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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn Geschäftsideen auf der Straße liegen

"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr" - diesen Spruch von Wilhelm Busch zitierte das Familienoberhaupt im Hause Behrendt einst gerne. Heute ist Frank Behrendt seinem Vater allerdings extrem dankbar für so manche frühere Weisheit, von der er sein Leben lang profitiert hat.

Sehr junger Geschäftsmann mit Limonadenstand

Sehr junger Geschäftsmann mit Limonadenstand

Als Jugendliche erwarteten meine und ich von unserem Vater das, was alle Heranwachsenden wollen: Taschengeld. Aber wir bekamen keins. "Das Geld liegt auf der Straße", sagte mein Dad damals und forderte uns auf, anstatt zu jammern lieber über smarte eigene Einnahmequellen nachzudenken.

Nach ein wenig Grübeln kamen wir drauf: Transport. In Otterndorf gab es keine Busse und Bahnen, die Touristen liefen stattdessen kilometerweit zu Fuß vom Hafen oder den Ferienhäusern hinterm Deich in die Stadt, um dort einzukaufen. Wir sammelten alte Fahrräder auf dem Sperrmüll und reparierten sie. Mit einem selbstgemalten Schild setzten sich mein Bruder Ulf und ich neben unsere Zweiräder an die Straße und warteten. Allerdings nicht lange. Nach wenigen Stunden waren alle Fahrräder vermietet.

Die Nachfrage war so groß, dass wir weitere Räder zusammenschraubten und sogar neue im Großhandel kauften. Die vermieteten wir als "Jahresräder" und verkauften sie im Herbst wieder zum Einkaufspreis. Die Mieteinnahmen der Saison waren unser Gewinn. Nach zwei Jahren weiteten wir das Geschäft aus, konzipierten Abenteuer-Touren, boten sogar "Snack-Packs" mit Bifi und Capri-Sonne an. In der Niederelbe Zeitung wurden wir als pfiffige Jungunternehmer gefeiert.

Unser Vater kassierte zehn Prozent "Nutzungsabgaben" auf unsere Einnahmen, weil wir unser Geschäft schließlich auf seinem Grundstück betrieben. Aber Taschengeld hatten wir dennoch damals immer mehr als genug.

Als ich letzte Woche aus dem Parkhaus am Kaiser-Wilhelm-Ring in Köln trat, goss es plötzlich in Strömen. Der Fußmarsch bis zur Agentur würde extrem nass werden. Da sah ich im Eingangsbereich zum Parkhaus neben dem Kiosk einen Jungen mit einem Schild stehen: "Miet-Schirme – 5 Euro". Ich musste über den cleveren Burschen grinsen. Ich zahlte gerne zehn Euro – fünf Euro Pfand, bekam man später bei Rückgabe "bis 18:00 Uhr" zurück.

Die Schirme waren allesamt mit dem Schriftzug einer Firma bedruckt, die dem Vater des Jungen gehörte. "Die Hälfte der Kunden behält die Dinger für den Zehner", berichtete mir der geschäftstüchtige Teenager. "Die laufen dann Werbung für meinen Papa", grinste er und steckte meinen Geldschein ein. Der jugendliche Schirmverleiher wird seinen Weg machen und mit Sicherheit finanziell später nicht im Regen stehen.

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