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Getränke: Übernahme-Wettlauf auf dem Biermarkt

Einen neuen Höhepunkt hat die Übernahmeschlacht auf dem deutschen Biermarkt erreicht: Nach dem Aufstieg von Interbrew zur heimischen Nummer eins, tobt gerade das Wettrennen um Holsten und Brau & Brunnen.

Der Übernahme-Wettlauf auf dem deutschen Biermarkt wird demnächst einen neuen Höhepunkt erreichen. Nachdem Interbrew mit dem Weizenbier-Hersteller Spaten-Franziskaner zum deutschen Braukönig aufgestiegen ist, geht jetzt der Wettlauf um Holsten (Hamburg) sowie Brau und Brunnen (Dortmund) in die Endrunde. Die seit Monaten laufenden Verhandlungen sind nach Beobachtung von Branchenkennern in beiden Fällen fortgeschritten. Welcher Braukonzern im "Elefanten-Wettlauf" zuerst das Ziel erreicht und wer jeweils neuer Besitzer wird, ist Gegenstand heftiger Spekulationen in- und außerhalb der Branche.

Zahlreiche Biermarken vor Eigentümerwechsel

Mit Holsten sowie Brau und Brunnen werden wahrscheinlich bis zum Jahresende zahlreiche deutsche Biermarken den Eigentümer wechseln. Flaggschiff der Hamburger ist das König Pilsener (Köpi) in Duisburg. Neben der Marke Holsten haben die Hamburger unter anderem auch Kelts, Licher, Lübzer Pils und Astra im Programm. Für Brau und Brunnen ist Jever die wichtigste Marke. Außerdem gehören zum Dortmunder Konzern unter anderem Berliner Pilsner, Brinkhoffs, Sion und Gilden Kölsch, Schlösser sowie Rostocker. Mit den beiden Konzernen gehen auch noch eine Reihe von Mineralwassermarken wie Hella und NordQuell (Holsten) sowie Sinziger und Spreequell (Brau und Brunnen) über die Theke.

Bisher zeigte Radeberger Interesse

Der Hamburger und der Dortmunder Konzern stehen zusammengerechnet bisher für rund ein Fünftel des deutschen Biermarktes. Der ganz große Wurf, die Übernahme beider Unternehmen durch einen einzigen Käufer gilt als sehr unwahrscheinlich. Ein solcher Kraftakt wurde in den vergangenen Monaten nur dem US-Brauriesen Anheuser-Bush zugetraut, der mehr Bier produziert als die knapp 1.300 deutschen Brauereien gemeinsam. Aber auch der Oetker-Tochter Radeberger Gruppe (ehemals Binding, Frankfurt/Main) wurde sowohl ein Interesse an Holsten als auch an Brau und Brunnen nachgesagt. Radeberger selbst hat bisher nur im Fall von Brau und Brunnen ein Interesse öffentlich bestätigt.

Auch Carlsberg ist heißer Anwärter

In der Gerüchteküche gilt eine Übernahme von Holsten durch den dänischen Carlsberg-Konzern mit der Privatbrauerei Bitburger als ein heiße Variante. Carlsberg hatte in diesem Jahr nach dem Verkauf der Hannen-Braustätte in Mönchengladbach erklärt, dass man in Deutschland auf Brautschau sei. Namen wurden im Sommer aber von Carlsberg nicht genannt. Daneben galt in Branchenkreisen auch SAB-Miller als ein potenzieller Interessent. Im Fall Brau und Brunnen wird neben der Radeberger Gruppe der Finanzinvestor OEP als Interessent gehandelt, der bereits die größte deutsche Werft HDW in Kiel übernommen hat. Für Radeberger sprechen Kostenvorteile in der Bierproduktion.

Verkäufe erfolgen ohne Zeitdruck

In den Verkäuferkreisen wurde trotz zunehmender Gerüchte immer wieder Gelassenheit demonstriert. So hieß es bei der HypoVereinsbank mehrfach, der Verkauf von Brau und Brunnen (knapp 56 Prozent Anteil) erfolge ohne Zeitdruck. Der Dortmunder Konzern soll als Ganzes bis zum Jahresende verkauft werden. Bei Holsten lautete ein Kommentar der vergangenen Tage, die Gespräche bei der Partnersuche liefen weiter. Großaktionär der Hamburger ist der US-Investor Christian Eisenbeiss (knapp 50 Prozent). Beide Konzerne wurden geschmückt. So baut Holsten Abfüllanlagen für Plastikflaschen auf, um der Dosendelle entgegen zu wirken. Brau und Brunnen baute sein Vertriebsnetz deutlich aus.

Volker Danisch / DPA