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Arbeitsplatz: Zu teuer für diese Welt?

Die Krise bei General Motors, dem Mutterkonzern von Opel, macht aus Kollegen Rivalen: Der Billigste gewinnt. Der stern hat die Gehaltszettel eines deutschen, polnischen und schwedischen Arbeiters verglichen.

Von Catrin Boldebuck

Theo Surkamp, 38, ist wie die Automarke, für die er seit 14 Jahren am Band steht: bodenständig, zuverlässig, ohne Firlefanz. Als Gruppensprecher bei Opel in Bochum leitet er fünf bis sechs Kollegen an. Sie montieren den Motor in die Karosserie - "verheiraten" nennen das die Arbeiter. "Ist doch auffällig, dass es Nobelmarken wie Porsche und BMW gut geht, aber einer amerikanisch geführten Durchschnittsmarke wie unserer nicht", sagt Surkamp.

Grzegorz Nowak, 33,

arbeitet seit sieben Jahren bei Opel in Gliwice, Polen. Auch er ist Teamleiter. Seine sechs Mitarbeiter montieren den Auspuff, die Brems- und Benzinleitungen. Nowak gehört schon zu den Älteren im Werk. "Der Arbeitgeber will eine junge Mannschaft. Je jünger die Arbeiter, desto weniger Probleme: mit Krankheiten, mit Zuschüssen - das ist die neue Wirtschaft", sagt er.

Fredrik Skatz, 39, ist Qualitätsingenieur bei Saab im schwedischen Trollhättan. Gleich nach dem Abitur hat er am Band als Monteur angefangen und sich vom Teamleiter zum Qualitätsingenieur hochgearbeitet. "Für uns geht es ums Überleben. Aber wir protestieren nicht, wir arbeiten lieber noch härter", sagt er.

Theo Surkamp, Grzegorz Nowak und Fredrik Skatz sind Kollegen. Ob bei Opel in Deutschland und Polen oder bei Saab in Schweden - letztlich arbeiten sie alle drei für den amerikanischen Weltkonzern General Motors. Und deshalb sind sie 2004 zu Rivalen geworden. Es geht um nichts Geringeres als ihren Job - und den kann nur der Günstigste von ihnen behalten.

Weil General Motors zuletzt im Jahr 1998 Gewinn gemacht hat, kündigte das US-Management aus dem fernen Detroit Mitte Oktober drastische Sparmaßnahmen an: Allein in Europa sollen fortan jährlich 500 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Das bedeutet Personalabbau - der Teuerste fliegt. In diesem Vergleich steht der Pole am besten da, umgerechnet 724 Euro brutto im Monat verdient Grzegorz Nowak. In Schweden bekommt ein Teamleiter 2200 bis 2450 Euro. Den höchsten Monatslohn erhält Theo Surkamp: 2940 Euro brutto.

Das droht dem Deutschen

nun zum Verhängnis zu werden. "Ich als Otto Normalverbraucher kann nichts für die Fehler im Management", sagt Theo Surkamp. Er kann auch nichts dafür, dass die Leute zu wenig Autos kaufen und dass die US-Konzernzentrale einen unfähigen Manager nach dem anderen nach Deutschland entsandte. Aber Surkamp muss dafür zahlen.

In Deutschland sollen 9500 Stellen abgebaut werden: 1000 werden in den Vorruhestand geschickt, 2000 Arbeitsplätze werden ausgelagert, und 6500 Arbeiter sollen freiwillig gehen - in eine Beschäftigungsgesellschaft. Reine Kosmetik, fürchten nun viele bei Opel. Die Arbeitslosigkeit droht nach einem Jahr, wenn die Fördergelder auslaufen.

Surkamp würde eine Abfindung bekommen, wenn er freiwillig ginge. Aber dafür kündigen? "Nein, nicht bei den schlechten Aussichten", sagt er. Und woanders hinziehen? Auch nicht so einfach, wenn man sich mit Ehefrau Marion, 35, den Kindern Wiebke, 4, und Sören, 7, schön in seinem Heimatort Waltrop eingerichtet hat und Schwiegermutter und Oma mit unter einem Dach wohnen.

Diese Sorgen hat, 900 Kilometer weiter östlich, Grzegorz Nowak nicht. Wer ihn im ehemaligen Schlesien besucht, der bekommt Tee oder Kaffee und Schokoladenplätzchen angeboten. Grzegorz lebt mit seiner Frau Karina, 27, und Tochter Marta, 5, in einer kleinen Dreizimmerwohnung. Auch wenn Grzegorz zu den Besserverdienenden gehört, bleibt am Monatsende kaum Geld übrig. Trotzdem legen sie im Monat knapp 40 Euro aufs Sparbuch.

Auch Fredrik Skatz aus Trollhättan muss als alleinerziehender Vater jede Krone zweimal umdrehen. Henrik, 16, und Johan, 14, leben bei ihm, der achtjährige Anton bei Skatz' geschiedener Frau. Die drohende Schließung des Saab-Werks hängt wie eine schwarze Wolke über dem Unternehmen. Es geht darum, wo in Zukunft die Mittelklassewagen produziert werden: Trollhättan oder Rüsselsheim. Und welcher Standort dadurch langfristig gesichert wird. Anfang 2005 soll die Entscheidung fallen. Theo Surkamp sagt: "Rüsselsheim ist das technisch modernste Werk in ganz Europa." Fredrik Skatz hält dagegen: "Ich glaube, dass wir einen großen Vorteil haben, wenn für die Produktion in ganz Europa die gleichen Maßstäbe angelegt werden. Da können wir schwarz auf weiß zeigen, wie gut wir sind."

Noch funktioniert die Solidarität

zwischen den Kollegen. Als Surkamp und seine Kollegen Mitte Oktober in Bochum sieben Tage die Bänder stillstehen ließen, hat Grzegorz Nowak in Gliwice Transparente hochgehalten und Flugblätter verteilt. "Was zurzeit in Deutschland passiert, ist uns nicht egal", sagt er. "Wenn wir nicht alle mit einer Stimme sprechen, dann wird sich auch niemand für uns interessieren, wenn wir an der Reihe sind." Um die nächsten Jahre macht er sich keine Sorgen. Aber wenn in seinem Werk eine zusätzliche dritte Schicht eingeführt wird, werden neue Leute eingestellt, und das Geld für Überstunden entfällt - im Monat bis zu 100 Euro. Und was wird, wenn die Steuervorteile in der Sonderwirtschaftszone auslaufen und die Produktion weiter gen Osten zieht, in die Ukraine zum Beispiel?

"Sollen doch die Manager gleich mitgehen und ihre Gehälter an die Verhältnisse in der Ukraine anpassen", sagt Theo Surkamp aus Deutschland. "Aber die bleiben lieber in der Schweiz." Dort residieren die Europa-Chefs von General Motors, die sich bereit erklärt haben, auf 15 Prozent ihres Gehalts zu verzichten. Surkamps Sohn soll später nicht in die Autoindustrie gehen. Und wenn doch, als Manager.

Mitarbeit: Marcus Olsson, Beata Rewerska und Horst Schoop

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(