HOME

Arbeitsmarkt: Mehr Chancen für Ältere

Menschen über 50 zählten auf dem Arbeitsmarkt lange zum "alten Eisen". Jetzt scheint sich die Entwicklung umzukehren: Gegen den Gesamttrend steigt die Beschäftigungsquote der erfahrenen "Best Agers".

Die Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer in Deutschland haben sich nach Aussagen von Arbeitsmarktforschern deutlich verbessert. "Seit zwei, drei Jahren ist eine eindeutig positive Entwicklung erkennbar", sagte Cornelia Sproß vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der "Frankfurter Rundschau". Mit einer Beschäftigungsquote von gut 45 Prozent bei über 55-Jährigen liege die Bundesrepublik inzwischen leicht über dem Mittelwert der EU.

Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen für die Älteren binnen eines Jahres bis Juni 2006 um knapp 200.000 gestiegen. In allen anderen Altersgruppen habe sie leicht abgenommen. Seitdem dürfte sich der Trend eher noch verstärkt haben.

"Gefühlte Chancenlosigkeit ist größer als tatsächliche"

BA-Verwaltungsratsvorsitzender Peter Clever sagte der Zeitung, "die gefühlte Chancenlosigkeit Älterer ist viel größer als die tatsächliche". Viele Unternehmen hätten gerade in jüngster Zeit den Anteil der erfahrenen Arbeitnehmer erhöht. Geholfen hätten bei dieser Entwicklung Reformen wie Einschränkungen bei der Frühverrentung oder mehr Hilfen für die Weiterbildung im Zuge der Hartz-Reformen. Hauptmotor sei jedoch der kräftiger werdende Aufschwung, schreibt die Zeitung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bestätigte den Trend, warnte aber vor Selbstzufriedenheit. "Nach wie vor haben es Ältere sehr schwer, sich im Beruf zu halten oder erst recht eine Stelle zu finden", sagte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy. Dabei spiele die demographische Entwicklung eine wesentliche Rolle. Häufig bleibe den Unternehmen nichts anderes übrig, als Ältere zu beschäftigen, da sie keine qualifizierten Jüngeren auf dem Arbeitsmarkt fänden.

1,6 Millionen Stellen nicht besetzt

Nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft sind derzeit 1,6 Millionen Stellen in der deutschen Wirtschaft nicht besetzt." Das ist der höchste Stand seit 2000", sagte IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Zahl wegen der guten Konjunktur auf zwei Millionen ansteige. Es fehle an entsprechend ausgebildeten Arbeitskräften.

Nach Beobachtungen des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung bleibt der Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse hinter dem Plus des letzten Konjunkturhochs Ende der neunziger Jahre zurück. Vergleichsweise viele Selbstständige und Leiharbeiter würden eingesetzt. Dagegen schreckten die Unternehmen davor zurück, "feste und sozial abgesicherte Arbeitsplätze zu schaffen", sagte Institutsleiter Gustav Horn dem "Spiegel". Was die Beschäftigung angehe, sei im Vergleich zum letzten Aufschwung "gleiche Quantität bei geringerer Qualität" festzustellen.

DPA / DPA