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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: In Dortmund ist der Westen jetzt besonders wild

Die Eltern von Frank Behrendt schleppten ihre drei Kinder früher in alle Ausstellungen. In den 70ern galt allerdings meist noch das Motto: "Nichts anfassen". Heute denken Museen anders und fordern besonders die jungen Besucher auf, Historie auch mit den Händen zu (be)greifen.

Im Dortmunder Wilden Westen gibt's Plüschponys zum Anfassen und Aufsitzen

Im Dortmunder Wilden Westen gibt's Plüschponys zum Anfassen und Aufsitzen

Anno 1891 lebten in der heutigen Ruhr-Metropole Dortmund ungefähr so viele Menschen, wie heute im ausverkauften Signal-Iduna-Park den Spielen des BVB beiwohnen. Aber die damaligen Einwohner waren vor 127 Jahren in heller Aufregung, als plötzlich jede Menge Büffel, Pferde und echte Indianer im früheren Lunapark - dem heutigen Fredenbaumpark - einfielen. 

Die wilde Horde kam allerdings in friedlicher Absicht, der legendäre Westmann und Entertainer "Buffalo Bill" alias William Frederick Cody machte seinerzeit auf seiner Welt-Tournee auch im Revier Station. Der berühmte Büffeljäger gilt als einer der Begründer des modernen Live-Entertainments und verstand es meisterhaft, sich selbst zu inszenieren. Der Mann, der am Ende der Shows stets mit seinem breitkrempigen Hut ins Publikum winkte, bevor er mit wehender langer Haarmähne dynamisch aus der Manege ritt, ist nur einer der Helden, denen aktuell im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte eine Ausstellung gewidmet ist. 

Noch bis zum 21. Oktober erleben die großen und kleinen Besucher unter dem Titel "Cowboy & Indianer - Made in Germany" unterhaltsam und spielerisch, wie die populären Bilder des Wilden Westens in unseren Köpfen entstanden sind. Die Macher haben bei der Konzeption der Familienausstellung besonders darauf Wert gelegt, jede Menge Mitmach-Elemente zu integrieren. 

Während ich den berühmtesten deutschen Kino-Indianer Pierre Brice in seiner Rolle als Winnetou als Standfigur traf, ritt meine Tochter Holly auf lustigen Plüschpferden, bevor sie einen Marterpfahl nach ihren Wünschen zusammenbaute. Mein Sohn Josh hatte als Cowboy jede Menge Spaß beim Flaschenwerfen im original nachgebauten Saloon. Direkt im Eingangsbereich standen wir staunend vor einer riesigen Abbildung von Buffalo Bills Wild-West-Manege neben dem alten Original-Ankündigungsplakat der Dortmunder Aufführung. 

Imposant, was lange bevor die Rolling Stones oder Robbie Williams ihre Mega-Shows in die Stadien brachten damals schon für zigtausende von Zuschauern aufgebaut wurde. Originell ist auch das umfangreiche Begleitprogramm der Ausstellung. Als heißen Tipp für die Business-Mittagspause gibt es zum Beispiel "Highnoon" – eine 30-minütige Kurzführung durch die herrlich gestalteten Räumlichkeiten und im Anschluss ein deftiges Chili im Museumscafé. 

Am meisten gelacht habe ich über das originelle Give-away, das mir der nette Sören Spoo von der Stadt Dortmund nach meinem unterhaltsamen Ritt durch den Wilden Westen in der Hansastraße 3 überreichte: Auf der liebevoll mit einem sehr jungen Cowboy gestalteten Erste-Hilfe-Packung für kleine Helden ist in gelben Lettern das Zitat eines gewissen Jesse Krabulski abgedruckt: "Winnetou und auch Karl May hatten Pflaster stets dabei." 

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