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Statistik: Dick, ledig, deutsch sucht

Das gerade erschienene Statistische Jahrbuch 2006 macht den Durchschnittsdeutschen greifbar: Er ist zu dick, heiratet spät und verbringt seine Freizeit lieber vor dem Fernseher als mit einem Buch. Neben dem Mittelmaß offenbart die Statistik allerhand Kuriositäten.

Kommt der Durchschnittsdeutsche ins Krankenhaus, hat er eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wenn er verurteilt wird, hat er eine Straftat im Straßenverkehr begangen. Das alles steht im gerade erschienenen Statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik 2006. Mit Tausenden von Zahlen und Tabellen will das Statistische Bundesamt als Herausgeber ein exaktes Bild der deutschen Wirklichkeit zeichnen. Der oder die Durchschnittsdeutsche wird damit zum Greifen nah. Warum etwas so ist, erklärt die Statistik nicht, es gibt nur die blanken Zahlen.

Deutsche kehren ihrer Heimat den Rücken

"Ernsthaft mitreden und sachgerecht entscheiden kann in unserer Gesellschaft nur, wer die Fakten kennt", schreibt der Präsident des Amtes, Johann Hahlen. In der Debatte um Erziehungszeiten für Väter zeigt die Statistik, dass Kinder für Männer kein Hinderungsgrund bei der Berufstätigkeit sind. Von allen Männern mit Kindern (egal welchen Alters) in der Bevölkerung sind 85 Prozent erwerbstätig - dagegen liegt der Anteil bei den Frauen nur bei knapp 61 Prozent. Der Einwanderungsdebatte stellt die Statistik einen Auswanderungstrend gegenüber, denn immer mehr Deutsche kehren ihrer Heimat den Rücken. 150.667 Deutsche suchten 2004 ihr Glück im Ausland. Ziel Nummer eins waren die USA, gefolgt von der Schweiz und dem sonnigen Portugal.

Manches Mal bringt die Statistik Überraschendes ans Licht: Am längsten arbeiten danach keineswegs Manager und Banker, sondern selbstständige Landwirte, Fischer und Forstwirte, die auf 53,9 Arbeitsstunden pro Woche kommen.

Männer im Schnitt 13 Zentimeter größer als Frauen

Kommt der Deutsche nach getaner Arbeit nach Hause, so verbringt er genauso viel Zeit mit Computerspielen wie zusammen genommen im Kino, Konzert, Zoo und Zirkus sowie mit Basteln oder Modellbau. Eine Stunde und 53 Minuten pro Tag sitzt er vor dem Fernseher oder schaut sich Videos an. Immerhin 37 Minuten am Tag liest der Deutsche im Schnitt, davon 7 Minuten ein Buch. In ihrer Freizeit gönnen sich Frauen ein Fünftel mehr Zeit für das Nichtstun als Männer.

Das scheint den Frauen nicht zu schaden: Während von den weiblichen Deutschen 41,5 Prozent zu dick sind, liegt der Anteil bei den Männern bei 57,9 Prozent. Dabei schlägt die Waage immer weiter aus: vor einem Jahr waren erst 38 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer übergewichtig. Regional gibt es nur geringe Unterschiede, doch neigen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern am ehesten zum Übergewicht, in Hamburg und Berlin am wenigsten. Bei der Körpergröße überragt der Durchschnittsmann mit 1,78 Meter die Durchschnittsfrau um stolze 13 Zentimeter.

Mehr Regen im Breisgau als im Norden

Den Schritt vor den Altar oder zum Standesamt wagen die Deutschen immer später. Mit 36,2 Jahren heiratet der Mann in Schnitt, die Braut ist dann erst 33 Jahre alt. Ende der 80er Jahre hatten Paare sich noch fünf Jahre früher getraut. Wenn das Paar Kinder hat, heißen Töchter Marie oder Sofie, Söhne Alexander oder Maximilian. 42,6 Prozent der Menschen erben oder kaufen irgendwann einmal eine Wohnung oder ein Haus. Das Single-Leben wird beliebter: 14,7 Millionen Menschen leben allein - das sind fast drei Mal so viele wie 1970. Im Schnitt zählt ein Haushalt nur noch 2,1 Personen. Im modernen Kommunikationszeitalter hatte 2005 fast jeder Haushalt ein Telefon (99,3 Prozent) und 68 Prozent einen Computer.

Aber nicht nur das deutsche Mittelmaß taucht in der Statistik auf. Auch Kuriositäten hat der Band parat. So erfährt der Leser, dass 88 Mädchen unter 14 Jahren 2004 ein Kind bekommen haben, eines davon war tot geboren. 290.864 Menschen schauten zu tief ins Glas und kamen nach übermäßigem Alkoholgenuss wegen Verhaltensstörungen ins Krankenhaus. Wer ins Gefängnis musste, landete in Thüringen in einer zu 119 Prozent überbelegten Zelle. Im Südwesten (Freiburg/Breisgau) regnete es um fast ein Drittel mehr als im Norden. Und in Niedersachsen lebten fast genau so viele Schweine wie Einwohner (jeweils 8 Millionen).

Marion Trimborn/DPA / DPA