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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wie uns ein kleines Haus auf der Dracheninsel am hellen Tag erleuchtete

Wer mit offenen Augen in der Welt unterwegs ist, findet viele bemerkenswerte Orte und Plätze. Manchmal bleiben aber Bauwerke ganz besonders im Herzen haften, die in keinem Reiseführer als "must see" verzeichnet sind. So wie Frank Behrendts neues Traumhaus auf "Sa Dragonera".

Frank Behrendt wandelt mit seiner Frau auf den Spuren der Leuchtturmwärter von "Sa Dragonera"

Frank Behrendt wandelt mit seiner Frau auf den Spuren der Leuchtturmwärter von "Sa Dragonera"

Nach großartigen Ferientagen holt jeden der Alltag wieder ein. Aber es liegt an uns, die Highlights der schönsten Tage des Jahres nicht nur in digitalen oder analogen Bildarchiven abzuspeichern, sondern sie möglichst oft in Gedanken lebendig zu halten. Meine Frau und ich lieben es, bei abendlichen Gesprächen an Orte zurückzukehren, an denen wir uns emotional besonders wohlgefühlt haben. 

Derzeit reden wir oft von einem kleinen Leuchtturmwärter-Häuschen. Es steht auf der Insel "Sa Dragonera", einer unbewohnten Felseninsel vor der Westküste . Der Name hat nichts mit furchteinflößenden früheren Bewohnern auf dem beschaulichen Fleckchen zu tun, sondern mit der Form der Insel. Bevölkert wird diese nur von sehr friedlichen Eidechsen. 

Vor ein paar Jahren wollten Investoren den früheren Seeräuber-Schlupfwinkel zu einem luxuriösen Feriendomizil mit Yachthafen, Hubschrauberlandeplatz und Kasino ausbauen. Das Land war verkauft, die Pläne fertig. Aber dann liefen Naturschützer dagegen Sturm. Das Projekt ging unter, der mallorquinische Inselrat kaufte es von dem Bankenkonsortium zurück und verhängte ein vollständiges Bauverbot. Gut so. 

Jetzt kann man mit einem Schiffchen Tagesausflüge auf die Insel unternehmen, um dort zu wandern. Zum Beispiel zum Leuchtturm Tramuntana. Vor dort aus hat man einen atemberaubenden Blick aufs weite Meer und hinüber auf das Bergpanorama von Mallorca. Den hatte ab dem Jahr 1910 auch ein Leuchturmwärter-Ehepaar. Jeden Abend zündeten sie oben in der Turmspitze eine einfache Petroleumlampe an, um die Schiffe vor der felsigen Küste zu warnen. 

Heute steht das Haus leer, eine ferngesteuerte elektrische Anlage sorgt jetzt für die maritimen Lichtsignale. Als meine Frau und ich vor dem verschlossenen Eingang des Leuchtturmwärter-Häuschens saßen, die unfassbare Ruhe und den Wahnsinnsblick aufs Meer genossen, schwelgten wir in Träumereien. Wie wunderbar wäre es wohl, hier zu wohnen? Das Ehepaar Spijker aus den Niederlanden hat nicht geträumt, sondern Nägel mit Köpfen gemacht. Sie leben auf der Halbinsel Marken in Nordholland in einem über 170 Jahre alten Leuchtturm, den sie liebevoll restauriert haben. 

Mein elfjähriger Sohn Josh merkte, dass seine Eltern von dem hellen Haus mit Leuchtturm auf der Dracheninsel ganz verzückt waren. Er machte ein Foto, um diesen Moment des Glücks festzuhalten. Beim Rückweg klopfte er mir gönnerhaft auf die Schulter und meinte: "Wenn ich später in der NBA als neuer Nowitzki Millionen verdiene, dann kaufe ich euch das Häuschen." Aber bis dahin haben die Eidechsen auf der Dracheninsel noch ein paar Jahre lang Ruhe vor uns. 

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