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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Vom wunderbaren Zauber, acht Jahre jung zu werden

In ein paar Tagen feiert Frank Behrendts jüngste Tochter Holly ihren achten Geburtstag und hat Wünsche, die ihren Vater sentimental und gleichzeitig glücklich machen.

Frank Behrendt

Frank Behrendt (2. von links) als achtjähriger Ritter

Als ich kürzlich ins Büro fuhr, lauschte ich auf 2 einem Gespräch über Gefahren, die auf Kinder im Netz lauern. Im konkreten Fall ging es um die Smartphone-App "Musical.ly". Mit der können Kids zu bekannten Songs singen, tanzen und ihre Darbietungen auch öffentlich teilen. Statt Applaus schicken Zuschauer Herzchen und Kommentare.

Klingt harmlos, ist es aber nicht. Die Berliner Journalistin Inga Pöting hat für mobilsicher.de intensiv recherchiert und warnte auf dem Sender eindringlich davor, dass besonders junge Mädchen mit ihren oft freizügigen Showeinlagen leicht Opfer von Nutzern mit unlauteren Absichten werden könnten. Den Moderator gruselte es beim Zuhören genauso wie mich.

Ich bin heilfroh, dass meine kleine Tochter noch kein Smartphone hat und bislang nur bei Bibi & Tina auf Amadeus und Sabrina in meinem Auto ganz laut mitsingt. Zu ihrem anstehenden achten Geburtstag wünscht sie sich einen Doppelkinderwagen für ihre Puppen und ein neues Fahrrad. Das grell pinke Modell im Prinzessin-Lillifee-Look ist inzwischen zu klein geworden. Hier kann ich es ja vorab verraten: Beide Wünsche werden ihr erfüllt.

Auf meinem letzten Flug las ich über den Wolken im Magazin der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit US-Comedy-Star Amy Schumer. Ihr neuer Film "I Feel Pretty – Verändere alles außer Dich selbst" läuft nächste Woche bei uns an. Im Gespräch wünschte sie sich in die Zeit zurück, als sie so jung war wie meine Jüngste bald wird. "Da war meine Welt noch in Ordnung", erklärte sie und beschrieb ihr Glück wie folgt: "Ich sehe meine Schwester und mich in unseren Pyjamas im Wohnzimmer tanzen und mit den Fingern Makkaroni essen." Später hielt das Leben für Amy und ihre Familie viele harte Prüfungen bereit und die Unbeschwertheit verschwand. Ihr Vater wurde schwer krank, aber Amy brachte mit ihrer besonderen Art die Familie wieder zum Lachen. Heute ist es ihr Job.

Wenn ich an meinen achten Geburtstag zurückdenke, dann sehe ich im Club Gymnastico in Rio de Janeiro eine Horde verkleideter Ritter auf ihren Pferden. Die waren aus Besenstielen, hatten Köpfe aus bemalten Holzbrettern und wilde Mähnen aus rotem Krepppapier. Wir hatten keine PlayStation, keine Smartphones und Apps – aber jede Menge Spaß. Wir ritten immer der Sonne entgegen, erlebten unglaubliche Abenteuer und abends grillten wir mit unseren Eltern Würstchen am Lagerfeuer.

Holly hat gestern schon mal überlegt, wie wir es organisieren, wenn sie den Doppelkinderwagen und das Fahrrad zum Geburtstag bekommt. "Du schiebst den Kinderwagen Papa und ich fahre mit meinem neuen Fahrrad nebenher", lautet der Plan. Es besteht nicht der leiseste Zweifel, dass es genauso laufen wird. Und noch etwas ist sicher: Wenn ich demnächst das neue Fahrzeug meiner kleinen Tochter vorwärts bewege, werde ich mir insgeheim wünschen, dass dieser Sommer nie zu Ende geht, weil mit acht die Welt noch so wunderbar in Ordnung ist. 

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