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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit Reisen geht nicht? Wir waren gerade zu Hause in Afrika

Daktari
"Daktari" wurde in den 60er Jahren vom amerikanischen Tierfilmer Ivan Tors produziert
© privat
Das Coronavirus sorgte dafür, dass der Osterbesuch bei der Großmutter im hohen Norden für meine Familie erstmals ausfallen musste. Also reisten wir zurück in meine Kindheit – und machten in Afrika Station.

Alles ist anders in diesem Jahr, aber von meinen Eltern habe ich früh gelernt, stets das Beste aus jeder Situation zu machen. Mein Vater war zudem ein großer Fan des kauzigen früheren britischen Premierministers Winston Churchill. Wenn wir Kinder in einem Wettkampf eine Niederlage erlitten hatten oder in der Schule mal nicht alles nach Plan lief, zitierte er ihn gerne mit folgendem Spruch: "Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird."

Daher ist es für uns als Familie völlig klar, dass wir uns auch von der Coronakrise nicht aus der Bahn werfen lassen. Ein für uns praktikabler Weg, um mit den aktuellen Einschränkungen umzugehen, ist, es uns zu Hause besonders schön zu machen. Dazu gehören Spielenachmittage aber auch der gemeinsame Genuss von TV-Serien. Besonders witzig finden unsere Kinder es derzeit, sich gemeinsam alte Fernsehschätzchen anzusehen, die ihre Eltern in ihrer eigenen Kindheit faszinierten.

Natürlich sind die Episoden nicht mit den schnellen Schnitten der heutigen YouTube-Clips zu vergleichen, aber die Langsamkeit der Bilder hat offenbar auch ihren Reiz, vor allem, wenn Mama und Papa zwischendurch immer wieder verzückt aufschreien, wenn sie einen Liebling von damals wiederentdecken oder eine Passage neu erleben, die seit vielen Jahren im Erinnerungsspeicher versteckt war. "Das Bergwerk der Erinnerungen" hat es Michael Ende in seiner wunderbaren "Unendlichen Geschichte" einmal sehr treffend beschrieben. "Nichts ist weg, es kann immer wieder hervorbefördert werden".

So wie "Daktari". Als meine Geschwister und ich Anfang der 70er Jahre nach sonnigen Jahren in Brasilien zurück in die Heimat kamen, war die erste Anschaffung meines Vaters - neben einem chromblitzenden Ford Taunus Turnier - ein Fernsehgerät. Eine der Serien, die wir sehen durften, waren die Geschichten aus dem "Wameru Study Center for Animal Behavior". Der wettergegerbte Schauspieler Marshall Thompson verkörperte den Tierarzt Dr. Marsh Tracy. Für seine schöne Tochter Paula, gespielt von Cheryl Miller, haben wir Jungs heimlich geschwärmt. Nicht nur, weil sie so lässig im Intro auf einem Löwen daher ritt. Meine kleine Schwester war Fan vom niedlichen Schimpansenmädchen "Judy", das für den Spaß in der Serie sorgte. Den schielenden Löwen "Clarence" kannte und liebte sowieso jeder.

89 Folgen wurden zwischen 1966 und 1969 abgedreht, Nashörner, Leoparden, Elefanten und Schlangen spielten neben den menschlichen Darstellern Hauptrollen. Spannung war garantiert, denn es gab immer fiese Wilderer, die die Artenvielfalt bedrohten. Für große Emotionen war auch gesorgt, denn Doc Tracy und sein Team mussten schließlich Hand in Hand mit District-Officer Headley jede Menge kranke Wildtiere retten.

Der legendäre Bernhard Grzimek

Da mein Vater als Lehrer stets bemüht war, auch den häuslichen Bildungsauftrag - den er in amerikanischen Serien nie wirklich vermutete - an seinen Nachwuchs zu vermitteln, sah er mit uns auch "Lehrreiches". "Ein Platz für Tiere" mit dem langjährigen Direktor des Frankfurter Zoos, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, gehörte dazu. Der brachte stets ein "possierliches Tierchen" aus seinem Zoo mit in die Sendung. Wenn Grzimek sprach, wuselte das Tier neugierig herum, ein köstlicher Spaß am Bildschirm. Zwischendrin gab es Einspielfilme, wir lernten viel über die Tiere und es gab immer auch eine Botschaft rund um den Artenschutz und das Gleichgewicht der Natur. Für seinen eindrucksvollen Kinofilm "Serengeti darf nicht sterben" bekam Bernhard Grzimek sogar einen Oscar.

Die typische Erzählform des populären TV-Tierfreundes meiner Kindheit inspirierte auch Comedians der damaligen Zeit. Vico von Bülow, alias Loriot, parodierte Grizmeks "Ein Platz für Tiere"-Sendung am Beispiel einer fiktiven Steinlaus. Der "possierliche kleine Kerl" frisst sich während des Beitrags genüsslich durch einen Haufen Beton und Ziegel. Loriot imitierte den Tierfilmer perfekt, auch optisch war er dem Mann, der heute vor genau 111 Jahren das Licht der Welt erblickte, wie aus dem Gesicht geschnitten. Auf YouTube immer noch ein köstlicher Spaß.

Inzwischen haben meine Kinder genau so viel Freude an "Daktari" wie ich früher und wir arbeiten uns zusammen durch die Folgen. Meine Mutter hat in unserer alten Spielzeugkiste noch ein Buch zur früheren Lieblingsserie gefunden und es uns geschickt. In meiner Autosammlung im Keller befindet sich natürlich auch ein kleiner Jeep im typischen Zebra-Look der Wildhüter. "Daktari" wurde übrigens nicht an Originalschauplätzen in Afrika gedreht, sondern auf einer Wildtierfarm in der Nähe von Los Angeles - ihr origineller Name: "Africa".


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