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Arbeitszeit: Bayern und seine Feiertage

Es gibt Reizthemen, bei denen die Bayern nicht mit sich reden lassen: Die möglichst späte Sperrstunde in den Biergärten oder die Zahl der Feiertage.

Im Freistaat darf sich das arbeitende Volk an jährlich zwölf Feiertagen ausruhen. In Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung kommt Mariä Himmelfahrt als 13. Feiertag hinzu, und die Bewohner von Augsburg bekommen den 8. August im Gedenken an den Religionsfrieden als weiteren arbeitsfreien Tag geschenkt. Bayern ist also auch bei den Feiertagen bundesweit Spitze. Die Einwohner anderer Bundesländer müssen mit teils nur neun Feiertagen auskommen.

"Hände weg von unserem Kulturgut", ging dieser Tage wieder unisono ein Aufschrei durchs weiß-blaue Land, als in der Debatte um längere Arbeitszeiten aus Politikermund und von Arbeitgeberseite gefordert wurde, Bayern solle sich einer bundeseinheitlichen Regelung mit weniger Feiertagen anschließen. Sofort formierte sich von Passau bis Aschaffenburg geschlossener Widerstand. Die sonst spinnefeind gesonnenen Parteien CSU und SPD, aber auch Kirchen und Gewerkschaften führten in seltener Harmonie den Chor der Feiertags-Verteidiger an. Auch wenn sie sonst über "Peanuts" wie das Anstrahlen der Zugspitze mit lila Scheinwerferlicht wochenlang streiten, das Rütteln an ihren Grundfesten eint die Bayern.

Stoiber: "Mit mir wird es keine Änderung geben"

Und die kirchlichen Feiertage gehören zu diesen Grundfesten. Wer je erlebt hat, wie die Gläubigen auf dem Land etwa an Fronleichnam im Festgewand und unter Blasmusiklängen hinter dem Allerheiligsten in der Monstranz herziehen oder wer die berühmte Seeprozession auf dem oberbayerischen Staffelsee gesehen hat, der versteht, wie sehr die Bayern an ihrem jahrhundertealten kirchlichen Brauchtum hängen.

"Mit mir wird es keine Änderung geben", hält Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) daher unverrückbar an der Feiertagsregelung im Freistaat fest. Die Bundespolitik habe sich nicht in die Feiertagsregelungen der Länder einzumischen, ruft er Richtung Berlin. Oppositionschef Franz Maget (SPD) springt dem bayerischen Regenten bei: Die Wirtschaftskraft eines Landes hänge schließlich nicht von der Zahl der Feiertage ab, gibt der frisch gebackene Träger des Bayerischen Verdienstordens seinen Bundes-Genossen contra.

"Die Feiertage sind ein wichtiges Kulturgut"

Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter fordert das sofortige Einstellen der Feiertagsdiskussion. "Die Feiertage sind ein wichtiges Kulturgut", predigt der Purpurträger, und aus religiösen und kulturellen Motiven geradezu "sinnstiftend". Zudem erinnert Wetter daran, dass die Katholiken in Bayern kirchliche Feste wie Josefi, Peter und Paul sowie Mariä Empfängnis längst als Feiertag geopfert hätten. Und auch der evangelische Buß- und Bettag ist außer in Sachsen längst Arbeitstag.

Für den bayerischen Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Josef Falbisoner, sind die Vorschläge zur Kürzung von Feiertagen schlichtweg "unausgegoren". Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu indessen meint, die Streichung von Feiertagen könnte zwar dazu führen, dass sich das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat erhöht - mit dem Ergebnis, dass dann auch der Finanzausgleich zu Gunsten ärmerer Bundesländer steigt. Der CSU-Mann stellt aber klar: "Das mag andere Länder freuen, kann aber nicht Sinn der Sache sein."

Paul Winterer, dpa