Diskriminierung Frauen verklagen Wal-Mart


Weibliche Angestellt bekommen bei Wal-Mart zu hören: "Männer sind hier, um Karriere zu machen, Frauen wollen nur was dazu verdienen." Nun droht dem Unternehmen ein spektakulärer Diskriminierungsprozess.

Betty Dukes ist Baptistenpredigerin und glaubt fest an das Gute in den Menschen. Deshalb arbeitet sie nach zehn Jahren immer noch im Wal-Mart-Supermarkt in Pittsburg, Kalifornien, für umgerechnet gut zehn Euro Stundenlohn. Den mutigen Glauben, es eines Tages doch zur Abteilungsleiterin zu schaffen, konnte ihr selbst der Hohn zahlreicher Vorgesetzter bislang nicht rauben.

Jetzt steht Dukes in erster Reihe einer Klage, die den größten Einzelhändler der Welt Milliarden kosten könnte. Ein Richter in Kalifornien befand, dass Dukes Geschichte und die von Dutzenden ihrer Kolleginnen nach systematischer Diskriminierung schmeckt. Er ließ Dukes Vorwürfe als Sammelklage zu, was 1,6 Millionen jetzigen und ehemaligen Wal-Mart-Angestellten die Chance gibt, mitzuklagen.

Männliche Kollegen ziehen vorbei

Das wäre die größte zivile Sammelklage in der amerikanischen Justizgeschichte. Selbst, wenn eine Jury, die in solchen "David gegen Goliath"-Fällen in aller Regel ein großes Herz für den kleinen Mann (oder die Frau) zeigt, jeder Frau nur eine bescheidene Summe zusprechen würde, läge der Betrag jenseits der Milliardengrenze. Der Vorreiter des rigorosen Preiskampfs hat sofort Berufung angekündigt.

Dukes kämpft nach eigenen Angaben seit Jahren vergeblich um die Beförderung, während männliche Kollegen an ihr vorbeizogen. Stephanie Odle fand raus, dass ihr Kollege auf gleichem Niveau 23.000 Dollar mehr im Jahr verdiente. "Der Mann hat Familie und muss zwei Kinder durchfüttern", beschied ihr der Vorgesetzte nach ihren Angaben.

Fast drei Viertel der 1,2 Millionen Wal-Mart-Angestellten sind Frauen

Eine andere Angestellte bekam nach den Gerichtsunterlagen zu hören: "Männer sind hier, um Karriere zu machen, Frauen wollen nur was dazu verdienen." Dawnia Self erlebte, wie ihr eigener Ehemann eine Nachtzulage bekam, sie für die selbe Arbeit nicht. Denise Mott wurde das Management-Training wegen einer Schwangerschaft versagt. Nach neun Jahren bei Wal-Mart verdiente sie 2002 immer noch umgerechnet knapp 7,50 Euro in der Stunde.

Ein Statistiker der Universität von Kalifornien in Hayward fand heraus, dass Frauen bei Wal-Mart im Schnitt 4,38 Jahren bis zur Beförderung brauchen, Männer 2,86 Jahre. Abteilungsleiterinnen verdienten im Schnitt 18 Prozent weniger als ihre Kollegen. Fast drei Viertel der 1,2 Millionen Wal-Mart-Angestellten sind Frauen.

Mittlerweile hat Wal-Mart sich bewegt

Richter Martin Jenkins aus San Francisco war schockiert. Wal-Mart-Rechtsanwälte argumentierten vergeblich, dass Frauen einfach weniger Interesse an besseren Jobs hätten und über Beförderungen auf Ladenebene entschieden werde, weshalb von systematischer Diskriminierung keine Rede sein könne.

Immerhin hat sich das Unternehmen, seit Dukes die Klage vor drei Jahren einreichte, bewegt. Unternehmenschef Lee Scott kündigte Bonuskürzungen in den Chefetagen an, falls Vorgaben für eine ausgeglichenere Besetzung von Führungsposten nicht erreicht werden.

Der befürchtete Imageschaden eines Prozesses schreckt Firmen ab

Wal-Mart kämpft in den USA seit einiger Zeit gegen negative Schlagzeilen. Staatsanwälte ermitteln, ob in einigen der mehr als mehr als 3.500 Läden mit Wissen Wal-Marts Reinigungsfirmen in Einsatz waren, die illegale Einwanderer beschäftigten. Zahlreiche Einzelklagen wegen angeblicher Unterbezahlung sind anhängig. Das Unternehmen kämpft dagegen bereits mit Werbespots im Fernsehen an, die fröhliche Familien zeigen, die das gute Arbeitsklima preisen.

Der befürchtete Imageschaden eines Prozesses schreckt die meisten Firmen vor Sammelklagen ab. Sie einigen sich außergerichtlich mit den Klägern. Coca-Cola zahlte vor vier Jahren 192 Millionen Dollar nach einer Diskriminierungsklage. Texaco wandte 1997 eine Klage schwarzer Mitarbeiter mit 176 Millionen Dollar ab.

Wal-Mart will aber erstmal kämpfen. "Wir sind absolut anderer Ansicht und werden in Berufung gehen", sagte Wal-Mart-Sprecherin Mona Willams nach dem Urteil. "Ich habe einen langen Atem", sagt die Klägerin Dukes dazu. Sie hat die Hoffnung auf den Job der Abteilungsleiterin noch nicht aufgegeben.

Christiane Oelrich DPA

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