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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Das beste Argument für eine Mehrgenerationen-WG

Einen alten Baum verpflanzt man nicht, heißt es im Volksmund. Deshalb scheuen viele einsame ältere Menschen den Umzug zu ihren Kindern. Frank Behrendt traf auf einem Flug von München nach Köln eine rüstige Rentnerin, die sich kürzlich für das Modell des generationenübergreifenden Zusammenlebens entschieden hat.

Auch in der Küche können Oma und Enkelin viel Spaß zusammen haben (Symbolbild)

Auch in der Küche können Oma und Enkelin viel Spaß zusammen haben (Symbolbild)

Ihr gesamtes bisheriges Leben lang war ihre kleine heile Welt gewesen. Friseurin hatte sie mal gelernt, ihr Mann arbeitete bis zur Rente in einer Spedition. Seine zweite große Liebe waren die Münchner Löwen gewesen. Zwei Mädchen hatte sie groß gezogen, drei Enkelkinder gibt es schon. Heidi, die rüstige Dame im Holzfällerhemd, mit Jeans und Wanderstiefeln wünscht sich aber "schon noch ein paar weitere".

Als ihr Mann vor zwei Jahren starb, war die Wohnung in Giesing nicht mehr die gleiche gewesen. Sein Lachen war gegangen. Und der "Karli" hat viel gelacht wie sie mir glaubhaft versicherte. Seitdem waren die meisten Tage grau. Zweimal im Jahr fuhr sie "rauf nach Euskirchen" bei Köln, zur jüngeren Tochter, einem "wunderbaren Schwiegersohn" und den "zwei kleinen Zaubermäusen". Ich bekam ein Bild im Portemonnaie gezeigt: Eine richtig nette Familie.

Den Ausschlag gab die Enkelin

Seit einem Jahr wurde die alte Dame aus den bayerischen Gefilden von der Verwandtschaft intensiv bearbeitet, doch dauerhaft zur Tochter ins Rheinland zu ziehen. Im neu gebauten Eigenheim wurde extra eine Einliegerwohnung für sie vorgesehen. "Mit eigenem Eingang" wie sie mir schmunzelnd erklärte. Lange hat sie gezaudert, Ausreden gesucht, immer wieder um Bedenkzeit gebeten. Aber jetzt hat sie dann doch final "Ja" gesagt zur neuen generationenübergreifenden Hausgemeinschaft.

Logik war nicht der Grund, der am Ende den Ausschlag dafür gab, dass die "alte Silberpappel aus Untergiesing" sich doch noch "Umtopfen" lies. Es war vielmehr ein Gespräch mit der jüngsten Enkeltochter. Die aufgeweckte Sechsjährige hatte beim letzten Abschied von der Omi unter Tränen erklärt: "Wenn Du bei uns wohnst, kann ich dich immer drücken und auf dich aufpassen." Genau das macht sie nun. Für immer.

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