AUSBILDUNGSMARKT Lehrstellen und Azubis sind knapp

Ausbildungsplätze sind rar - aber auch das Angebot an Lehrlingen schrumpft. Besonders bei Handwerkern und Einzelhändlern landen immer weniger Bewerbungen im Briefkasten.

Während Hamburger Schulabgänger ihre letzten Schulferien genießen, verbringt mancher Unternehmer den Sommer mit der Suche nach Lehrlingen. Besonders bei Handwerkern und Einzelhändlern landen immer weniger Bewerbungen im Briefkasten. Unter den »Top-Ten« der Ausbildungsberufe rangiert nach Angaben des Arbeitsamts Hamburg der Mediengestalter ganz oben auf der Skala, dicht gefolgt von Kraftfahrzeugmechaniker und Computerberufen.

Bewerbermangel im Handwerk und Einzelhandel

»Während solche Modeberufe total überlaufen sind, bewerben sich immer weniger Schüler in unserer Branche«, klagt Heinz Krohn von der Hamburger Handwerkskammer. »Im letzten Jahr sind mehr als 200 Lehrstellen vor allem im Nahrungsmittelbereich unbesetzt geblieben«, sagt er. Auch der Einzelhandel klagt: »Wir sind keine gefragte Branche«, meint Ulf Kalkmann vom Hamburger Landesverband des deutschen Einzelhandels. Er vermutet, dass die Lehrlingszahlen dieses Jahr weiter zurückgehen. Das habe zwar auch demographische Gründe. »Aber die Schulen schicken uns immer schlechter ausgebildete Schulabgänger«, beschwert sich Kalkmann.

Ähnliche Kritik kommt auch von der Industrie- und Handelskammer (IHK). »Es gibt zu wenig geeignete Bewerber für die offenen Lehrstellen«, erklärt Thomas Schierbecker von der IHK Hamburg. Auch er erwartet einen Rückgang bei der Ausbildungsverträge: Während die rund 4.000 bei der IHK registrierten Betriebe im vergangenen Jahr noch 8.257 Lehrverträge abschlossen, werden es in diesem Jahr voraussichtlich nur rund 8.000 sein. »Obwohl wir 140 verschiedene Berufe im Köcher haben, stürzen sich die meisten auf wenige Sparten.« Besonders Medien- und Computerberufe seien überfragt.

Segelmacher Wolfgang Jago aus Hamburg-Bramfeld hat persönlich bei den Schulen der Umgebung um Lehrlinge geworben, stieß damit aber selbst bei Lehrern auf wenig Gegenliebe. »Auch die Vermittlung vom Arbeitsamt ist mies. Die haben uns noch nie einen Azubi geschickt.« Segelmacher seien vor allem körperlich gefordert. »Da schmeißt der eine oder andere Pappenheini die Ausbildung einfach hin, weil er nicht mit anpacken will«, regt sich Ehefrau Sylvia auf.

Unbequeme Arbeitszeiten, wenig Prestige und körperliche Anstrengung schreckten Jean-Pierre Kette nicht ab, eine Ausbildung als Ewerführer anzufangen. Seit einem halben Jahr lernt der 17-Jährige auf den Schuten der Carl Robert Eckelmann Transport und Logistik GmbH im Hamburger Hafen, wie der Güterumschlag auf dem Wasser funktioniert. »Zehn Kollegen stehen kurz vor der Rente«, sagt Holger Streich, Ausbilder bei Eckelmann und selbst seit 43 Jahren im Betrieb. »Da wird?s Zeit, dass wir unseren Nachwuchs ausbilden.«

Beruf Ewerführer: hohe Ansprüche an die Bewerber

Die Bewerberflaute scheint vorbei. »Früher haben wir fast jeden genommen, der überhaupt einen Schulabschluss hatte«, erinnert sich Streich. »Wer heute Ewerführer werden will, muss nicht nur körperlich fit sein, sondern muss auch in Mathe und Englisch was auf dem Koffer haben, um internationale Lade- und Zollpapiere zu kontrollieren«, erklärt der 59-Jährige.

Unternehmer, die für August noch einen Lehrling suchen, hoffen auf kurzentschlossene Bewerbungen. Schulabgängern, die noch keine Lehrstelle haben, rät Heinz Krohn von der Hamburger Handwerkskammer zu mehr Eigeninitiative. »Es reicht nicht, einfach ein paar Bewerbungen in die Post zu stecken. Am besten geht man selbst in einen Betrieb und zeigt Interesse am Beruf.«

Von Astrid Bohlen, dpa

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