HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum meine Tochter auch für mich nach Neuseeland fliegt

Viele Menschen nehmen sich vor, im Alter ihre Träume zu realisieren. Doch oft macht das Schicksal diesen Planungen einen Strich durch die Rechnung. Frank Behrendt ist begeistert von seiner großen Tochter, die sich jetzt in jungen Jahren einen großen Traum erfüllt.

Roadtrip in Neuseeland

Roadtrip in Neuseeland

Immer wenn ich im Radio mit seinem Hit "Wenn sie tanzt" höre, berühren mich besonders die Zeilen "...dann geht sie barfuß in New York, trampt alleine durch Alaska, springt vor Bali über Bord und taucht durch das blaue Wasser..." Der Mann, dessen neues Album "Der Junge, der rennt" heißt, hat die Hit-Single seiner Mutter gewidmet, die alleinerziehend war und auf vieles verzichtet hatte.

Wie vielen anderen Menschen auch gaben ihr Träume Kraft, um die Last des Alltags besser zu ertragen. "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum", philosophierte im 16. Jahrhundert der italienische Dichter Tommaso Campanella. Nicht immer einfach umzusetzen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Aber teilweise geht es schon, wenn man konsequent ist und manche Dinge einfach macht.

So wie meine große Tochter Emily. Sie reist im Februar mit ihrem Freund vier Wochen durch . Das Geld dafür hat sie sich mit harter Arbeit hinter dem Service-Counter eines Baumarkts und bei einer Event-Agentur zusammenverdient. Ins Land der Kiwis und der legendären "All Blacks"-Rugby-Helden wollte ich selbst auch schon immer, habe es aber bislang nie geschafft. Der Job, kleine Kinder, der Hund, mehrere Wochen am Stück Urlaub nehmen - es gab und gibt viele Gründe, den Traum (noch) nicht in die Tat umzusetzen.

Meine Tochter macht es jetzt richtig: Sie nutzt die Zeit zwischen Abgabe ihrer Master-Arbeit und Beginn des Referendariats und taucht einfach ein in das Land ihrer Träume. Mit dem Camper durch die Natur, die schon Erfolgsregisseur Peter Jackson beim Dreh der "Herr der Ringe"-Filme unendlich faszinierte.

Obwohl ich nicht vor Ort dabei sein werde, bin ich selbst ganz infiziert. Ich habe viele Blogs gelesen und traf im Netz immer wieder auf Menschen wie Simone, die auf www.wolkenweit.de schreibt, dass sie seit der 6. Klasse von einer Reise nach Neuseeland träumte. Ihre Mathe-Lehrerin war jedes Jahr dort und hat ihr von der Schönheit dieses Landes erzählt. Die Reisebloggerin hat eine Passage über ihre eigene Tour mit den Worten "Ein Liebesbrief an meine Kindheit" überschrieben.

Ich wünsche meiner Tochter vergleichbare Glücksgefühle auf ihrem Traumtrip. Ich erwarte keine täglichen Anrufe und Reiseberichte: Aber wenn sie in das grüne Farmland rund um die Stadt Matamata in der Region Waikato kommt, soll sie wissen, dass sich ihr Vater über ein Selfie vor der Stadt Hobbingen im Auenland freuen würde. Statt Bilbo Beutlin darf auch gerne ihr Freund mit auf dem Foto sein.

Themen in diesem Artikel