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Arbeitszeit Deutsche arbeiten länger als behauptet

Die Behauptungen, Deutschland sei Freizeitweltmeister, haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Im Bundesgebiet wird deutlich länger gearbeitet als tarifvertraglich vereinbart.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten habe im vergangenen Jahr rund 42 Stunden betragen, berichtete Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) am 20. Juli in Düsseldorf über die Ergebnisse einer repräsentativen bundesweiten Untersuchung des Instituts zur Erforschung sozialer Chancen (ISO).

Die plakativen Behauptungen, Deutschland sei Freizeitweltmeister, hätten mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Die Zahlen zeigten, dass die Forderungen "nach einer generellen Verlängerung der Arbeitszeiten an den Realitäten vorbei gehen", sagte Schartau. Damit solle nur "der Boden für allgemeine Lohnkostensenkungen vorbereitet werden".

Beschäftigte beweisen hohe Flexibilität bei den Arbeitszeiten

In Westdeutschland sei durchschnittlich 41,9 Stunden pro Woche gearbeitet worden - drei Stunden länger als in den Tarifverträgen festgelegt. In Ostdeutschland habe die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit sogar 43,0 Stunden betragen, 3,2 Stunden länger als vereinbart.

Die Beschäftigten bewiesen nach wie vor eine hohe Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Nur jeder Zweite habe konstant festgelegte tägliche Anfangs- und Endzeiten. Ein Drittel der Beschäftigten arbeite regelmäßig an Wochenenden. Die Zahl der Überstunden habe sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Im Durchschnitt habe 2003 jeder Beschäftigte 2,7 Überstunden pro Woche geleistet. Der Anteil der bezahlten Überstunden sei seit 1995 von 37 Prozent auf 22 Prozent gesunken. Für beinahe jede vierte Überstunde gebe es weder Geld noch Freizeit als Ausgleich.

Passgenaue Arbeitszeitregelungen für einzelne Betriebe

Deutlich zugenommen hat der Untersuchung des Kölner Instituts zufolge die Teilzeitbeschäftigung. Die Teilzeitquote sei seit 1999 um vier Prozentpunkte auf 24 Prozent gestiegen. Als ungelöstes Problem bezeichnete Schartau die dauerhafte rechtliche Absicherung von Arbeitszeitkonten. Im vergangenen Jahr hätten 42 Prozent der westdeutschen und 38 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten mit einem Arbeitszeitkonto gearbeitet. Sie würden hauptsächlich dazu genutzt, den Freizeitausgleich für Überstunden zu regeln.

Schartau forderte passgenaue Arbeitszeitregelungen für die einzelnen Betriebe. Die für die Siemens-Telefonwerke in Bocholt und Kamp-Lintfort gefundene Lösung zur Verlängerung der Arbeitszeiten sei vorbildlich. Kritik übte Schartau dagegen am Vorgehen des Vorstandes von DaimlerChrysler. Es sei "der Sache nicht angemessen", wie der Daimler-Vorstand seine Forderungen mit großem Getöse an die Öffentlichkeit gebracht habe. "Aber das liegt im Trend der Zeit."

Das ISO-Institut untersucht seit 1987 regelmäßig für das Düsseldorfer Arbeitsministerium die Entwicklung der Arbeitszeiten. Für die neue Studie hat es bundesweit 4.000 repräsentativ ausgewählte Beschäftigte befragt.


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