HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn Han Solo Berufsberatung an der Schule macht

An vielen Schulen gibt es ein Jahr vor dem Abitur die Chance, "Berufspaten" zu befragen, um sich so ein besseres Bild von möglichen Berufen zu verschaffen. Auch Frank Behrendt saß jetzt beim Job-Speed-Dating vor neugierigen Schülerinnen und Schülern.

Im Irmgardis-Gymnasium war Frank Behrendt als Berufspate im Einsatz

Im Irmgardis-Gymnasium war Frank Behrendt als Berufspate im Einsatz

Als ich das das Selbstlernzentrum des ehrwürdigen Erzbischöflichen Irmgardis-Gymnasiums in Köln betrat, staunte die Dame am Empfangstresen nicht schlecht: Lebensgroße Star-Wars-Pappaufsteller tauchten hier eher selten auf. Aber um ein realistisches Abbild meines Büro-Surroundings zu vermitteln, hatte ich Han Solo, Rey, Wookie Chewbacca und Co kurzerhand mitgebracht.

Alle zwanzig Minuten kam eine neue Gruppe Schülerinnen und Schüler zum Berufs-Orientierungsgespräch an meinen Tisch. Ihr Countdown läuft, in genau einem Jahr machen sie ihr Abitur und müssen dann ihren eigenen Weg Richtung Zukunft einschlagen. Die Gespräche zeigten, dass es oft gar nicht so einfach ist, sich selbst klar zu werden, was die oder der Einzelne einmal konkret machen möchte. Viele Eltern sind ebenfalls ratlos in Anbetracht zahlreicher neuer Berufe, vor allem im digitalen Umfeld. Das einstige Standardmantra wohlmeinender Eltern für den unentschlossenen Nachwuchs "Mach erstmal was Solides und geh zur Bank" stirbt langsam aber sicher aus.

Oberstudienrat Johannes Poensgen, der den Berufspatentag organisierte, hatte zahlreiche engagierte Mütter und Väter rekrutiert. Pilot, Juristin, Werber, Ärztin, Programmierer, Manager oder Gemälderestauratorin - die Gesprächsangebote waren so bunt wie das Berufsleben. Zudem waren ehemalige Schüler da, die jetzt im Studium stecken, um aus erster Hand über ihre Erfahrungen an der Uni zu berichten.

Die jungen Leute waren sehr interessiert und viele waren herrlich klar: "Wenn es mit dem Numerus clausus für das Medizinstudium nicht klappt, habe ich einen Plan B und werde Architekt", erklärte mir ein smarter junger Typ. Ein junges Mädchen möchte erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland absolvieren. Ich bestärkte sie darin, denn Engagement ist nicht nur für jeden Lebenslauf eine Bereicherung, sondern auch für den persönlichen Horizont.

Eine Mitschülerin bastelt gerade an einem Blog. Sie verfolgt interessiert das Frauen-Netzwerk "Global Digital Women" und hatte im Podcast "Be your brand" gehört, dass es nie verkehrt ist, als Personenmarke frühzeitig Präsenz im Netz zu zeigen. Ich stimmte ihr schmunzelnd zu, denn ich selbst mache es seit Jahren schließlich auch nicht anders. Ein smarter Bursche möchte später ins Sportmanagement. Er hatte so klare Vorstellungen, dass ich mir sehr sicher bin, dass er mal die Christiano Ronaldos von morgen erfolgreich beraten wird.

In der letzten Runde saß eine junge Dame im knallroten Shirt vor mir, strahlte mich aus ihren Husky-blauen Augen an und sagte: "Ich habe viele verschiedene Interessen und finde die ganze Welt spannend. Ich weiß noch nicht genau, was ich machen soll und lasse es einfach auf mich zukommen." Um sie mache ich mir überhaupt keine Sorgen und deshalb lautete mein Rat an sie auch nur: "Behalte bitte deine positive Power, damit bleibst du immer eine Gewinnerin, ganz egal, was du mal machst." Sie bedankte sich und ging von dannen. Strahlend.

Themen in diesem Artikel