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Ferienjobs: Zwischen Schrauben, Leitern und Lampen

Etwa jeder vierte Schüler hierzulande jobbt in den Ferien oder nebenher. Die 17-jährige Nicole Heubes verdient sich gerade das Geld für ihren Führerschein. Doch statt in einer Eisdiele oder beim Frisör arbeitet sie im Baumarkt.

Von Midia Nuri

Wenn Nicole Heubes morgens zur Arbeit in den Praktiker Baumarkt im nordrhein-westfälischen Burscheid kommt, stellt sie als erstes mit ihren Kollegen die Blumen und Pflanzen vor die Eingangstüren des blau-weiß gestrichenen Flachbaus gleich an der Bundesstraße B232. "Wir rücken sie schön zurecht, gießen sie und gucken nach, ob etwas verwelkt ist", erzählt sie. Diese Ware wird dann aussortiert. Den Rest ihres Vierstundentages verbringt die 17-Jährige damit, zu fegen und die Regale zu säubern sowie Kunden zu bedienen: Produkte zeigen, Fragen beantworten und auch mal einen fachkundigen Kollegen hinzuholen.

Voll in den Dienstplan integriert

Der Job macht Nicole Heubes Freude. "Die Kollegen sind nett, wir haben viel Spaß", berichtet sie. Wie die insgesamt 50 festangestellten Mitarbeiter, sind auch die beiden Ferienjobber fest in den Dienstplan integriert. Genügend Freizeit bleibt Nicole Heubes neben den drei bis vier Tagen Ferienjob pro Woche allemal. "Ich gehe viel mit Freunden weg und auch schwimmen, ins Kino oder ins Phantasialand", berichtet sie. "Und ich lerne auch schon mal für die neue Schule."

Ihren Hauptschulabschluss hat sie frisch in der Tasche. Und vom 11. August an wird sie das Berufskolleg in Leverkusen-Opladen bei Köln besuchen: Sozial- und Gesundheitswesen - nach Ende der zweijährigen Ausbildung will Nicole Krankenpflegehelferin werden. Gejobbt und Praktika absolviert hat sie bislang vor allem im Einzelhandel: extra, Schlecker und eben auch mal drei Wochen bei Praktiker in Burscheid, damals in der neunten Klasse.

Ferienjob ohne Umstände gefunden

Den Ferienjob suchte Heubes auch als erstes dort, wo man sie bereits kannte - in ehemaligen Praktikumbetrieben. "Ich bin einfach spontan mit meiner Bewerbungsmappe hingegangen und habe nach dem Marktleiter gefragt", erinnert sie sich. Das war nicht mehr der, den sie noch von früher kannte, sondern sein Nachfolger, Tom Sattler. Der nahm sich gleich Zeit, sie kennen zulernen und zu erfahren, was die Schülerin sich denn vorstellen würde. "Wir haben dann auch gleich schon vereinbart, wann ich anfangen soll und an welchen Tagen", freut sich Heubes. Einen schriftlichen Vertrag auf 400-Euro-Basis gab es vor Arbeitsbeginn auch. Ordnung muss sein bei der börsennotierten Baumarktkette.

Nach den Ferien will Nicole ihren Führerschein machen. Dafür ist auch das Geld gedacht, das sie gerade verdient. Das Auto bekommt sie dann von den Eltern geschenkt. Nicole Heubes freut sich, endlich unabhängig zu sein und zum Weggehen auch mal spontan von ihrem Heimatort Hilgen - zwischen Burscheid und Wermelskirchen am Rand des Bergischen Landes - nach Köln oder Düsseldorf fahren zu können.

Lieber Baumarkt als Friseur

Mit dem Ferienjob hört Nicole Heubes Ende dieses Monats auf. Danach wird sie weiter regelmäßig im Baumarkt jobben, auch in den kleineren Ferien. Das ist schon abgemacht. Ihren bisherigen Minijob in einem Friseursalon, den sie in den vergangenen zwei Jahren neben der Schule hatte, gibt sie dafür nun auf - Haarewaschen, fönen, den Boden fegen, kassieren und Termine vereinbaren. "Der Job hat auch Spaß gemacht und die Atmosphäre war sehr gut", sagt sie. Aber sie konnte eben nur samstags ihre 25 Euro für vier Stunden verdienen. Beim Praktiker bekommt sie zwar auf die Stunde gerechnet etwas weniger, als bei dem Friseursalon. "Dafür kann ich aber öfter arbeiten kommen", freut sich Nicole Heubes. Und dann lohnt sich der Jobwechsel auch finanziell für sie.

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