Dreimal kurz gestreikt nicht nehmen, alte Version

Wochenlang ging gar nichts mehr: Der Müll stapelte sich tütenweise, Straßen wurden nicht geräumt und Kranke nicht operiert. Jetzt zeigt sich ein Hoffnungsschimmer an deutschen Streikhorizonten.

Bei Metallern ist Einigung noch diese Woche möglich

Gesamtmetall-Vizepräsident Otmar Zwiebelhofer kündigte vor Beginn der vermutlich entscheidenden Verhandlungsphase eigene Bewegung an und forderte aber umgekehrt auch die IG Metall zu Entgegenkommen auf. Die Gewerkschaft müsse Abstand nehmen von ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat seinerseits zum Kompromiss aufgerufen, um einen Streik zu vermeiden.

"Wir sind jedenfalls bereit, Lösungen auf dem Verhandlungswege zu erreichen", sagte der Chef der Metallarbeitgeber im Deutschlandfunk. Deshalb müssten beide Seiten nun aufeinander zugehen. Zu diesem Zweck wollten die Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen in der sechsten Verhandlungsrunde am Nachmittag ihr Angebot aufstocken. Die IG Metall könne nicht auf ihrer Fünf-Prozent-Forderung beharren. Für die Arbeitgeber könne ein Aufeinanderzugehen nicht heißen, "bei 1,8 Prozent zu bleiben".

Verdi setzt auf Stimme der Vernunft

Verdi-Chef Frank Bsirske rechnet noch im April mit einem Ende der Streiks im öffentlichen Dienst. Im ARD-"Morgenmagazin" sprach sich der Gewerkschaftsvorsitzende dafür aus, "auf die Stimme der Vernunft zu setzen und sich wieder an den Verhandlungstisch zu begeben". Bei den Ländern habe er den Eindruck, dass jene Kräfte, die eine Verhandlungslösung befürworteten, stärker würden. Bsirske betonte, dass beide Seiten Zugeständnisse machen müssten.

Die Verhandlungen für den öffentlichen Dienst auf Länderebene waren am 12. März abgebrochen worden. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, der Arbeitgeberverband der Länder, dringt auf längere Arbeitszeiten ihrer Bediensteten, Verdi will das verhindern. Unterdessen werden die Streiks im Norden wieder aufgenommen.

Ärzte protestieren mit Mitternachtsstreik

Im festgefahrenen Tarifstreit haben Ärzte an Universitätskliniken in der Nacht zum Dienstag ihre Streikaktionen in Leipzig fortgesetzt. Mehr als 200 Mediziner kamen nach Angaben der Veranstalter zu einem "Mitternachtsstreik" auf den Augustusplatz und zogen anschließend in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Mit der Aktion wollten die Mediziner darauf aufmerksam machen, dass sie auch in der Nacht, an Wochenenden und an Feiertagen arbeiten.

An diesem Dienstag wollen sich unter anderem Mediziner in Freiburg, Ulm, Heidelberg und Tübingen an den Streiks beteiligen. Am Mittwoch ist eine bundesweite Ärzte-Demonstration in Leipzig geplant. Dazu erwartet der Marburger Bund mehrere tausend Mediziner. Die Gewerkschaft fordert für die 22.000 Ärzte an Uni-Kliniken bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent mehr Gehalt.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker