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Informationen über Finanzprodukte: Riester-Sparer sehen endlich klarer

Die Mitteilungen der Anbieter von Riester-Renten haben sich verbessert. Finanztest sieht aber nach wie vor große Schwächen bei fondsgebundenen Sparverträgen. Ein verpflichtendes Infoblatt kommt wohl erst 2013.

Von Martin Reim

Mit der Unterschrift ist es nicht getan, auch später sollte man auf die Zulagen achten

Mit der Unterschrift ist es nicht getan, auch später sollte man auf die Zulagen achten

Die jährlichen Mitteilungen für Riester-Sparer sind deutlich besser geworden. Das zeigt eine Untersuchung der Zeitschrift "Finanztest". Von 37 Anbietern erhielten zwei die Note "sehr gut" und sieben "gut". Lediglich zwei Unternehmen bekamen ein "mangelhaft". Beim selben Test vor drei Jahren gab es unter 28 Teilnehmern kein einziges "sehr gut" oder "gut", hingegen fünfmal "mangelhaft".

Die sogenannte Standmitteilung ist die entscheidende Information der Riester-Anbieter für ihre Kunden. "Finanztest" betont, dass sich vor einigen Monaten gezeigt habe, wie wichtig diese Papiere seien. Damals wurden Hunderttausenden Anlegern die Zulagen wieder abgezogen - ohne dass die Betroffenen das gleich merkten. Viele hatten aus Unwissenheit zu wenig Beitrag eingezahlt, ihnen stand nicht die volle Zulage zu. "Die jährliche Mitteilung hilft, solchen Ärger zu vermeiden", resümieren die Verbraucherschützer. Die Riester-Rente ist die beliebteste Form der staatlich geförderten Altersvorsorge. Die Subvention erfolgt in Form von Zulagen oder Steuervorteilen.

Die Tester vergaben die Bestnote an die Volksbanken aus Gronau-Ahaus und Krefeld. Ein "gut" bekamen die Versicherer Hannoversche Leben und Concordia, die Fondsgesellschaften DWS und Union Investment, die Mainzer Volksbank sowie die drei Anbieter von Bausparverträgen. Ganz hinten landeten die Versicherungskammer Bayern und die Heidelberger Leben. Sprecher dieser Unternehmen erklärten, man werde aus Anlass des Tests Verbesserungsmöglichkeiten prüfen.

Beide Letztplatzierten bieten fondsgebundene Versicherungen an. In dieser Kategorie gab es besonders große Schwächen, die Bestnote war gerade mal "befriedigend". Ein besonderes Lob spendeten die Tester der DWS, die bei der letzten Untersuchung nur ein "ausreichend" erhalten hatte: "Sie versorgt ihre Kunden nun mit umfangreichen und dabei übersichtlichen und verständlichen Informationen."

Auch mit Blick auf die Rendite lohnt es sich die Angebote der einzelnen Riester-Verträge zu vergleichen, denn die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern sind groß. "Finanztest" rät Kunden, auf zwei Angaben besonders zu achten: das garantierte Kapital, das der Sparer mit seinen Einzahlungen bereits erreicht hat, und die Höhe der Rente, die sich daraus ergibt. Beides ist dem Sparer auch dann sicher, wenn er künftig keine Beiträge mehr einzahlt.

Ein verpflichtendes Infoblatt kommt erst 2013

Die jährliche Mitteilung ist auch Teil eines Reformplans rund um die Riester-Informationen. Das Bundesfinanzministerium hat vor Kurzem einen Diskussionsentwurf vorgelegt, wie eine Gesetzesänderung aussehen könnte. Demnach soll die Standmitteilung auch die bisher erwirtschaftete jährliche Rendite angeben - nach Abzug der effektiven Kosten für Abschluss, Verwaltung und Garantien.

Außerdem sollen die bereits erfolgten Abschläge wegen Garantieleistungen explizit ausgewiesen werden. Hintergrund: Riester-Sparern sind zum Zeitpunkt des Rentenbeginns mindestens die eingezahlten Beiträge garantiert. Das drückt die mögliche Rendite der Anlage.

Wesentlicher Punkt des Diskussionsentwurfs ist, ein verpflichtendes Produktinformationsblatt für Riester-Verträge einzuführen. Ziel ist nach Angaben des Ministeriums, dass sich der Sparer schnell und übersichtlich ein Bild machen kann: "Das Blatt soll in gebündelter, leicht verständlicher und standardisierter Form dem Verbraucher einen Produktvergleich ermöglichen." So soll auch der Wettbewerb unter den Anbietern zunehmen.

Die neuen Regeln sollen bis Jahresende beschlossen sein und ab Anfang 2013 gelten. Auf zwei Seiten würde der Sparer dann alles Relevante nachlesen können: Leistungen, Garantien, Kosten und Risiken. Weiterhin ist vorgesehen, die Produkte in fünf Risikogruppen einzuteilen und mehrere Szenarien zur künftigen Rendite durchzuspielen.

Der Entwurf beruht in weiten Teilen auf einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung von 2010. Die Forscher hatten im Auftrag des Finanzministeriums die Qualität der derzeitigen Riester-Informationen untersucht - mit enttäuschenden Resultaten. "Es werden unterschiedliche Angaben zu Kosten und Renditen innerhalb eines Angebots gemacht, die für den Verbraucher oft verwirrend sind", hieß es in der Studie. Anlass für das Papier waren Vorwürfe von Experten, viele Riester-Angebote seien intransparent und überteuert.

Von Martin Reim / FTD