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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit Ziegen und Lamas verschenken macht glücklich

Lama
Die Hilfsorganisation World Vision unterstützt Menschen in Entwicklungsländern
© World Vision
Alle Eltern kennen das: Kinder können nicht einschlafen, weil sie etwas bedrückt, die Gedanken darüber keine Ruhe finden. Meine kleine Tochter beschäftigte die Tatsache, dass nicht alle Kinder erfreuliche Weihnachten haben. "Warum ist das so, dass nicht alle Menschen ein schönes Leben haben?" Eine kleine Frage über ein großes Thema.

"Wir beiden können leider nicht die ganze Welt retten", sagte ich zu meiner Kleinen, "aber wir können sie ein bisschen besser machen". Erwartungsvoll sah sie mich an, den zotteligen Lieblingsteddy im Arm. Ich erzählte ihr von einer Aktion der Hilfsorganisation "World Vision", die mich sofort begeistert hatte, als ich von ihr hörte. "Das Gute Geschenk" heißt sie. Die Idee: Menschen in Entwicklungsländern, die nur wenig haben, bekommen etwas geschenkt, das ihnen langfristig dabei hilft, die Lebensbedingungen der gesamten Familie zu verbessern. Ein Lama, eine Ziege, ein Bienenstock oder eine Bäckerei können eine Perspektive und der Start in eine bessere Zukunft sein.

Holly hörte aufmerksam zu und vor allem die Ziegen weckten ihr Interesse. Die hatte sie schließlich als kleines Mädchen gerne an Sonntagen im Stadtpark in Köln-Lindenthal besucht. Für 50 Cent zog sie damals eine Tüte Futter aus dem Automaten und lachte vergnügt, als die kleinen Zicklein glücklich Getreide-Pellets von ihrer winzigen ausgestreckten Hand aufsaugten. Ein herrlicher Spaß. Ich erklärte, dass eine Ziege zum Beispiel in Malawi oder im Tschad eine Familie ernähren kann. Die Milch der Ziegen ist sehr nahrhaft und fördert die gesunde Entwicklung der Kinder. Auch vorzüglicher Käse lässt sich aus der Ziegenmilch herstellen, der auf dem Markt verkauft werden kann. Dünger liefert die Ziege auch und sie vermehrt sich. Eine nachhaltige Wertanlage, die Natur hat an alles gedacht.

Holly war beeindruckt. Ich holte mein Smartphone aus der Tasche und zeigte ihr ein Bild auf der Homepage von World Vision. Ein entzückendes kleines Mädchen in typischer Tracht hält ein winziges Zicklein auf dem Arm. Das strahlende Mädchen müsste im gleichen Alter sein wie meine Tochter, es war Liebe auf den ersten Blick. Der Plan stand, wir würden direkt drei Ziegen schenken. "Wir sind ja hier zu Hause auch drei Kinder", argumentierte meine Tochter überzeugend. Glücklich schlief sie ein, Mission erfüllt.

Am nächsten Tag kam eine weitere Ziege dazu, die schenkte ich meinem geschätzten Co-Host von unserem Podcast "Freitags Franky". Jens hatte mir in der letzten Ausgabe berichtet, dass er sich diesmal nichts zu Weihnachten wünscht. Das fand ich irgendwie traurig, also schickte ich eine weitere kleine Ziege auf die Reise, mein Audio-Partner bekam dafür eine schöne Urkunde mit Bild nach Leipzig. Er freute sich riesig und in Afrika wird die Freude genauso groß sein. Win-Win.

"Unsere 'Guten Geschenke' haben alle etwas gemeinsam: sie werden wirklich gebraucht und verändern die Zukunft von Familien in Entwicklungsländern", erklärt Carmen Zahradnik, Projektleiterin bei der Hilfsorganisation World Vision. "Denn wenn es etwas gibt, was wir als globale Gemeinschaft aus der Krise von 2020 lernen sollten, dann, dass wir nur gemeinsam und solidarisch die großen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft meistern können." Recht hat sie. 

Wer schenkt, ist glücklicher

Die wissenschaftliche Glücksforschung ist zwar noch jung, hat aber die Effekte des Schenkens bereits untersucht und kommt immer wieder zu dem Ergebnis, dass andere mit Geschenken zu beglücken einen selbst zutiefst glücklich macht. Eine dieser Studien hat die Psychologin Soyoung Q Park vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke veröffentlicht. In ihrer Forschungszeit an der Universität Lübeck konnte sie gemeinsam mit einer internationalen Forschergruppe mittels einer funktionellen Magnetresonanztomographie nachweisen, welche Folgen Großzügigkeit für das eigene Wohlbefinden auslöst.

Das Experiment funktionierte wie folgt: Man versprach 50 Probanden Geld. Die eine Hälfte sollte es für andere einsetzen, die andere bekam das Geld, um es für sich zu behalten. Die Menschen, die ihre Mittel für andere einsetzten waren glücklicher als jene, die das Geld nur für sich behielten. Mit Hilfe von MRT-Untersuchungen haben die Forscher beobachten können, dass bei den Großzügigen bestimmte Hirnregionen aktiv wurden, die zu einem gesteigerten Glücksbefinden beitragen. 

Der bekannte Hirnforscher und Bestsellerautor Gerald Hüther hat beim Schenken zwei Grunderfahrungen beobachtet, die bereits im Mutterleib erlebt werden: Wir wachsen und sind verbunden. Eine Erkenntnis, die belegt, dass unsere Netzwerke im Gehirn sich eben auch deshalb so anordnen, weil wir wieder und wieder nach diesen Erfahrungen suchen. Wir schenken gerne und sind im Herzen grundsätzlich großzügig, weil wir damit ein Ur-Bedürfnis stillen und verbunden sein wollen. 

Bei den geizigen Egoisten, auf die man im Leben trifft, muss demzufolge im Laufe der Jahre irgendetwas schiefgelaufen sein. Meine Tochter Holly, die im Zuge der durch Corona veränderten Schulsituation ein eigenes Notebook bekam und es seitdem begeistert nutzt, rief mich gestern aufgeregt in ihr Zimmer. Sie hatte die Website von World Vision aufgerufen und noch jede Menge weitere Geschenke entdeckt, mit denen man Gutes tun kann.

Sofort rief sie ihre Omas an und erklärte, dass sie in diesem Jahr auf Weihnachtsgeschenke von ihnen verzichtet. Stattdessen sollten die Großmütter lieber anderen eine Freude machen. Eine klare Empfehlung hatte sie auch parat: Beide sollten ein Lama verschenken, das den Menschen in Bolivien Wolle und wärmende Kleidung liefert. Ich war stolz auf meine kleine Weihnachtswohltäterin, die bestimmt stets glücklich durchs Leben wandeln wird - weil sie so gerne gibt.


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