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Studie macht Hoffnung: Mieten auf Rekordhoch - doch die Preisexplosion könnte bald vorbei sein

Laut einer aktuellen Studie mehren sich die Zeichen, dass die Mieten in einigen Städten Deutschlands nicht weiter ansteigen. In einigen Orten könnten sie sogar fallen.

Neubau

Ist ein Ende der Wohnungsnot in Sicht?

Getty Images

Wie irre die Mietpreise in Deutschland inzwischen angezogen sind, erahnt man in der Mariannenstraße in München aufgrund eines Zettels. Auf dem wirbt ein Vermieter für Stellplätze. 500 Euro will er monatlich für einen Parkplatz in der Tiefgarage haben, also 6000 Euro jährlich. Wenn schon ein Plätzchen für das Auto so teuer ist, sind Wohnungen es auch: In der bayerischen Landeshauptstadt haben die Mietpreise einen Rekordwert erreicht. Kalt zahlen Mieter im Durchschnitt 11,69 Euro pro Quadratmeter. 2011 waren es noch 9,79 Euro. 

München ist neben Frankfurt wohl eines der drastischsten Beispiele für den exorbitanten Anstieg der Mieten in Deutschland. Aber auch in anderen Ballungsgebieten, sogar in mittleren und kleineren Städten ziehen die Mietpreise deftig an. Gerade in den Speckgürteln um nachgefragte Städte steigen die Preise. Denn dorthin zieht es inzwischen Familien, die sich die teuren Mieten in den Städten nicht mehr leisten können. (Wo die Preise zuletzt besonders stark gestiegen sind, lesen Sie hier.)

Doch nun glauben Experten erste Signale entdeckt zu haben, dass sich die Mietpreisexplosion in Deutschland nicht weiter verschärft. "Die Botschaft ist: Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagt Reiner Braun, Autor der Studie des Immobilienanalysehauses Empirica. Grund für Brauns zaghaften Optimismus: Die Bautätigkeit in Deutschland steigt. Werden genug Wohnung fertig gestellt, explodieren die Kosten auch nicht mehr. "Bauwirtschaft und Bauämter haben in den letzten Jahren eine Herculesaufgabe bewältigt. Angefangen beim Negativrekord der Nachkriegszeit im Jahr 2009 steigerten sie die Zahl der fertiggestellten Wohnungen von 159.000 innerhalb einer Dekade auf rund 300.000. Einheiten im Jahr 2018. Das bedeutet: die Bautätigkeit wurde fast verdoppelt", heißt es in der Studie. 

Steigende Mietpreise: Das sind Deutschlands teuerste Städte
Es muss nicht immer München oder Frankfurt am Main sein - auch in anderen Städten Deutschlands sind die Mieten gestiegen.

Es muss nicht immer München oder Frankfurt am Main sein - auch in anderen Städten Deutschlands sind die Mieten gestiegen.

Bau von Mietwohnungen

Betrachtet man den Bedarf an neuen Wohnungen, würde inzwischen fast ausreichend viel gebaut, so Braun. "In den besonders hart von Mietsteigerungen betroffenen Städten wurde die Lücke am meisten reduziert. So schrumpfte der nicht gebaute jährliche Zusatzbedarf in den Wachstumsregionen von 125.000 auf 25.000 Einheiten um 80 Prozent und in den begehrten Top 7-Städten sogar von 51.000 auf 7000 Wohnungen um über 85 Prozent",  so der Autor der Studie. "Sobald auch die verbleibende Fertigstellungs-Lücke geschlossen sein wird, dürfte der Mietanstieg in den betroffenen Städten und Regionen zum Erliegen kommen." 

Die Neubau-Aktivitäten könnten sogar zu einem umgekehrten Effekt führen, glaubt Braun. Er erwartet in Frankfurt, dass die Zahl der fertiggestellten Wohnungen die Nachfrage übersteige. In München seien Neubau zu Nachfrage ausgeglichen.

Überangebot an Mietwohnungen

In einigen Regionen könnten die Mieten sogar fallen, so der Studien-Autor. Denn ein Überangebot an neu gebauten Wohnungen würde die Preise purzeln lassen. Eine weitere Möglichkeit, die in Zukunft die Mieten günstiger machen könnte: Günstigeres Bauen. Dafür müsste Bauland, das gehortet wird, frei gegeben werden. Und auch die unterschiedlichen Regularien und die "zahl- und facettenreichen Landesbauordnungen" müssten vereinheitlicht werden. "Hilfreich wären natürlich auch eine kleine (vorübergehende) Kapazitätsausweitung in der Bauwirtschaft und vor allem bei den Bauämtern sowie eine Eindämmung der alltäglichen bauzeitverlängernden und damit kostenträchtigen Bürgerproteste gegen Neubau", heißt es in der Studie. 

kg