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Führungskräfte: Diskussion um Millionen-Gehälter voll entbrannt

Angesichts immer neuer Sparforderungen aus den Führungsetagen der Industrie an die einfachen Arbeitnehmer sind nun die Millionen-Gehälter der Wirtschaftsbosse ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik geraten.

Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel forderte eine Obergrenze der Bezüge. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wollte am Mittwoch einen Gesetzentwurf zum Thema Managergehälter nicht ausschließen. Darauf lehnte BDI-Präsident Michael Rogowski staatliche Eingriffe ab und bezeichnete Überlegungen, die Höhe der Gehälter gesetzlich zu regeln, als "Schnapsidee".

Forderung nach Obergrenze - aber freiwillig

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sprach sich gegen eine gesetzliche Höchstgrenze aus. "Grundsätzlich ist diese Diskussion richtig. Wer von anderen etwas verlangt, sollte sich auch selbst etwas abverlangen", sagte Clement in Pforzheim. Allerdings sei alles, was freiwillig geschehe, besser als eine gesetzliche Regelung. Auch das DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel meinte dazu: "Wir brauchen keine hysterische Debatte über raffgierige Manager, sondern eine ehrliche Diskussion über angemessene Gehälter, vor allem in den dafür zuständigen Aufsichtsräten." Wenn Vorstände Gehaltsverzicht anbieten, habe dies nichts mit ausgleichender Gerechtigkeit zu tun, sondern sei eine pure Selbstverständlichkeit.

Sollen Manager-Gehälter staatlich geregelt werden?

In der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe) schlug Vogel vor, die Bezüge von Vorstandsmitgliedern beim 100-fachen Facharbeiterlohn zu begrenzen. In der Vergangenheit habe ein Vorstandsvorsitzender in der Regel das 20- oder 30-fache eines Facharbeiters verdient. Dass nun teils das 200- bis 370-fache bezahlt werde, sei maßlos und bedürfe der Korrektur, wurde Vogel zitiert.

"Da kommen mir die Tränen"

Bundesjustizministerin Zypries betonte, sie wolle zunächst auf die Selbstregulierung der Wirtschaft setzen. Dennoch könne auch ein Gesetzentwurf nicht ausgeschlossen werden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Dabei gehe es um eine Pflicht zur Offenlegung der Gehälter, nicht aber um einen "staatlich verordneten Höchstlohn". Das sei schon verfassungsrechtlich nicht denkbar.

Der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer bezeichnete das Angebot verschiedener Topmanager, aus Solidarität mit den Einsparmaßnahmen auf einen Teil ihres Einkommens zu verzichten, im Bayerischen Rundfunk als "Lachnummer". "Da kommen mir die Tränen", sagte er. Wenn ein Arbeitnehmer bei DaimlerChrysler 700 Euro im Monat verliere, komme er langsam an die Grenze, wo er seine Familie ernähren könne. "Wenn Herr Schrempp statt 7,7 Millionen 6,8 Millionen kriegt, liegt er ein bisschen oberhalb der Sozialhilfe."

Unterdessen waren die Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat über die Arbeitskosten bei DaimlerChrysler ohne Anzeichen für eine Annäherung in eine weitere Runde gegangen. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm hatte vor Beginn der Gespräche am Mittwoch im ZDF gesagt, die Verhandlungen befänden sich in einer schwierigen Phase. Der Vorstand beharre auf jährlichen Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro. Die dafür verlangten Eingriffe in tariflich vereinbarte Zuschläge und Pausenregelungen werde der Betriebsrat aber nicht akzeptieren. Es wurde erwartet, dass die Verhandlungen in der Stuttgarter Konzernzentrale bis spät in den Abend dauerten.

Offenlegung der Gehälter

BDI-Chef Rogowski sprach sich für Transparenz und die Offenlegung von Managergehältern aus. Er sei allerdings dagegen, die Höhe individuell - also von einzelnen Mitgliedern einer Unternehmensleitung - preis zu geben. Der BDI-Präsident verwies darauf, dass die Managerbezüge in Deutschland im internationalen Vergleich "keineswegs im oberen Bereich liegen, wohl aber die Löhne und Gehälter" der Arbeitnehmer und Angestellten.

Unterdessen kündigte nach DaimlerChrysler auch die Volkswagen-Konzernführung an, bei den geplanten Millionen-Einschnitten beim Personal auch die Topmanager nicht zu schonen. Es gehe aber "nicht um individuelle Gehaltskürzungen, sondern um eine generelle Senkung der Personalkosten um 30 Prozent bis 2011", erklärte VW-Sprecher Stefan Ohletz am Dienstag. (AP)

DPA