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Arbeit & Karriere: Frauen scheitern an der gläsernen Decke

Für Frauen ist es nach wie vor schwerer als für Männer, in Top-Jobs aufzurücken. Das belegt eine neue Studie des Statistischen Bundesamts. Auch Männer mit Frau und Kindern haben es schwer.

Von Florian Güßgen

Für Frauen ist es nach wie vor schwerer als für ihre männlichen Kollegen, in Führungspositionen zu gelangen. Obwohl im Mai 2004 47 Prozent aller in Deutschland Beschäftigten Frauen waren, stellten sie nur 33 Prozent der Entscheider in den Top-Jobs. Dies ist das Ergebnis des Mikrozensus 2004 - einer groß angelegten Umfrage, die der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, am Dienstag in Berlin vorstellte. "In Deutschland ist eine Gleichstellung von Frauen und Männern mitnichten erreicht", sagte Hahlen.

Umfrage illustriert fehlende Balance

Die Umfrage belegt erneut die These, dass viele Frauen nach wie vor an einer "gläsernen Decke" scheitern, wenn sie sich bemühen, in Spitzenpositionen aufzusteigen: Zwar können sie die obere Etage sehen, aber der Zutritt bleibt ihnen nach wie vor - wie durch eine gläserne Decke - verwehrt. Das Ergebnis ist wenig überraschend, politisch aber dennoch brisant. Erst in der vergangenen Woche hatten Teile der SPD, die Union, sowie die FDP vehement gegen das Antidiskriminierungsgesetz gewettert. Dieses versucht auch, der ungleichen Behandlung von Männern entgegenzuwirken. Die neue Studie illustriert zumindest das Ausmaß dieser Ungleichheiten.

Situation kaum besser als 2000

Der deutsche Mikrozensus ist die größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa. Rund 830.000 Personen in etwa 390.000 Haushalten werden über wichtige Aspekte ihres Arbeitslebens befragt - somit wird rund ein Prozent aller deutschen Haushalte erfasst. Als Führungskräfte gelten Beamte im höheren Dienst, Angestellte mit selbstständiger Leistung in verantwortlicher Tätigkeit oder Angestellte mit umfassenden Führungsaufgaben oder Entscheidungsbefugnissen. Bei "umfassenden Führungsaufgaben" sieht es für Frauen sogar noch schlechter aus als bei der weiteren Definition des Begriffs.

Insgesamt stuften sich hochgerechnet 819.000 Personen in der Kategorie der umfassenden Entscheider ein. Frauen hatten daran nur einen Anteil von 21 Prozent. Gegenüber einer Umfragen vom Mai 2000 ist die Quoto so lediglich um einen Prozentpunkt gestiegen. "Von diesen Führungsaufgaben werden vier Fünftel von Männern und nur ein Fünftel von Frauen wahrgenommen", sagte Hahlen.

Frauen im Osten erfolgreicher

Dabei sind Frauen im Osten erheblich erfolgreicher als Frauen im Westen. In Ostdeutschland waren im März 2004 rund 42 Prozent aller Führungskräfte weiblich, im Westen waren es nur 32 Prozent. In Positionen mit umfassender Führungsverantwortung arbeiteten in Ostdeutschland 29 Prozent der Frauen, verglichen mit 20 Prozent im Westen.
Zusätzlich hängt die Chance, Leitungsfunktionen zu übernehmen, stark von der Branche ab. Im Dienstleistungsbereich etwa machen Frauen 53 Prozent der Führungskräfte aus - im Baugewerbe sind es dagegen nur 14 Prozent.

Schlechte Aussichten für Mütter

Besonders selten arbeiten Frauen in Führungspositionen, wenn sie Ehefrau und Mutter sind. 2004 hatten nur zehn Prozent der verheirateten Mütter eine Führungsposition inne. Frauen, die sich dagegen entscheiden, mit einem Partner zusammen zu leben und auch keine Kinder haben, rücken dagegen häufig in Top-Jobs auf. Prekär sind die Aussichten für Männer, die sich für eine Lebensgemeinschaft entscheiden und Kinder im Haushalt versorgen. Nur 18 Prozent dieser Spezies sind in die Führungsetagen aufgestiegen.