HOME

Dax-Vorstandsgehälter: Steigerungen bis 175 Prozent

Prekariat? In den deutschen Vorstandsetagen ist es nicht zu finden. Im vergangen Jahr stiegen die Gehälter der Topmanager um bis zu 175 Prozent. Ganz vorne dabei: die Banker.

In den Chefetagen der größten deutschen Unternehmen können sich die Manager über teils sagenhafte Gehaltssprünge freuen. Ganz vorn dabei ist die Commerzbank, deren Vorstände im vergangenen Jahr 175 Prozent mehr verdienten als 2004, wie eine am Montag vorgestellte Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ergab. Im Schnitt stiegen die Vorstands-Gehälter aller 30 DAX-Unternehmen um 11 Prozent.

Auf den ersten Blick könnte die Gehaltssteigerung der Commerzbank-Führungsriege mit der wirtschaftlichen Entwicklung begründet werden, stieg das Ergebnis je Aktie doch im gleichen Zeitraum laut Studie sogar um gut 216 Prozent. Allerding war das zur Ausgangsbasis herangezogene Vergleichsjahr 2004 einfach "grottenschlecht", was die rasante Ergebnisverbesserung doch sehr erleichtert hat, wie DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker zu bedenken gab.

"Es gibt auch Verlierer"

Am meisten von allen DAX-Unternehmen verdienten laut Studie die Manager bei der Deutschen Bank, wo ein einfaches Vorstandsmitglied 3,83 Millionen Euro einstrich (plus 26 Prozent). Auf Rang zwei folgt der Software-Hersteller SAP (3,18 Millionen) vor DaimlerChrysler (knapp 3 Millionen Euro). Mit einem Plus von 58 Prozent liegt SAP nach der Commerzbank an zweiter Stelle der Zuwachsliste. Diesem satten Gehaltsplus stand ein "eher bescheidener" Anstieg des Ergebnisses je Aktie von 14,45 Prozent gegenüber, wie die DSW-Vergütungsexpertin Christiane Hölz vorrechnete.

Es gab aber auch Verlierer unter den Topmanagern: So zahlte der Handelsriese Metro seiner Führungscrew 2005 fast 23 Prozent weniger als 2004. Das Ergebnis je Aktie sank im gleichen Zeitraum sogar um 35,6 Prozent. Gleich dahinter folgen die Infineon-Vorstände mit einem Minus von 22,3 Prozent, allerdings wies der Konzern als einziges DAX-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2005 einen Verlust aus. Berücksichtigt wurden bei der Untersuchung laut DSW fixe und variable Gehälter, aber keine Aktienoptionen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu schaffen.

Gehälter im oberen Viertel Europas

Die deutschen Topmanager liegen laut Studie mittlerweile im europaweiten Vergleich im oberen Viertel. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die ursprünglich geplante 30-prozentige Gehaltserhöhung für die Siemens-Vorstände empfahl Hocker den Managern, "eine gewisse Sensibilität zu entwickeln" und nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Politiker hatten der Siemensführung Maßlosigkeit und Instinktlosigkeit vorgeworfen und auf geplante Stellenstreichungen und die ständig wiederholte Forderungen des Management nach Opfern auf der Arbeitnehmerseite verwiesen. Nach der Pleite von BenQ, der einstigen Siemens-Handysparte, hatte der Vorstand dann aber auf die geplante Anhebung seiner Bezüge verzichtet.

AP / AP