HOME

DGB-Umfrage: Jeder Dritte ist mit seinem Job unzufrieden

Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland ist nach einer DGB-Studie mit seinem Arbeitsplatz unzufrieden. Viele klagen dabei über miese Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Aufstiegschancen. Vor allem Zeitarbeiter sind frustriert.

"Der berufliche Alltag ist geprägt von Arbeits- und Zeitdruck sowie schweren emotionalen Belastungen" - sagt DGB-Chef Sommer

"Der berufliche Alltag ist geprägt von Arbeits- und Zeitdruck sowie schweren emotionalen Belastungen" - sagt DGB-Chef Sommer

Jeder dritte Beschäftigte ist mit seinen Arbeitsbedingungen extrem unzufrieden. Lediglich zwölf Prozent beschrieben ihren Arbeitsplatz als umfassend positiv, wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten DGB-Index "Gute Arbeit" hervorgeht. Etwa die Hälfte der Befragten (54 Prozent) bewerteten ihre Arbeitsbedingungen als durchschnittlich. Besonders schlecht sind die Bedingungen für Leih- und Hilfsarbeiter.

Ziel: Verbesserung der Arbeitswirklichkeit

DGB-Chef Michael Sommer fühlte sich durch die Umfrage in der Forderung der Gewerkschaften nach einem gesetzlichen Mindestlohn bestärkt. Der DGB-Index sei "ein weiterer Beleg für miese Bedingungen im Niedriglohnsektor". Die Entlohnung der Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden, forderte Sommer. Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske verwies darauf, dass eine geringere Qualifikation mit einem geringeren Einkommen, schlechteren Arbeitsbedingungen und einem erhöhten gesundheitlichen Risiko verbunden sei. Vor allem Leiharbeit werde immer mehr zu einem Instrument der Lohndrückerei.

Nur zwölf Prozent der Arbeitsplätze würden von den Beschäftigten als rundum positiv beschrieben, sagte Sommer. Mit 54 Prozent werde gut die Hälfte der Arbeitsplätze als mittelmäßig bewertet, während 34 Prozent oder mehr als ein Drittel als mangelhaft eingestuft würden. Dies sei das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von über 6000 Beschäftigten in allen Branchen und Einkommensgruppen für den DGB-Index "Gute Arbeit". Mit diesem erstmals vorgestellten Index wollen die Gewerkschaften künftig jährlich ein Barometer zur Arbeitszufriedenheit vorlegen.

Derzeit weit vom Idealzustand

"Der berufliche Alltag ist geprägt von Arbeits- und Zeitdruck, körperlich einseitiger oder schwerer Arbeit sowie schweren emotionalen Belastungen", sagte Sommer. In fast allen Berufsgruppen gebe es aber eine kleine Gruppe gut gestalteter Arbeitsplätze. "Für jede Tätigkeit lassen sich Bedingungen schaffen, durch die sie zu einer guten Arbeit wird", sagte Sommer.

Mit der regelmäßigen Berichterstattung aus Sicht der Beschäftigten wollten die Gewerkschaften zu einer Verbesserung der Arbeitswirklichkeit beitragen. Am besten beurteilten der repräsentativen infratest-Umfrage zufolge Ingenieure ihre Arbeitsbedingungen, gefolgt von Beschäftigten der Chemieindustrie und aus den Verwaltungen. Hochgerechnet auf alle Beschäftigten erreichte der Index in diesem Jahr einen Wert von 58 Punkten. Damit liegt die Arbeitsqualität in Deutschland im unteren Mittelfeld; rund 20 Punkte hinter den Anforderungen an "gute Arbeit", aber nur acht Punkte oberhalb der Grenze für "schlechte Arbeit".

Beschäftigte beklagen zu geringe Entlohnung

"Der Indexwert zeige große Defizite und ein erhebliches Verbesserungspotenzial", betonte Sommer. Als besonders dramatisch hob Sommer hervor, dass 73 Prozent der Beschäftigten mit guten Arbeitsbedingungen mit dem Erhalt ihrer Arbeitskraft bis ins Rentenalter rechneten. Dagegen erwarteten dies nur 27 Prozent der Menschen, die unter schlechten Bedingungen arbeiten. Sommer betonte, die Gewerkschaften würden ihren Kampf gegen die Rente mit 67 auch deshalb verstärkt fortsetzen. IG Metall-Chef Jürgen Peters sagte, die demographische Debatte werde demagogisch ausgenutzt. Schon heute arbeite kein 60-Jähriger mehr am Fliesband.

Insgesamt wurden rund 6.100 Beschäftigte basierend auf einer Zufallsauswahl befragt. Die verantwortlichen Wissenschaftler betonten, dass die Befragung "allerhöchsten Standards" genüge und repräsentativ sei. Der DGB-Index soll jedes Jahr erscheinen und damit auch Vergleichsmöglichkeiten über die Entwicklung der Arbeitsbedingungen bieten. Der DGB-Index entschlüsselt die Qualität der Arbeit differenziert nach 15 Arbeitsdimensionen.

Job und Familie - das geht kaum unter einen Hut

Insgesamt wird deutlich, dass der Arbeitsmarkt immer weiter auseinanderdriftet. Arbeitnehmer fühlen sich oft nicht ihrer Tätigkeit entsprechend entlohnt. Viele Beschäftigte beklagen auch mangelnde Wertschätzung der Arbeit, fehlende Kollegialität und Qualifizierungsmöglichkeiten. Weiter heißt es, dass 50 Prozent der Arbeitgeber keine oder nur in geringem Maße Rücksicht nähmen auf eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Befragung belege zudem "miese Bedingungen im Niedriglohnsektor", sagte der DGB-Chef. Die am schlechtesten bezahlten Arbeitnehmer müssten ihre Tätigkeit unter den schlechtesten Bedingungen ausüben. "Beides muss sich verbessern: die Entlohnung durch einen gesetzlichen Mindestlohn und die Arbeitsbedingungen", forderte Sommer.

Reuters / Reuters