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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Meine Verneigung vor den Heldinnen und Helden in Weiß

Wer im Krankenhaus liegt, weiß ihre Hilfe besonders zu schätzen: Krankenschwestern und Pfleger, die Tag und Nacht für andere da sind. Ihr Job ist hart, die Bezahlung dafür nicht angemessen. Frank Behrendt möchte an dieser Stelle ein Lob aussprechen.

Als Frank Behrendt seiner Tochter Holly von den Erlebnissen im Krankenhaus erzählte, baute sie kurzerhand dieses Motiv aus Playmobil-Figuren auf

Als Frank Behrendt seiner Tochter Holly von den Erlebnissen im Krankenhaus erzählte, baute sie kurzerhand dieses Motiv aus Playmobil-Figuren auf

Das letzte Mal, als ich als Besucher ein Krankenhaus betrat, hatte einen extrem freudigen Anlass: Meine jüngste Tochter Holly wurde geboren. Diesmal ging es um die OP eines Mitglieds unserer weit verzweigten Familie, das sich über nette Angehörige im Patientenzimmer sehr freute.

Da ich als begeisterter New Worker längst gelernt habe, immer und überall arbeiten zu können, modifizierte ich meinen täglichen Rhythmus und fuhr regelmäßig ins Krankenhaus. Besonders beeindruckt hat mich dort der Umgang des Personals untereinander. Alle sind immer in Bewegung, dauernd braucht ein Patient irgendetwas, es muss immer schnell gehen und doch ist ein großer Zusammenhalt und ein herzliches Miteinander spürbar. "Soll ich für dich einschleusen, dann kannst du weiter Visite machen", sagte ein netter Pfleger zu einer Stationsschwester. Sie lächelte dankbar.

Ich treffe den jungen Mann immer wieder, er scheint so etwas wie die gute Seele auf dem Flur zu sein. Er erinnert mich an Pfleger Mischa aus der legendären Schwarzwaldklinik. Damals, Mitte der 80er Jahre, saß gefühlt die gesamte Nation vor den Bildschirmen als Professor Brinkmann und Co. Deutschland behandelten. Lernschwester Elke und besagter Mischa, gespielt von Jochen Schroeder, waren absolute Lieblinge und viele Patienten hätten sich damals auch ohne Wehwehchen gerne in das berühmteste Hospital der Republik einweisen lassen.

Im echten Krankenhaus ist für Kitsch und Romantik wenig Platz. Zu dünn ist nach wie vor die Personaldecke, trotz eingeleiteter Verbesserungen wie das vom engagierten Minister Jens Spahn auf den Weg gebrachte Pflegepersonal-Stärkungsgesetz. "Jeder einzelne Personalausfall sorgt für Turbulenzen", erklärte mir Schwester Ruth, eine zupackende Macherin, die trotz enger Taktung immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. "Können Sie mal mit anpacken junger Mann?", bekam ich im Aufenthaltsraum zu hören, als ich mir einen Kaffee ziehen wollte. Also half ich mit, ein paar Stühle einzusammeln, die eine lustige Großfamilie in ein Patientenzimmer verschleppt hatte.

Kurz darauf umarmte mich ein ausgelassener Wuschelkopf. "Ich liebe euch alle", rief er immer wieder. Ich konnte ihn verstehen, denn er war gerade Vater geworden. Der Gang, der zur Neugeborenenstation führt, ist immer einer meiner Lieblingsorte. Dort werden fortlaufend gutbemützte Winzlinge auf den Armen noch etwas wackeliger Mütter von dannen getragen. Raus ins Leben. Die Väter folgen mit etwas Abstand, schwer bepackt mit Reisetasche, Maxi-Cosy und Präsenten. Ich gratulierte dem Jubler.

Eine vorbeilaufende Schwester lächelte milde. "Wir sind ja froh, wenn die Leute sich freuen, oft genug müssen wir trösten", sagte sie zu mir und schaute deutlich ernster. An meinem letzten Tag brachte ich einen Stapel Merci-Großpackungen mit, die unglaublich nette Truppe in Weiß hatte sich ausgesprochen rührend um meine Verwandtschaft gekümmert. Ich füllte noch eine Lob- und Verbesserungsvorschläge-Karte aus und warf sie in das Kästchen an der Wand. "Bleibt einfach so wunderbar wie ihr seid, ihr Heldinnen und Helden in Weiß" habe ich draufgeschrieben. 

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