mit drastischen Auflagen verknüpft. Dazu zählen etwa die Abwertung der Währung, Öffnung der Märkte gegenüber ausländischen Investoren, Abbau von Haushaltsdefiziten sowie Lohnmäßigung, Schuldenabbau und Privatisierungen. Das Stimmrecht der Mitgliedsländer im IWF sowie ihr Anrecht auf das IWF-Kunstgeld namens Sonderziehungsrechte richtet sich nach den so genannten Quoten, die dem finanziellen Anteil eines Landes am Fonds entsprechen.

Christiane Oelrich / DPA