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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wie die Drei auf der Bank das Glück im Blick behalten

Wer nicht nur mit dem Blick aufs Smartphone durch die Welt läuft, sieht die Menschen, die mitten unter uns ganz leise genießen. Bei einer seiner täglichen Hunderunden traf Frank Behrendt kürzlich auf drei zufriedene Menschen, die sich einfach über die Essenz des Lebens freuten.

Das Bank-Trio, Frank Behrendts Spazierbekanntschaft

Das Bank-Trio, Frank Behrendts Spazierbekanntschaft

Als wir auf dem Sandweg aus dem Wald heraustraten und um die Kurve bogen, blieben Holly, unsere kleine französische Bulldogge Fee und ich unvermittelt stehen: Das Bild war einfach zu gut - drei Menschen, die unglaublich friedlich auf einer Bank saßen und einfach geradeaus blickten. Ich zückte mein Handy und hielt das Bild voller Ruhe und Harmonie fest.

Neugierig wie ich bin, wollte ich das Stillleben auf der Bank natürlich auch von vorne sehen und deshalb gingen wir hin. Die drei hatten Spaß an dem Hund, an Holly und lachten, als ich ihnen den Schnappschuss zeigte. "Von vorne sehen wir aber noch besser aus", bemerkte die Dame mit Hut und die beiden Herren lachten herzlich. Sie berichteten mir, dass sie oft gemeinsam eine Runde durch den Park drehen und immer auf der Hälfte eine Pause einlegen.

Dann sagte der Herr in der Mitte den Satz, bei dem mir immer noch eine Gänsehaut über den Rücken läuft: "Wir sitzen jeden Tag hier und freuen uns, dass wir auf dieser schönen Welt sein dürfen." Punkt. So viel Klarheit, so viel Wahrheit sprach aus diesen Worten. Und eine tiefe Zufriedenheit. Natürlich war und ist das Leben auch für die drei auf der Bank kein Spaziergang. Wie alle von uns hatten und haben sie ihre Päckchen zu tragen. Sie erzählten von Verlusten, materiellen wie menschlichen. Aber auch die nicht erfreulichen Dinge vernebelten niemals ihre Sinne, um sich den Blick für das Schöne zu bewahren.

Von ihrem Platz am Wegesrand sahen sie vordergründig nichts wirklich Bedeutendes: Eine Wiese, Bäume und den Himmel. "Mit Schäfchenwolken haben wir ihn am liebsten", sagte der Mann mit der hellen Schiebermütze und lächelte sanft. "Schäfchenwolken" - allein wie er das sagte, hatte etwas unglaublich Poetisches. Unser Hund hatte sich mittlerweile ins Gras gelegt, Holly hatte eine Pusteblume entdeckt und zerblies sie. Wie kleine Fallschirme flogen die kugelförmig angeordneten Samen langsam zu Boden.

Die ältere Dame winkte meine Tochter herbei und zeigte auf ihren Handrücken. Dort hatte sich ein Marienkäfer niedergelassen. Holly hielt ihre Hand ganz dicht an die Hand der Frau. 76 Jahre Dankbarkeit neben acht Jahren Neugierde. Der Marienkäfer lief auf die Hand meiner Jüngsten über, bevor er sich in die Luft erhob und mit seinen winzigen Flügeln davonsurrte. "Er muss bestimmt nach Hause zu seinen Eltern", meinte Holly mit wissender Miene und die drei auf der Bank lachten.

Wir verabschiedeten uns und gingen zum Parkplatz. Als wir uns nach ein paar Minuten noch einmal umdrehten, saßen die lebensfrohen Genießer immer noch auf der Bank. Drei kleine Punkte. "Wenn ich mal alt bin, möchte ich auch so zufrieden auf einer Bank sitzen", sagte ich fröhlich zu meiner Tochter als wir ins Auto einstiegen. Sie sah mich aus ihren himmelblauen Augen verständnislos an: "Das kannst du doch auch jetzt Papa, weil man am besten immer glücklich ist in seinem Leben." Mein kleiner Guru hatte gesprochen und wie immer hatte er Recht.

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