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Frank Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wie ein handgeschriebener Brief ein lange verschollenes Gefühl zurückbrachte

Wir alle schreiben. Jeden Tag. Mails, Posts, SMS, Whatsapp-Nachrichten... Aber wann haben wir zum letzten Mal einen richtigen handgeschriebenen Brief verschickt? Unser Kolumnist Frank Behrendt hat jetzt so einen von einer Gärtnerin bekommen und dadurch die Lust am schönen Schreiben wiederentdeckt.

Brief

Ich drehte ihn mehrmals um, sezierte den Umschlag, suchte überall und fand nichts: Keine E-Mail-Adresse, keine Festnetz- und keine Handynummer. Auch auf Facebook, Twitter, XING oder Instagram war die Dame nicht zu finden. Aber es gab sie, eben nur nicht in der digitalen Welt. Sie hatte mir einen wunderbaren geschrieben, mit einer herrlich geschwungenen Handschrift und blauer Füllertinte.

Seit 40 Jahren ist sie Gärtnerin, in der grünen Welt zu Hause und als es ihr einmal sehr schlecht ging, schrieb sie sich alles von der Seele und auch das auf, was ihr früher einmal Freude gemacht hatte. Dazu Gedichte und Gleichnisse, lauter Sachen, die ans Herz gehen. Ein kleines Buch wurde daraus, aber kein Verlag wollte es haben. Also druckte sie es für sich selbst und verschenkte es an Menschen, wenn sie traurig waren.

Jede Zeile Wertschätzung und Wärme

Das alles ist lange her und nur ein einziges Buch von damals lag seitdem noch im Bücherschrank im Ruhrgebiet. Das hat sie mir jetzt geschickt, zusammen mit dem handgeschriebenen Brief. Sie hatte mich in einem Beitrag bei RTL West gesehen, und daraufhin mein Buch gekauft. Beim Lesen spürte sie eine Seelenverwandtschaft. Das hat sie mir geschrieben und es hat mich berührt. Jede einzelne Zeile Wertschätzung, Wärme und Menschlichkeit.

Ich habe ihr zurückgeschrieben. Mit der Hand. Und blauer Füllertinte. Es war ein wunderbares Gefühl am Holztisch zu sitzen und zu sehen wie das Blatt sich Stück für Stück füllte. Es hat mir Freude gemacht. Und als ich den Brief zur Post brachte habe ich eine Sondermarke ausgesucht. Wie früher. Mit einem grünen Ford Capri drauf, den hatte ich in meiner Jugend als Matchboxauto.

Es blieb nicht bei dem einen Brief, ich schreibe jetzt wieder öfter mit der Hand. Weil es schön ist und besonders. Gerade weil alles immer digitaler wird, tun solche kleine Oasen der analogen Wertschätzung gut. Gestern kam ein neuer Brief der netten Gärtnerin. Frankiert war er mit einer Marke aus der Auto-Serie, die ich auch verwendet hatte. Ein wunderschöner blauer Porsche fuhr mir entgegen. 

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