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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum gute Eltern auch Spielverderber sein müssen

Als beim Elternabend in der Grundschule das Thema "Mediennutzung" auf der Agenda stand, wurde Frank Behrendt klar, dass es Probleme gibt. Es ist und bleibt für Eltern ein schmaler Grad, seine Kinder nicht zu digitalen Außenseitern zu machen und dennoch das richtige Maß zu wahren.

Kinder beim Handydaddeln

Kinder beim Handydaddeln

Getty Images

Meine Frau war kürzlich beim Geburtstag einer Freundin eingeladen. Viele Mütter brachten ihre Kinder mit. Die Sonne schien, neun von zehn Kindern tobten fröhlich draußen herum. Ein Mädchen saß alleine im Wohnzimmer und bearbeitete unaufhörlich ihr Smartphone. "Was soll ich machen, ich habe eben Daddelkinder", sagte die Mutter des digitalen Spielkindes entschuldigend. Schwach. Denn niemand wird als "Daddelkind" geboren.

Als ich jung war, gab es keine digitalen Devices. Dafür waren TV-Geräte - speziell als das "Buntfernsehen" aufkam - das Ziel unserer täglichen Begierde. Aber meine Eltern sorgten dafür, dass sich unser damaliger Bewegtbild-Konsum in sehr vertretbaren Grenzen hielt. "Es tat uns oft leid, euch den Fernseher auszuschalten, weil ihr voller Begeisterung mit glänzenden Augen davor gesessen habt", erzählte mir meine Mutter kürzlich. Aber es hat uns im Nachhinein mit Sicherheit nicht geschadet. Im Gegenteil.

Die neuesten Computerspiele sind heute für die Kids genauso faszinierend wie für uns damals die Flimmerkiste. Auch mein eigener Junior würde bestimmt mehr Games konsumieren, wenn er dürfte. Aber meiner Frau und mir ist es wichtig, dass die Kinder auch das analoge Spielen nicht verlernen, deshalb gibt es klare Grenzen.

Am besagten Elternabend in der Schule meiner Jüngsten sprach auch Kalli, ein Sozialpädagoge, der an den Schulen in NRW im Bereich Deeskalationstraining, Suchtprävention und Medienkompetenz tätig ist. Er berichtete von siebenjährigen Grundschülern, die drei Stunden täglich bei "Fortnite Battle Royale" mit dem digitalen Gewehr herumballern. Der "Sinn" dieses Spiels - sofern man in diesem Zusammenhang überhaupt davon sprechen kann - ist es, dass jede Menge Spieler aufeinander schießen, bis nur noch einer übrig bleibt. Um die Altersfreigabe gibt es übrigens einen eigenen Kampf zwischen Behörden, Hersteller und Shops: Ab 16 oder schon ab 12... Klar ist, dass "Fortnite Battle Royale" mit absoluter Sicherheit definitiv nicht für jüngere Kinder geeignet ist.

Auch die digitalen Spielzeiten sind ein immerwährendes Streitthema. Die nordrhein-westfälische Initiative "Spieleratgeber" gibt etwa 45 Minuten für die 7- bis 10-jährigen Grundschüler als Richtwert pro Tag an. Ab 14 empfiehlt sie ein wöchentliches zeitliches "Medienbudget" anstatt einer täglichen Höchstgrenze. Wichtig bleibt aber am Ende immer die Überwachung durch die Erziehungsberechtigten, denn sonst wird aus dem Spiel sehr schnell bitterer Ernst. Erst im Juni dieses Jahres hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Videospielsucht unter dem Namen "Gaming Disorder" als offizielle Krankheit anerkannt.

Bei Kindern und Jugendlichen, so erklärte der engagierte Medienkompetenz-Vermittler Kalli, kann man diese allerdings oft noch ganz einfach erfolgreich bekämpfen: "In dem man mehr gemeinsame Zeit mit den Kindern verbringt - am Besten ohne Handy und Computer." 

Handysucht bei Kleinkindern