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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Magic Moments beim Martinszug

Vor ein paar Tagen war es vielerorts wieder so weit: Kirchengemeinden, Kitas und Schulen veranstalteten die traditionellen Martinszüge. Besonders begeisterte Frank Behrendt, wie happy auch Eltern und Kinder aus anderen Kulturkreisen an dem emotionalen Event an der Grundschule seiner jüngsten Tochter teilnahmen.

Laternen für den Martinszug

Laternen für den Martinszug

Als ich Fotos und Filmchen vom Schulhof in den Sozialen Netzwerken postete, welche die umfangreichen Vorbereitungen unseres Martinszuges zeigten, ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Besonderen Spaß hatte die digitale Gemeinde an einem Bild, das mich als Aufpasser des Pferdes der St. Martin-Darstellerin zeigte, während diese ihren Helm und den typischen roten Mantel anlegte.

Eine frühere Mitarbeiterin schrieb auf , dass sie es wunderbar findet, dass bei uns der Umzug noch traditionell stattfindet und nicht als "Laternen- oder Lichterfest" umgemodelt wurde, "um niemanden auszuschließen". Ich habe da eine ganz klare Haltung: Wir haben hier in unserer Heimat schöne und liebgewonnene Traditionen, die es zu bewahren gilt. Alle die zu uns kommen, sind herzlich eingeladen, dabei zu sein.

Ich erinnere mich gerne an Weihnachtszeiten, die ich in der Fremde verbrachte. Andere Kulturen und Gebräuche, die meine Eltern und wir Kinder uns sehr interessiert angesehen haben. Niemals fand ich mich dabei ausgeschlossen, im Gegenteil: Die Einheimischen freuten sich über unsere Teilnahme, erklärten uns alles und zelebrierten ihre Traditionen gemeinsam mit uns als gern gesehene Mitbürger.

Auch der Inhalt der Sankt-Martin-Legende passt aus meiner Sicht mit seiner Symbolik ganz hervorragend in unsere heutige Zeit. Nächstenliebe ist wunderbar und auch wenn die Story einen christlichen Ursprung hat, ist sie doch - ganz egal woran der einzelne glaubt - eher eine einende. Getrennt wird am Ende schließlich nur der Mantel zum Wohle des frierenden Bettlers.

Beim Martinszug unserer Schule sicherten die mit Warnwesten ausgestatteten Eltern gemeinsam mit netten Polizistinnen und Polizisten den Marsch ihrer singenden Kids über die dunklen Straßen. Hunderte liebevoll selbstgebastelte Laternen bewegten sich mit ihren stolzen Trägerinnen und Trägern gemächlich Richtung Rheinufer. Eine wunderschöne Stimmung, um dabei mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Bei uns waren diverse Nationalitäten dabei. Ein amerikanischer Papa fand den Zug "amazing" und eine Mama aus der Türkei war von den köstlichen Weckmännern, die es am Feuer für alle Kinder gab, restlos begeistert. Ein Vater aus Syrien, der erstmals mit seinen beiden Jungs mitlief, war von den mitlaufenden Musikanten und den schönen Liedern angetan und strahlte über das ganze Gesicht. Was für ein schönes Multi-Kulti-Feedback.

Und dass die zentrale Martinsbotschaft vom Teilen von allen verstanden wird, erlebte ich beim Zugfinale im Feuerschein höchstpersönlich: Meine kleine Tochter Holly gab mir netterweise ein halbes Bein ihres duftenden Weckmannes ab, obwohl sie ihn am liebsten komplett selbst aufgegessen hätte.

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