Ärztestreik Von nun an wochenweise


Die streikenden Ärzte erhöhen den Druck: Ab heute soll an Unikliniken und Landeskrankenhäusern in insgesamt 39 Städten nicht mehr tageweise, sondern während der ganzen Woche die Arbeit niedergelegt werden. Es werden erhebliche Nachteile für Patienten befürchtet.

Der Tarifkonflikt zwischen den 22.000 Ärzten an Universitätskliniken und den öffentlichen Arbeitgebern nimmt an Schärfe zu. Erstmals seit Beginn der Auseinandersetzung vor acht Wochen wollen die Hochschulmediziner von diesem Montag an in der ganzen Woche die Arbeit niederlegen. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund sind 25 Unikliniken und 14 Landeskrankenhäuser in insgesamt 39 Städten betroffen.

Bisher hatten die Ärzte in dem seit mehr als zwei Monaten andauernden Arbeitskampf stets nur für zwei bis drei Tage pro Woche die Arbeit ruhen lassen. Ausgefallene Operationen konnten so teilweise im Rest der Woche nachgeholt werden. Patienten-, Sozial- und Krankenhausverbände befürchten erhebliche Nachteile für die Patienten. Schon bisher hätten auch Operationen von Tumorkranken verschoben werden müssen. Die Kliniken beklagen Finanzausfälle in dreistelliger Millionenhöhe.

"Wut hat sich erhöht"

Nach Angaben von Gewerkschaftschef Frank Ulrich Montgomery hat das von der Länder-Tarifgemeinschaft Ende vergangener Woche bei einem gescheiterten Einigungsversuch vorgelegte Angebot die Streikbereitschaft und die Wut der 22.000 Ärzte an den Universitäts- und Landeskliniken nochmal erhöht. Die Gewerkschaft hatte die vorgeschlagenen Gehaltssteigerungen als zu gering abgelehnt. Für Dienstag plant der Marburger Bund eine Großdemo in Münster. Der Verband der Universitätsklinika hat seine Vermittlung in dem Konflikt angeboten, wofür sich der Marburger Bund offen gezeigt hatte. Ein Termin für ein neues Gespräch steht noch nicht fest.

Möllring in Schutz genommen

Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) nahm unterdessen den Chef der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), gegen Kritik in Schutz. "Herr Möllring hat durchaus verantwortungsvoll im Interesse der Länder und der Unikliniken verhandelt", sagte Stratthaus dem "Handelsblatt". Daher habe Baden-Württemberg auch nicht die Absicht, die TdL zu verlassen und mit dem Marburger Bund einen separaten Tarifvertrag abzuschließen.

Bei den für Dienstag anberaumten Gespräche zwischen dem Marburger Bund und dem Stuttgarter Finanzministerium werde es deshalb vor allem darum gehen, "zu einer gemeinsamen Bewertung des Erreichten Verhandlungsstandes zu kommen", sagte Stratthaus. Es könne doch nicht sein, "dass beide Seiten das Angebot der Tarifgemeinschaft der Länder völlig unterschiedlich bewerten".

Reuters/DPA DPA Reuters

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