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Ausbildungsmarkt: Streit um Lehrstellenmangel

Die Bundesanstalt für Arbeit schlägt Alarm: 49.500 Ausbildungsplätze fehlen. Der Industrie- und Handelskammertag kontert: Es gebe noch genügend unvermittelte Stellen.

Die knapp 50.000 Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz können sich nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) noch Hoffnung auf einen Einstieg ins Berufsleben machen. "Wir haben mehr betriebliche Angebote als unvermittelte Jugendliche", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun der "Passauer Neuen Presse". Derzeit gebe es noch 15.000 offene Lehrstellen und bis zu 40.000 Plätze für eine Einstiegsqualifizierung.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) so schlecht wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 49.500 junge Leute waren Ende September ohne Lehrstelle. Den Ausbildungspakt zwischen Politik und Wirtschaft bezeichnete Braun dennoch als Erfolg: "Trotz einer schwierigen Beschäftigungssituation in den letzten Jahren gibt es mehr Ausbildungsplätze als vor dem Pakt."

"Ihr könnt mehr ausbilden"

SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck hat die Arbeitgeber angesichts der Lehrstellenbilanz zu mehr Engagement aufgefordert. In der "Neuen Presse" aus Hannover sagte Struck an die Unternehmen gerichtet: "Ihr könnt mehr ausbilden! Gerade angesichts der wirklich guten konjunkturellen Lage." Forderungen nach Zwangsabgaben für die Wirtschaft erteilte er eine Absage: "Der Ruf nach einer Ausbildungsplatzabgabe macht jetzt keinen Sinn, weil die Union da nicht mitmachen wird." Struck sicherte zu, dass mehr Mittel für Einstiegsqualifikationen zur Verfügung gestellt wird. Insgesamt gesehen sei der Ausbildungspakt trotz allem ein Erfolg.

Nach der am Mittwoch vorgestellten Bilanz waren Ende September 49.500 junge Leute ohne Lehrstelle. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ging die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 12.000 auf 459.000 zurück. Gleichzeitig nahm die Zahl der Bewerber um 22.199 auf 763.100 zu.

Vergütungen einfrieren

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Uwe Schummer (CDU), sagte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Gewerkschaften könnten als Tarifpartner dazu beitragen, dass durch ein Einfrieren der Ausbildungsvergütungen "für drei, vier Jahre" zusätzliche Lehrstellen geschaffen werden. Der CDU-Politiker forderte auch die Freiberufler auf, am Ausbildungspakt teilzunehmen. In diesem Bereich sei die Zahl der Lehrstellen innerhalb eines Jahres um neun bis zehn Prozent zurückgegangen. Einen eklatanten Rückgang an Ausbildungsplätzen gebe es auch da, wo der Meisterbrief als Voraussetzung für Selbstständigkeit weggefallen sei. So sei im Fliesenlegerhandwerk seither die Zahl der Betriebe um 100 Prozent gestiegen, die der Lehrstellen aber um 40 Prozent gesunken.

Der Juso-Vorsitzende Björn Böhning warf der Wirtschaft vor, sie komme ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung nicht nach. "Der Ausbildungspakt ist gescheitert - jetzt muss die Politik reagieren", sagte er. Er forderte die SPD-Bundestagsfraktion auf, darauf zu drängen, "dass jene Unternehmen, die nicht ausbilden, zur solidarischen Finanzierung des Ausbildungssystems herangezogen werden."

DPA / DPA